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Periodical volume 23. November 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

446 Sitzung vom 23. Rvvcmbcr 1910
weil Berlin  in erster Linie einen großen Bieh- W enn wir eine Großmarkthalle am Fürsten­
morft, dann einen großen Vieh- und einen großen b ruuner  Weg bauen wollen, so müssen wir sie 
Schlachthof Hot, die auf dem Kontinent ja wohl unbedingt mit einer Detailmarkthalte verbinden. 
die größten find. M einer Ansicht nach kann des­ Die Z u fu h r  nach einer solchen M arkthalle stellt 
wegen eine Großmarkthalle für Charlottenburg sich eben billiger, und deshalb können auch die 
nicht in Betracht kommen, sondern es kann sich nur  Lebensm itte l in einer solchen Halle, da die T ra n s ­
um  eine Engrosmarkthalle in Verbindung mit portkosten usw. nach den Verkaufsstellen in der 
einer Detailmarkthalle handeln. W enn eine M arkt­ S ta d t  fortfallen, entsprechend billiger abgegeben 
halle auf den Detailhandel angewiesen ist, so ist werden. Es wird I h n e n  auch klar sein, daß die 
meiner Überzeugung nach der H auptpunkt, daß sie Zentralmarkthalle am  Alexanderplatz ihre Haupt- 
mehr im Herzen der S ta d t  als an  ihrer äußersten einnahm en aus dem Detailhandel erzielt. W enn 
Grenze liegen muß. D azu  w äre es doch nötig, S ie  das Leben und Treiben dort beobachten, werden 
daß wir u n s  nach einem geeigneteren Platze u m ­ S ie  zugeben müssen, daß dort Tausende und H undert­
sehen, als  er sich am  Fürs tenbrunner Weg fü r  un s  tausende umgesetzt werden. S ie  ergibt für Berlin 
bietet. D orth in  werden die H ausfrauen  sehr wenig eine große R entabilitä t,  womit die S ta d t  das 
kommen, weil es zu en tfern t liegt und sie sehr Defizit bei den anderen  Hallen decken kcknn.
unbequem e Verbindungen dorthin haben. (Die B e ra tung  wird geschlossen.)
Ich  hätte die Markthalle lieber auf dem G e­
biete au der S p re e  im M ittelpunkte Charlotten- Berichterstatter Stadtv. Jolenberg (Schluß
burgs, z. B . wo der städtische Lagerplatz ist und w o rt) :  M eine Herren, die D ebatte  hat ja ergeben, 
das Elektrizitätswerk steht, gesehen; auch dort daß wir im wesentlichen über alle Punkte  einig 
hätten  wir Eisenbahn- und auch Wasserverbindung. sind. Ich  möchte m ir  n u r  noch erlauben, m einen 
Eine Markthalle zu errichten, die lediglich dem F reu n d  W öllmer auf einen I r r t u m  aufmerksam 
G roßhandel dient, wozu das Gelände am  Fürsten­ zu machen.
b runner Weg wohl geeigneter wäre, dazu ist C har­
lottenburg gegenüber dem großen Wirtschaftsgebiet Herr W öllmer sagte, daß der Ausschuß sich 
von Berlin  nicht in der Lage und nicht kaufkräftig lediglich mit der M agistratsvorlage zu beschäftigen 
genug. und keinen anderen Auftrag hatte . Ic h  möchte m ir  erlauben, Herr Kollege Wöllmer, u m  I h r e n  
Ich  möchte daher in erster Linie bitten, daß I r r t u m  aufzuklären, I h n e n  dasjenige vorzulesen, 
diese F rag en  mit der größten Vorsicht behandelt w as  in dieser Beziehung der Berichterstatter für 
w erden; denn eine Markthalle ist leicht gebaut, und die Markthallenvorlage in der eisten Plenarsitzung 
nachher ist sie dann, wie das Beispiel von Berlin gesagt hat. E r  führte folgendes aus :
auch vielfach gezeigt hat, unrentabel. W ir müssen 
in dieser Beziehung größte Vorsicht üben und ein­ Ich  beschränke mich vorläufig auf die 
gehend zu R ate  gehen. Bitte , die M agistratsvorlage einem Ausschuß 
von 15 Mitgliedern zu überweisen, der sie 
p rüfen und darüber  beschließen soll, o b 
Stabtb . Klick: Meine Herren, meine F reunde u n d  b z w .  a u f  w e l c h e m  a n d e r  e n 
werden den Vorschlägen des M agistra ts  und des G e l ä n d e  e i ne  Ma r k t h a l l e  zu 
Ausschusses ihre Zustimmung geben, wcnnglech, e r b a u e n  i st.
wir nicht verkennen, daß das T erra in  an der 
Niebuhrstraße infolge seiner zentralen Lage durch­ Also, Herr Kollege Wöllmer, nach diesem Antrag hat 
aus  für  den B a u  einer Zentrulmarkthalle geeignet die S tad tverordnetenversam m lung beschlossen, und 
wäre. Nachdem u n s  aber überzeugend dargelegt der Ausschuß hat nichts anderes getan, als den Auf­
worden ist, daß das T erra in  für  eine event. Er- trag  der S tad tverordnetenversam m lung erfüllt. 
w eiterung  einer Markthalle nicht ausreichen wird, Ich  bitte also, meine «Herren, u m  A nnahm e des 
haben wir un s  beschicken, und wir werden, wie A ntrages  I h r e s  Ausschusses.
gesagt, dem Beschlusse des Ausschusses zustimmen. (Die Versammlung beschließt nach dem An­
W as nun  die F rage  einer neuen  Großm arkt­ trage des Ausschusses, wie folgt:
halle am Fürstenbrunner Weg betrifft, so, meine A. Die Gemeindebeschlüsse
ich, brauchen w ir  u n s  heute den Kopi darüber nicht 
zu zerbrechen; das wird wohl Sache der einzu­ 1. vom 12./20. April 1904 betr. den B a u  
setzenden D epu ta tion  sein. Ich  möchte aber doch einer Zentralmarkthalle auf dem  südlich 
bemerken, daß ich dem Herrn Kollegen Klau bei­ der S ta d tb a h n  zwischen W ilmersdorfer 
pflichten muß, der da sagte, eine Engrosmarkthalle und Leibnizstraße längs der Niebuhrstraße 
werde sich nicht rentieren, w enn sie nicht mit einer belegenen städtischen Gelände,
Detailmarkthalle verbunden ist. W enn auch be­ 2. vom 26. A p r i l /10. M ai 1905 betr. den B an  
dauert wird, daß das wirtschaftliche Leben von einer Zentralmarkthalle  nebst B a h n a n ­
G roß-B erlin  kein zentrales ist, so m uß  ich doch schluß und
darauf verweisen, daß in Berlin  eine Anzahl von 3. vom 13./28. J u n i  1905 betr. die E in­
gut besuchten Engrosm ärkten bestehen. W ir setzung einer M arkthallenbaudeputation ,
haben da besonders neben anderen  Hallen die 
Zentralmarkthalle am  Alexanderplatz, dann  den werden aufgehoben mit dem Bemerken, daß 
Engrosmarkt am  M apbachufer; letzterer ist aller­ durch diesen Beschluß der endgültigen E n t­
dings nicht für Fleisch, sondern für Obst und scheidung über den B au  einer Großmarkthalle 
Gemüse und Feldfrüchte. Diese Märkte rentieren nicht vorgegriffen wird.
sich gut, und ich meine, w as  andere Vororte B. Die S tad tverordnetenversam m lung ersucht 
machen, kann Charlottenburg auch machen; wir den Magistrat, mit ihr in gemischter D e p u ­
können wegen unseres kaufkräftigen Publikums tation über die F rage  der Errichtung einer 
dasselbe und mehr leisten wie die anderen. Großmarkthalle zu beraten.)
        
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