Path:
Periodical volume 16. Februar 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

36 Sitzung vom 16, Februar 1910
D as zweite M om ent, meine Herren, sind außer Ressort kommen, können die gesamte Rechnung 
den S teuern  gewöhnlich unsere gewerblichen I n ­ umstoßen. Im m erh in  glaube ich sagen zu sönnen, 
stitute, in erster Linie die Gasanstalt. Bei der daß wir mit dem Abschluß werden zufrieden sein 
Berechnung der Erträgnisse der Gasanstalt, die können: denn wir haben gerade vom Jah re  1909 
sich am allerschwierigsten vielleicht von allen Ressorts das nicht erwartet.
vornehmen läßt, kann m an eigentlich nur richtig Ich möchte dann zu der Betrachtung über das 
schätzen, wenn m an den Gesamtgaskonsum gleich J a h r  1910 zurückkehren und mich dahin rekapi­
100% stellt. D ann sieht m an, daß im vergangenen tulieren, daß ich gesagt hatte: die Balanze soll 
J ah re  bis zum 30. J a n u a r  1909 von diesen 100% durch die Einnahm en aus S teuern , dem Elektrizitäts­
78,79% Gaskonsum gewesen sind, und wenn man werk usw. hergestellt werden.
nun dieselbe Zeit für 1910 errechnet, so sieht man, W as zuerst die Frage der S teuern  betrifft, 
daß es auf den Kopf fast stim m t: bis zum 30. Ja n u a r  so glaube ich im allgemeinen sagen zu können, 
sind von 100% Gaskonsum 78,86% aufgebraucht daß der S teuere ta t für 1910 insgesamt m it einem 
worden -— also lediglich eine Differenz von 7/ 100%- gewissen O ptim ism us betrachtet werden kann und 
W enn m an noch das Ende des Jah re s  nimmt, auch von uns betrachtet worden ist. Wir haben un ­
so findet man, daß das vorige nicht mit vollen gefähr 850 000 M  S teuern  mehr vorgesehen, und 
100% abgeschlossen hat, sondern nur mit 97,76% ; zwar haben wir das getan, weil sich zunächst mal 
m an kann daher mit absoluter Sicherheit schließen, im Laufe des Jah re s  1909 die Weltmarktlage 
daß auch das laufende J a h r  nicht die vollen 100% wesentlich verbessert hat. S ie alle, meine Herren, 
erreichen wird, sondern von dem veranschlagten verfolgen ja ausgiebig alle die Nachrichten, die 
Gaskonsum auch nur ungefähr 98%. D as heißt, aus dem Auslande kommen, und haben daher die 
wir werden ungefähr über 1 M illion Kubikmeter Gas Besserung gesehen: S ie haben weiter bei uns in 
weniger abgeben und daher Ausfälle von ungefähr I Deutschland jedenfalls die Statistik gelesen und 
100 000 M  haben. daher gesehen, daß unsere Eisenbahnen wesentlich 
D as ist aber nicht das wesentlichste bei der erhöhte Einnahm en im Laufe der M onate gehabt 
Gasanstalt, sondern der Gasanstalt sind durch die haben. S ie haben ferner gesehen, daß die S itu a ­
Revision des Norm aletats sehr wesentliche Lasten tionsberichte aus unseren Jndustrierevleren immer 
auferlegt worden, indem ihr die M ittel für die besser und günstiger gewesen sind, bis vielleicht 
Erhöhung der Löhne und insbesondere die M ittel auf die letzte Zeit, in die m al ein Schatten hinein­
für die Einführung des Neunstundentages nicht zur gefallen ist. Wir können deshalb wohl annehmen, 
Verfügung gestellt worden sind. Diese M ittel daß die allgemeine Lage für 1910 günstiger ist, 
betragen ungefähr 180 000 M, und die muß der als sie zur Zeit der Etatsausstellung im Jah re  1909 
E tat aus eigenen M itteln aufbringen. Es sind also gewesen ist.
neben den 100 000 Ji  nunm ehr 180 000 M  Lasten F ü r uns selbst, für Charlottenburg, kommt 
aufzubringen. Nun wird — so wird von der außer diesen allgemeinen Gesichtspunkten ferner 
Gasanstalt gerechnet — ein großer Teil durch noch hinzu, daß wir ganz bestimmte Anhaltspunkte 
allerlei Ersparnisse, auch erhöhte Einnahm en, wieder dafür haben, daß es bei uns in der S tad t besser 
eingebracht werden: immerhin rechnet die G as­ geworden ist. Einmal, meine Herren, haben wir 
anstalt mit einem M inderertrag von 150 000 Ji  konstatieren können, daß die Bevölkerungsziffer 
gegenüber dem Etatssoll. gestiegen ist, und zwar haben wir im Jah re  1909 
Bei dem Elektrizitätswerk ist nur Günstiges eine Zunahm e der Bevölkerung um  10 777 Seelen 
zu sagen. Wir werden sicher den etatsmäßigen gehabt gegenüber nur 7 875 Seelen im Jah re  1908.
Überschuß erreichen. Es ist das jedenfalls ein sehr erfreuliches 
Bei dem Wasserwerk haben wir auf keine M ehrergebnis, und es hat sich immer gezeigt, 
Überschüsse gerechnet: sie kommen hier also nicht in auch früher in den Jah ren  1900, 1901 und 1902, 
Frage. daß m it sinkender Konjunktur die Bevölkerungs­
D as dritte M om ent, das m an betrachten muß, zunahme, der Zuzug nicht so groß gewesen ist, 
ist der Dispositionsfonds, und über diesen ist beim i daß er aber gestiegen ist, sowie die Verhältnisse 
N orm aletat sehr stark verfügt worden. Die Herren besser wurden, und er ist immer am höchsten 
haben ungefähr 876 000 M M ittel zurzeit bewilligt; gewesen, wenn die allgemeine wirtschaftliche Lage 
der Dispositionsfonds beträgt aber nur 554 000 Ji.  die allerbeste war. M an kann deshalb vielleicht 
Es sind aber noch nicht die ersten Sum m en um ­ auch hier die Hoffnung hegen, daß es weiterhin 
gebucht. Tatsächlich werden, wenn sie am Ja h re s ­ besser wird.
schluß umgebucht werden, Überschreitungen von Wir können ferner mit Freude konstatieren, 
einigen 320 000 M vorhanden sein. Trotz alledem daß es auch auf dem Baum arkt erfreulich voran 
werden diese größeren bewilligten Sum m en das gegangen ist. D as J a h r  1909 reicht auch da fast 
allgemeine Ergebnis nicht zu schwer beeinflussen, an das Rekordjahr 1906 heran. Es handelt sich 
weit festgestellt worden ist, daß sowohl bei den­ um  einen einzigen B au, der im Jah re  1909 weniger 
jenigen Beträgen, die beim N orm aletat bewilligt ausgeführt ist als im Jah re  1906. Es waren im 
sind, Ersparnisse eintreten werden, als auch bei den letzten J a h r  4435 B auten gegenüber 4436 B auten 
verschiedensten andern Zweigen der städtischen im Jah re  1906; die anderen Jah re  reichen nicht 
Verwaltung. daran: 1907 hatte nur 4370 B auten, 1908 gar 
D as Gesamtresultat wird für das J a h r  1909 bloß 4026. Diese Statistik für Charlottenburg 
kein ungünstiges sein. Ich rechne jedenfalls zurzeit stimmt überein m it einer Statistik, welche kürzlich 
damit, daß es günstiger ist, als der Abschluß des in einer der gelegensten Tageszeitungen erschienen 
Ja h re s  1908, der ja 250 000 M ergeben hat: ist, welche sich m it der Bautätigkeit der deutschen 
ich rechne sogar damit, daß es wesentlich günstiger S täd te im dritten Vierteljahr 1909 beschäftigt. 
sein wird. . Freilich muß m an da auch sehr vorsichtig Dabei stellt es sich auch heraus, daß die B au ­
sein; denn, meine Herren, ein einziger Schneefall tätigkeit in Charlottenburg fast die größte gewesen 
oder große Nachbewilligungen, die aus irgendeinem ist; der reine Zugang an W ohnungen in Char-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.