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Periodical volume 23. November 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

450 Sitzung vorn 23. November 1910
die und  die B estim m ungen getroffen. Qui s'excuse entscheiden haben  und vielleicht das Richtige im 
s ’accuse, der M agistrat setzt also schon voraus, daß S in n e  der öffentlichen M einung  treffen , später 
hier die G efahr vorliege, daß eine V erlangsam ung durch andere  H erren  abgelöst w erden, die nachher 
in  der E rte ilung  der Konzession e in tre ten  könne. ganz an d ere r Ansicht sind. Ich  h alte  es fü r  äußerst 
Und w enn sie heute dank dem  Z usam m enarbeiten  bedenklich, daß m an  in dieser Weise die Kunst 
unserer B ehörden m it der Baupolizeibehörde nicht geradezu, möchte ich sagen, bureaukratlsieren will.
e in tr itt, so kann sie über J a h r  und T ag  ein treten , M eine H erren  ich b in davon fest überzeugt, 
w enn erst das O rtssta tu t sozusagen zu der R eglem en­ daß diejenigen, die das O rtssta tu t erdacht und daran  
tie rung  geführt haben wird. gearbeitet haben, von künstlerischem E m pfinden  
A ber das allerwichtigste Bedenken, das w ir getragen sind m it dem Z iele, C harlo ttenburg  
haben, folgere ich au s der B egründung  auf S e ite  schöner zu machen. D aß  hier und  da kleine unkünst­
460, daß näm lich die B aupolizei endgültig die E n t­ lerisch em pfindende U nternehm er sind, die auch 
scheidung zu treffen  ha t. D ie B aupolizei soll also wirklich gesündigt haben, die künstlerische R oheiten, 
der H üter der Kunst w e rd e n ! W enn auch K autelen wie der H err B erichterstatter es n an n te , vollbracht 
geschaffen w erden  sollen, wonach unsere B a u ­ haben, w ill ich gern zugeben, und es m ag auch sein, 
behörde gefrag t w ird, w enn auch ein Ausschuß ein­ daß m an  durch das O rtss ta tu t diese unkünstlerisch 
gesetzt w erden soll, dem  die Gesuche vorzulegen em pfindenden kleineren U nternehm er au f den 
sind und der sich dann  gutachtlich der B aupolizei­ rechten Weg des Geschmacks und der Kunst führen 
behörde gegenüber zu äußern  ha t, so bleibt doch die kann. A ber m an  trifft gleichzeitig dam it auch die 
Tatsache gesetzlich bestehen, daß endgültig darüber E igenart eines K ünstlers, der anders denkt a ls  die 
die B aupolizei zu entscheiden hat. W enn nun  der wohllöbliche B aupolizeibehörde, und das möchte 
M agistrat in seiner M otiv ierung  sagt: w ir sind u n s ich im  In te re sse  der Kunst nicht riskieren.
klar, daß eine rechtliche N otw endigkeit fü r die B a u ­ D er H err Berichterstatter sagte, w enn ich ihn 
polizei zur A nhörung dieses Ausschusses n u r in richtig verstanden habe: w enn Leute keine K ultur 
den F ä llen  der §§ 1 und 2 des O rtssta tu ts  vorliegt, haben — oder sagte er: keine K unst? e r sprach doch 
und w enn er ferner sag t: w ir zweifeln nicht daran  wohl von keiner K ultur und m einte dam it w ah r­
usw., daß die Königliche B aupolizei u n s  G elegen­ scheinlich, daß sie kein K unstverständnis haben — , 
heit dazu geben w ird, m it ih r gem einsam  über diese dann  m uß sie ihnen m it G ew alt beigebracht w erden. 
F rag en  zu entscheiden, so kann ich n u r im m er wieder Diese Ä ußerung halte  ich fü r sehr bedenklich. Ich  
d a rau f hinweisen, daß es sich h ier um  ein O rts ­ bin der Ansicht, m an  m üßte in unserem  Z eita lter, 
statu t handelt, d as  J a h re  und J a h re  G ültigkeit haben in  unserem  sozialistischen Z e ita lte r  im m er m ehr 
soll. W ir können nicht wissen, ob die Persönlich­ eine feine W itterung  fü r alles das haben, w as 
keiten, die heute u n te r den M itgliedern  der B a u ­ geeignet ist, in die persönliche F re ihe it einzugreifen, 
polizeibehörde dieser B edingung wohlwollend und hier handelt es sich um  eine der vornehm sten 
gegenüberstehen und  auf die V erhandlungen  des persönlichen F re iheiten , nämlich um  die künstlerische 
M agistrats und  dieses Ausschusses Rücksicht nehm en, F re ihe it. D esw egen  m uß ich mich von diesem 
auch noch über J a h r  und T ag  ihre Ä m ter bekleiden. S tan d p u n k t au s  —  und ein großer T eil m einer 
I n  den folgenden J a h re n  können andere H erren F reunde te ilt diesen S tan d p u n k t —  und aus 
kommen, und  es kann dahin  führen , daß w ir hier ideellen G ründen  gegen das O rtssta tu t w enden, 
einen T eil der künstlerischen F re iheit opfern  und der und ich kann nicht den Wunsch aussprechen, daß das 
B aupolizeibehörde überliefern . O rtss ta tu t au s  den A usschußberatungen in u n ­
(S e h r  richtig!) versehrter Fassung hervorgehe.
Es scheint m ir vom  S tan d p u n k t der Selbstver­ (B ra v o !)
w altung  aus, möchte ich sagen, auch äußerst be­
denklich zu sein, ob es richtig ist, daß w ir hier S ta d tv .  B r o d e : M eine H erren, obgleich der
unnötigerw eise, wie ich glaube, ein Recht der A ntrag  gestellt ist, das O rtssta tu t einem  Ausschusse 
persönlichen F re ihe it opfern zu überw eisen, halte ich es doch wegen der Wichtig» 
(sehr richtig!) dieser V orlage fü r angebracht, noch auf einige 
und der B aupolizeibehörde die endgültige E n t­ P unkte  einzugehen. Ich  beginne m it dem  § 3. 
scheidung über diese D inge überlassen, B erlin  ha t, um  nicht die Möglichkeit zu hindern, 
(sehr richtig!) daß später S tra ß e n , die heute noch keine G e­
weil w ir sie ihr nach dem Gesetz überlassen müssen. schäftsstraßen sind, zu solchen um gestaltet w erden, 
N un, m eine H erren , ist der § 5 ja die Q u in t­ diesen P a ra g ra p h e n  fallen lassen, und zw ar 
essenz dessen, w as ich eine R eg lem entierung  der hauptsächlich deshalb, um  nicht die U m bauten  zu 
Baukunst nennen  möchte. D e r § 5 lau te t: erschweren. E in  wesentlicher P unk t dieses O rts ­
E ine V erunstaltung im  S in n e  des § 3 statu ts sind ja  die U m bauten ; denn w enn S ie  die 
liegt sowohl vor, w enn das Einzelbild des U m bauten, wie es schon vorgeschlagen w orden ist, 
B au es durch Form gebung  oder F arbengebung  und wie es selbst der B erichterstatter geäußert hat, 
an den sichtbaren G ebäudeteilen  verunstaltend fallen lassen, so lassen S ie  dam it einen großen T eil 
wirkt, a ls auch dann , w enn das G esam t­ des O rtssta tu ts  ü b erh au p t fallen . E s w ürde dann  
straßenbild oder O rtsb ild  verunstalte t w ird. 'den L euten, die das O rtssta tu t um gehen w ollen, 
I m  besonderen gelten nun  die und die B estim m ungen. nichts anderes übrig  bleiben, a ls  zuerst vorschrifts­
J a ,  m eine H erren, dieser P a ra g ra p h  hat sehr dehn­ m äßig zu bauen , wie es das O rtssta tu t vorschreibt, 
bare  B egriffe über das, w as beeinträchtigen und beim  B a u  vielleicht schon die nötigen V orkehrungen 
verunstalten  kann, und w enn der H err Berich!- zu treffen , dam it der U m bau nicht allzu teu e r w ird, 
erstatter auch sagt: dasjenige, w as nicht jedem und h in terher nach Fertigstellung des G anzen  u m ­
natürlichen E m pfinden  entspricht, m uß m an  doch zubauen. Diese Möglichkeit ist, w enn S ie  den 
wissen und es auch verbieten  können, so bin ich doch U m bauparag raphen  fortlassen, gegeben. W as 
der Ansicht, daß das eben ein sehr dehnbarer B e ­ erreichen S ie  also d a m it?  S ie  erreichen nicht das, 
griff ist und daß oie H erren , oie heute darüber zu w as erreicht w erden soll, daß nämlich, wie es im
        
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