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Periodical volume 23. November 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 23. November 1910 45!)
Wege», au s  de» Fassaden die gröbsten Unschönheiten I glaube, so viel In teresse  haben m it doch auch wohl
herauszum erzen. Ich  habe aber keine entsprechende fü r die S ta d t, daß w ir ihre Entwicklung unterstützen 
H andhabe dazu. M ehrfach w aren  B em ühungen wollen, und zw ar nicht n u r einseitig, um  sie zu 
von Erfolg, aber sehr oft bin ich recht froh gewesen, verschönern, sondern auch ebenso wie S ie  alle, 
w enn ich in höflicher M anier m it denen, die da bauen, um  sie wirtschaftlich zu heben.
auseinandergekom m en bin und  einen direkten S tadtv . H o lz : M eine H erren, nur wenige
Stmdh verm ieden habe. W orte. Ic h  w ollte n u r  verhindern, daß der A n­
S ie  reden  auch von der V erlangsam ung des schein erweckt w ird, a ls ob m eine Fraktion, die 
B au en s . D a s  liegt ja gerade daran , daß keine doch das G ros der V ersam m lung darstellt, etw a 
H andhabe vorhanden ist, um  m it starrköpfigen gegen die V orlage ist. Ic h  persönlich und eine 
L euten zum  Ziele zu kommen. S in d  erst N orm en große Anzahl m einer F reunde stehen der V orlage 
vorhanden, dann  habe ich von vornherein eine durchaus sympathisch gegenüber, wenngleich ich 
e tw as gesicherte Position  und kann ganz anders fü r m eine Person durchaus nicht verkennen will, 
verhandeln . M eine H erren, ich selbst bin nicht am  daß die heute gehörten M om ente erheblich sind.
g rünen  Tisch aufgewachsen, sondern ebenso wie 
S ie  au s  der P ra x is  hervorgegangen und habe (Z uru f.)
25 J a h re  int wirtschaftlichen Leben gestanden. —  Also: w enn auch nicht eine große Anzahl, 
Ich  w eiß, w as  n o t tu t, und daß m an gezw ungen ist, jedenfalls eine nicht unerhebliche Z ahl m einer 
wirtschaftlich zu bauen. W ir wolle» aber dem F reu n d e! Ic h  wollte nur sagen, daß es eine 
B an au sen tu m , dem  ungesunden B auw esen, wie Reihe von H erren in m einer Fraktion gibt, die 
es gerade bei u n s in  C harlo ttenburg  herausgebildet der V orlage sehr sympathisch gegenüberstehe». 
w orden  ist, en tgegentreten . O ft ist derjenige, der den Und zu diesen gehöre ich! D ie vielen Bedenken, 
B a u  au sfü h rt, nicht einm al Baum eister, sondern hat die ich heute gehört habe, sind nicht d era rt gewesen, 
n u r gelernt, sich einen B au riß  zusam m enzu­ um  m eine S y m p ath ie  im geringsten einzuschränken. 
stoppeln, um  ihn d an n  von anderen  bauen zu lassen. Ic h  vertrete voll und ganz den S tandpunk t, dem 
E r macht sich einen P a rte rre r iß , da wird das und die H erren S ta d tb a u rä te  Ausdruck gegeben haben, 
das hineingebracht, danil macht er sich den insbesondere den Gedanken, daß das Gesetz da ist 
E tagenp lan  d rü b er und sagt: D a bringen S ie  das und daß w ir versuchen müssen, m it dem  Gesetz 
hinein. M eine H erren, das ist kein B auen , sondern und m it den drei Thesen auszukom m en, welche 
ein H inw ursteln. I n  einer gu ten  städtischen G e­ in der V orlage auf G rund des Gesetzes in de» 
meinschaft dürfen w ir sv nicht w eiter b a u e n ; das V ordergrund gestellt sind, daß w ir historische B au ten  
kann ich nicht im U rw ald veran tw orten , geschweige erhalten  wollen, daß w ir insbesondere, w as H err 
denn  in einer S ta d t, die, wie S ie  das selbst betont Zietsch im E invernehm en m it dem  H errn  S ta d t ­
haben, schließlich noch etw as auf ihre äußere Er- bau ra t hervorgehoben hat, der Sicherstellung einer 
scheinung geben m uß. gesunden, auch dem künstlerischen Em pfinden 
Also, m eine H erren, gehen S ic  in den A us­ Rechnung tragenden  B ebauung in verschiedenen 
schuß, und S ie  w erden sehen, wie das bereits a u s ­ B auv ierte ln  und S tra ß e n  zustimmen wollen. 
geführt w orden  ist, daß, w enn w ir dort die einzelnen Dieser Gcdankengang m uß u n s u n te r  allen Um­
F rag en  w eiter behandeln, w ir schließlich nichts stünden beherrschen, w enn w ir u n s  vergegen­
anderes w ollen, a ls den Auswüchsen im  B auw esen w ärtigen , w as der H err Syndikus m it Recht 
e tw as m ehr zu Leibe gehen als bisher. S ie  gesagt h a t: C harlo ttenburg  ist der beste, der vor­
w erden m ir doch zugeben, daß es w ahrhaftig  kein nehm e T eil des großen W irtschaftsgebietes von 
schöner Anblick ist, w enn S ie  einen Erker sehen, der B erlin , und w ir haben ein nobile officium, daß 
alles andere a ls  ein solcher, vielm ehr ein großer die vielgerühm te S ta d t  C harlo ttenburg  auch in 
Hängebauch ist. künstlerischer B eziehung auf der Höhe bleibt 
(Heiterkeit.) und sich m ehr und m ehr zu architektonischer H a r­
G erade wie ein solcher den Menschen verunstaltet, m onie entwickelt. D abei will ich ganz dahingestellt 
so verunstaltet auch solch ein Erker den ganzen E in ­ sein lassen, ob es notw endig ist, auf alle E inzel­
druck eines Hauses oft in abscheulicher Weise. S ie  heiten so einzugehen, wie es der M agistrat getan 
sehen jetzt Erker von 12 m  Länge, daun  h a t, ob nam entlich der R ahm en  hinsichtlich des 
kommen noch Balkons dazwischen, und es entstehen S tad tg eb ie ts  nicht zu w eit gespannt ist. Ich  werde 
1,30 m  ausladende U nteransichten von 24 m  Länge. gern bereit sein, w enn S ie  mich in den Ausschuß 
D as sind keine Erker, sondern über die S traß e  hineinw ählen, das eine oder andere zu berück­
gebaute W ohnungen! D a n n  w äre  es besser, nach sichtigen von dem, w as ich heute gehört habe. 
A rt der a lten  Laubengünge gleich u n ten  den P fe ile r Aber S ie  w erden m ir doch zugeben, daß in  den 
zu stellen; dann  hat m an  anständig gebaut, wie es letzten Jah rzeh n ten  die F rage  des S täd teb au es  
die A lten  m achten, u m  Platz zu gew innen, in den eine Richtung eingeschlagen hat, die es durchaus 
langen S tra ß e n  ihrer von M au ern  um faß ten  S täd te . notw endig macht, daß w ir dazu S te llu n g  nehm en. 
Also ich meine, mit dem bloßen Reden kommen D eshalb  begrüße ich die V orlage und hoffe, daß 
tvir nicht weiter. W ir müssen eine Handhabe au s dem Ausschuß etw as herauskom m en wird, 
haben, m it der wir in gesunder Weise die Leute w as u n s  und der Bürgerschaft F reu d e  macht.
e inm al am  Zügel fassen können. S ie  selber als 
städtische Körperschaft wählen die P rü fu n g s ­ (D ie B era tung  wird geschlossen.)
kommission, und S ie  werden sehen, ob die B e­
stimmungen richtig oder falsch gehandhabt werden. Berichterstatter S tadtv . Wolffenstein (Schluß­
W erden sie wirtschaftlich unrichtig gehandhabt, so tu ort) : Rach den ausführlichen D arlegungen  der 
werden S ie  in den ersten p a a r  J a h r e n  sofort an uns  H erren vom M agistrat und  der wenigen F ü r ­
heran tre ten  und sagen: nein, wie könnt I h r  solchen sprecher fü r die V orlage kann ich mich kurz fassen. 
Unsinn machen, wie könnt I h r  derartige wirtschaft­ Ich  betrachte H errn  Zietsch auch als einen F ü r ­
liche Schädigungen den B ü rg e rn  z u m u te n ! Ich sprecher der V orlage, trotzdem es zuerst den An-
        
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