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Periodical volume 23. November 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 23. November 1910 449
selbst schon einige M aßnahm en  vorgesehen, die bestim m te Flächen, wie L andhausv ierte l, Badeorte 
die Sache sehr m ildern . P rachtstraßen usw., n u r beispielsweise angeführt 
Bezüglich der H andhabung der B estim m ungen w ären. M eine H erren, nach dem  O rtssta tu t 
ist ja eine Kommission, bestehend au s 3 M agistra ts­ handelt es sich aber um  die A usdehnung dieser B e­
m itg liedern , 3 S tad tv e ro rd n e ten  und  drei B ü rg e r­ stim m ungen auf große S tad tv ie rte l, ja, m au kann 
depu tierten , in  Vorschlag gebracht. Es w ird sich sagen: auf den größten  T eil der S ta d t. Ich  habe 
darüber auch noch sprechen lassen. Ich  w ürde daher starke Bedenken, ob das O rtssta tu t in diesem 
wünschen, daß die M ehrzahl der K om m ission^ T eil überhaup t im  S in n e  des Gesetzes abgefaßt ist, 
M itglieder au s  Sachverständigen bestände. und w enn diese Bedenken berechtigt sind, so ist 
Es ist u n te r  m einen F reu n d en  gesagt w orden, zweifellos auch zu befürchten, daß eventuell sich 
die O rtssta tu ten  reg lem entieren  die Kunst, alles Prozesse daran  knüpfen können, w enn das O rts ­
sei doch Geschmacksache. Ich  will durchaus nicht statut Gesetz w erden sollte. M ag  sein, daß m eine 
sagen, daß es n u r  einen guten  Geschmack gib t; aber B efürchtung übertrieben, nicht begründet ist; vor­
es gibt doch einen natürlichen ästhetischen S in n . handen ist sie aber jedenfalls, und berechtigt ist sie 
Ic h ' m eine, m an  kann von einer Sache sagen, durchaus.
sie widerspreche in bezug auf ihre ästhetische E r­ D an n  fürchten w ir nicht n u r eine Erschwerung, 
scheinung jedem  natürlichen E m pfinden  eines sondern auch eine V erteuerung  der Bautätigkeit, 
Menschen, und hier ist auch gerade im  Gesetz gesagt, durch das O rtssta tu t. D er H err B erichterstatter hat 
daß unbeschadet der E igenart einer Fassade n u r das zw ar gesagt, er persönlich w äre nicht dieser Ansicht, 
G esam tbild nicht gestört w erden soll. Es kann also er befürchtete keine wirtschaftliche Schädigung aus 
jeder in  einem  S t i l  bauen, wie er lustig ist; das diesem O rtssta tu t. W arum  aber, m eine H erren, 
G ew and, das Kleid macht es nicht, sondern m ehr hat m an  denn nicht das O rtss ta tu t auf die ganze 
die no rm alen  B edingungen , die eigentlich jedes S ta d t au sg ed eh n t?  Doch n u r deshalb, w eil m au  
ästhetische Auge em pfinden  m üßte sich sagte: m an  kann diesem und jenem  V iertel 
Ich  schlage vor, um  alle diese schwierigen nicht noch zum uten, daß der Besitzer, der dort bauen 
F rag en  zu beraten , eine Kommission von 15 M it­ will, besondere A usgaben hat. D enn  ich könnte 
g liedern zu w ählen nicht begreifen, w eshalb m an dann  nicht logischer­
weise das O rtssta tu t fü r das ganze S tad tb ild  er­
S ta d tv .  W ö llm e r : M eine H erren, nachdem lassen will. ,
der H err B erichterstatter bean trag t ha t, die V orlage Aber m ehr, m eine H erren, m  den Kunst- 
e inem  Ausschuß zu überweisen, könnte m an  ja zu­ p a rag rap h en , wie ich sic nennen  will, in den §§ 5 
nächst überhaup t auf eine größere D ebatte  ver­ und 6 u n te r I  bis V usw. sind ausdrücklich B e­
zichten, und ich werde das auch insofern tu n , a ls  ich stim m ungen getroffen w orden, die zweifellos darauf 
auf E inzelheiten nicht eingehe. Aber es handelt hindeuten, daß eine V erteuerung  des B au es in 
sich einm al um  eine sehr wichtige Sache, nämlich diesem oder jenem  F a ll —  ich will mich ganz vor­
u m  ein O rtssta tu t, das auf lange Z eit Gültigkeit sichtig ausdrücken —  wahrscheinlich ein treten  kann. 
haben und zu Recht bestehen soll, und es handelt sich W enn ein Erker kürzer gebaut w ird, oder w enn 
fe rner fü r einen T eil von u n s um  grundsätzliche B e­ diese oder jene Ansprüche gestellt w erden, daß z. B. 
denken, die w ir gegen diese V orlage haben. sichtbare G iebelteile des Hauses zu bekleiden sind, 
D ieses O rtssta tu t, das der M agistrat und die oder von einem  Zurücktreten der H ausfron t die 
H erren, die dabei m itgeholfen haben, h e rau s­ Rede ist, so ist darau s zu folgern —  ich drücke Mich, 
gearbeitet haben, kann m an als eine w ahre S isyphus­ wie ich w iederhole, sehr vorsichtig aus — , daß eine 
a rb e it bezeichnen, indem  m an  etw as in P a ra g ra p h e n  V erteuerung  des B au es ein treten  kann. Und, 
zw ängen w ollte, w as sich sehr schwer h ineinbringen m eine H erren, der M agistrat spricht ja in § 8 selbst 
läßt, w as sich vielleicht überhaup t nicht h inein ­ von den Kosten, die entstehen können, in diesem 
zw ängen läß t, nämlich den Geschmack. P a ra g ra p h e n , den ich als B rem sp arag rap h en  be­
(S e h r  richtig!) zeichnen kann, in dem  es heiß t: jo e n n  „die 
N u n  möchte ich m ir doch gestatten, so kurz Kosten der trotzdem auf G rund des S ta tu ts  ge­
wie möglich die Hauptgesichtspuukte hervorzuheben, forderten  Ä nderungen in keinem angemessenen 
die u n s die V orlage als außerordentlich bedenklich V erhältn is zu den dem  B auherrn  zur Last fallenden 
erscheinen lassen Kosten der B au au sfü h ru n g  stehen", dann  soll dieser 
D er H err Berichterstatter ha t m it Recht gesagt, B rem serlaß  e in tre ten ; also setzt d e rJJ iag tftro t doch 
daß sich das O rtssta tu t im  großen und ganzen an  voraus, daß in diesem oder jenem  F a lle  eine V er­
das Gesetz gegen die V erunstaltung von Ortschaften teuerung  des B au es ein tre ten  kann.
anlehne und daß es gleichsam in zwei Teile zerfalle: (S e h r richtig!)
erstens in den § 2 des Gesetzes, nach dem  durch O rts ­ Ich  weiß also nicht, wie m an sagen kann, daß keines­
statut fü r bestim m te S tra ß e n  und Plätze von ge­ falls eine V erteuerung  des B au es ein treten  kann.
schichtlicher und künstlerischer B edeu tung  vorge­ D an n , m eine H erren, besteht bei u n s auch die 
schrieben w erden darf, daß die baupolizeiliche G e­ B efürchtung, daß, w enn dieses O rtss ta tu t Gesetz 
nehm igung zur A usführung  von B au ten  zu versagen w erden sollte, auch eine V erlangsam ung in  der 
ist, w enn  dadurch die E igenart des O rts - oder K onzessionserteilung ein treten  w ürde.
S traß en b ild es  beeinträchtigt w erden w ürde, und den (S e h r  rich tig !)
zw eiten T eil, der sich in § 4 kristallisiert, daß nämlich Auch hier ha t ja der B iagistrat in der B egründung 
auch besondere baupolizeiliche A nforderungen ge­ auf S e ite  460 gesagt:
stellt w erden können, soweit es sich um  die B ebauung Um etw aige Bedenken zu beseitigen, die 
bestim m ter Flächen, wie L andhausvierte l, B ad e­ sich gegen das O rtss ta tu t au s  den Gesichts­
orte, P rachtstraßen usw. handelt. U ngefähr in punkten richten könnten, daß durch Schaffung 
dieserA rt ist ja auch das O rtssta tu t eingeteilt w orden. neuer P rüfungsgegenstände d as  an  und fü r 
N un  sagt der H err B erichterstatter, daß die in sich schon langw ierige Konzessionsverfahren 
dem  § 4 des Gesetzes angeführten  Teile der S ta d t, verlängert wird, haben w ir usw.
        
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