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Periodical volume 23. November 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

452 Sitzung vom 23. Noveinber 1910
geht doch auch nicht. N ur dann würde vielleicht haft. Allerdings hat das Gesetz eine reine Be­
etwas Großartiges zu erreichen sein. schränkung auf sogenannte Prachtstraßen und 
Ich bekenne von vornherein, daß ich durchaus Badeorte nicht gewollt. D as geht aus der Be­
k e i n  G e g n e r  d e s  G e s e t z e s  g e g e n  gründung hervor, die sagt:
d i e  V e r u n s t a l t u n g  v o n  O r t s c h a f t e n  F ü r die Bestimmung der Flüchen, auf 
bin. Ich  habe seinerzeit den Erlaß dieses Gesetzes welche die besonderen ortsstatutarischen An­
m it Freude begrüßt. Ich  gebe vollkommen zu, ordnungen Anwendung finden sollen, hat 
daß namentlich zwei Punkte das Straßenbild der Hinweis auf Landhausviertel, Badeorte, 
ungeheuer stören —  ich will nur auf diese beiden Prachtstraßen nur beispielgebende Bedeutung. 
Punkte eingehen — : die Seitengiebel und das Es ist auch in anderen Orten als Badeorten 
vollkommene Fehlen einer Stützung der Balkons nicht ausgeschlossen,
und Erker. Nehmen wir z. B. einen Fall, der — nun kommt es aber! —
Ih n e n  wohl allen bekannt ist: die reizende Villa, daß für gewisse Flächen (S traßen), in denen 
das Kasino des Elisabethregiments, und daneben die Aufführung gewöhnlicher Reihenhäuser 
ein vierstöckiges Haus, dessen Seitenw and nicht durch die Baupolizeiordnung zugelassen ist, 
einmal m it Kalk beworfen ist, soviel ich mich durch das Ortsstatut Bestimmungen über 
erinnere. D as sieht einfach schauderhaft aus die äußere Gestaltung der Häuser getroffen 
und ruiniert das ganze Straßenbild. I n  der werden usw.
Zukunft würden wir durch das O rtsstatut eine An sich also hat der Gesetzgeber wohl die Möglichkeit 
derartige Verunstaltung — so kann m an das gegeben, weiter zu gehen. Aber ich meine doch, 
doch in der T at nur nennen — beseitigen. F ü r durch die Benennung dieser Spezialfälle hat er 
die Gegenwart beseitigen S ie es nicht! Nach dieser dokumentieren wollen, in  welchem S inne das 
Richtung hin würde es vielleicht angemessen sein, Gesetz ausgelegt werden soll, baß nur gewisse 
wenn das Gesetz es erlaubte, dem O rtsstatut G ruppen von S traßen  dam it getroffen werden 
sogar eine rückwirkende K raft beizulegen. Soviel sollen. W as hat aber unser M agistrat im Gegensatz 
ich aber weiß, erlaubt dies das Gesetz nicht. Weiter zu den M agistraten von Berlin und Schöneberg 
ist es unbedingt störend, wenn m an im m erfort gemacht? Er hat eigentlich alle S traßen  m it 
Erker und Balkons sieht, die ohne jede Stütze wenigen Ausnahmen genommen. E s  w ä r e  
weit in die S traße hineinragen. Ich  kann m ir v i e l  e i n f a c h e »  g e w e s e n ,  i n  d i e s  
aber andererseits sehr wohl einen Baustil denken, O r t s s t a t u t  z u  s c h r e i b e n :  i n  g a n z
bei dem eine derartige Ausführung der Balkons C h a r l o t t e n b u r g  d a r f  n u r  so g e ­
und Erker nicht störend sein würde. Es gibt wohl b a u t  w e r d e n ,  a b g e s e h e n  v o n  d e n  
auch in der Vergangenheit Baustile, zu denen u n d  d e n  S t r a ß e n .  D as wäre viel einfacher 
es gehörte, daß derartige vorspringende Teile gewesen. W enn m an sich den P lan  ansieht, sind 
nicht m it Konsolen, m it Stützen versehen sind; es in der T a t nur ganz kleine Bezirke, die fort­
jedenfalls kann die Zukunft einen derartigen fallen. S o  ist der S in n  des Gesetzes doch trotz 
Baustil bringen. dieser Ausführungsanweisung nicht gewesen.
M eine Herren, d u r c h  G e s e t z e  s c h a f f t  N a c h  e i n e r  a n d e r e n  R i c h t u n g  
m a n  k e i n e  K u n s t ,  d i e  K u n s t  s c h a f f t  s c h e i n t  m i r  a b e r  d e r  E n t w u r f  
s i ch G e s e t z e  s e l b e r .  Ich  glaube, daß die d i r e k t  e n t g e g e n  d e m  G e s e t z e  a u s ­
Vorlage darin viel zu weit geht, wenn sie derartige g e a r b e i t e t  z u  s e i n ,  nämlich hinsichtlich 
Punkte im einzelnen regeln will, und nicht nur des § 5, der die Einzelheiten betrifft und unter 
diese Punkte, sondern auch eine Regelung dahin anderem auch die Beschränkung der F arben­
treffen will, welche Farben die Häuser haben gebung enthält. I n  dieser Beziehung sagt die 
sollen, vor allen Dingen auch, in wieweit bei Begründung des Gesetzes ausdrücklich folgendes: 
Vorgärten Eingänge zu gestatten sind. Meine F ü r S traßen  m it ausgeprägt historischem 
Herren, denken S ie  doch einm al an die P o ts ­ Charakter kann vorgeschrieben werden, daß 
dam er S traße in  Berlin zurück, wo wir früher Neubauten oder bauliche Änderungen sich 
Vorgärten hatten. Wir hätten ja die ganze E n t­ der zur Zeit der Entstehung der S traßen  
wickelung der Potsdam er S traße unterbunden, herrschenden Bauweise anschließen. Dabei 
wenn wir ein solches O rtsstatut wie das vorliegende können Bestimmungen über die äußere Ge­
gehabt h ä tte n ! Aus der vornehmen Privatstraße, staltung der Baulichkeiten, die zu verwenden- 
die die Potsdam er S traße vor ungefähr 30, 40 ben Baustoffe, die Farbengebung u. a. 
Jah ren  war, ist allmählich eine Geschäftsstraße getroffen werden.
geworden, es sind Läden gebaut worden, und D as heißt, der Gesetzgeber hat diese speziellen 
m an hat infolgedessen die Vorgärten unterbrochen, Einschränkungen nur für die historischen S traßen  
die vor den F ronten der Häuser lagen, und hat zugelassen. D as O rtsstatut will aber diese Be­
Zugänge geschaffen. Allmählich ist m an dahin schränkung nicht nur auf die historischen S traßen, 
belangt, diese Vorgärten ganz zu beseitigen, weil sondern auch auf andere S traßen , die un ter den 
ger Verkehr zu groß wurde. Eine derartige E nt­ Begriff „Prachtstraße" usw. fallen, anwenden. 
wickelung können S ie  nicht durch Ortsstatut un ter­ Diese Frage wird im Ausschusse auch näher geprüft 
binden. werden müssen, ob nach dieser Richtung die Ab­
(S ehr richtig!) sicht des Gesetzes innegehalten ist.
D a eine Ausschußberatung stattfinden wird, M eine Herren, ich möchte noch auf einen 
will ich nicht zu weit in die Einzelheiten eingehen; Punkt kommen, der die T i e f e  d e r  E r k e r  
ich möchte nur noch die juristische Frage zu einem u n d  B a l k o n s  betrifft. D a möchte ich dem, 
Teil wenigstens beleuchten. Es ist vorhin gesagt was Herr Kollege Brode schon gesagt hat, noch 
worden, daß essehr zweifelhaft sei, ob m an in dieser h inzufügen: n i c h t  n u r  d a s  I n t e r e s s e  
Weise alle möglichen S traßen  unter das O rts­ d e r  B a u u n t e r n e h m e r ,  n i c h t  n u r  
statut bringen könne. M ir ist es auch noch zweifel- d a s  I n t e r e s s e  d e r  H a u s b e s i t z e r
        
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