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Periodical volume 14. September 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

362 Sitzung vom 14. September 1910
also denken, wie wenig für die vielen unbemittelten Volksbadeanstalt in der Krummen S traße zu be­
Leute gesorgt ist, die dort wohnen. Es ist m ir eben suchen, besonders Sonnabends Abends, wird zu­
von einem Kollegen noch gesagt worden, er wäre geben müssen, daß die Verhältnisse dort auf die 
ja sehr gern bereit, den Antrag zu unterstützen, wenn D auer geradezu unhaltbar geworden sind. Ich 
es nur nicht in der Nürnberger S traße wäre, sondern möchte daher bitten, wenn der Magistrat uns schon 
jenseits der Spree. J a ,  meine Herren, auf diese die Zusage gemacht hat, die Errichtung einer B ade­
Gegenden, sowohl in Alt-Charlottenburg als jen­ anstalt in der Nürnberger S traße zu beschleunigen, 
seits der Spree, kommen wir auch noch. Aber es ist daß er dann auch m it derselben Beschleunigung an 
seit langer Zeit der einmütige Wunsch aller Frak­ die Erweiterung der Badeanstalt in der Krummen 
tionen gewesen — und diesem Wunsche wurde auch S traße und an die Errichtung einer Badeanstalt 
vom M agistrat von J a h r  zu J a h r  Entgegenkommen jenseits der Spree gehen möchte.
gezeigt — , daß das Ostviertel, auch eine Volksbade­
anstalt oder eine Badeanstalt überhaupt bekommen Stadtv. J a co b i : Als Hausbesitzer in der N ürn­
sollte, und ich glaube, es ist nunm ehr an der Zeit, berger S traße leide auch ich darunter, daß im M ittel­
daß wir an die Verwirklichung dieses Gedankens punkte der S tad t, in der besten Gegend Charlotten- 
gehen. burgs, ein so großes T errain  seit länger als 10 Jah ren  
Der M agistrat ist auf Schwierigkeiten gestoßen. brach liegt und die Entwicklung dieses S tad tte ils 
M an verrät ja nichts, wenn man das öffentlich sagt: dadurch verhindert wird. Ich halte es für meine 
der Magistrat wollte diese Anstalt in der N ürn­ Pflicht, dies hier im Namen meiner Kollegen aus 
berger S traße mit verschiedenen Untereinrichtungen der Nürnberger S traße auszusprechen, und hoffe, 
versehen, um  sie lukrativer zu gestalten. Er ist dabei, daß die Anträge sich wiederholen werden, bis die 
wie es scheint, etwas weit gegangen. Es ist gerade Vorlage kommt.
die Absicht der Unterzeichner des Antrages, daß wir Es ist ja dam it noch nicht gesagt, daß die Vor­
dem Magistrat die Sache erleichtern und ihm sagen: lage von der Stadtverordnetenversam mlung ange­
sorge nur recht bald für eine gute Badeanstalt! nommen w ird; aber sie hat doch einen Vorteil, den, 
Sollten S ie unseren Antrag annehmen, so erklären daß Klarheit geschaffen wird: entweder wird die 
S ie dam it: der M agistrat muß Ernst machen, muß Badeanstalt gebaut, oder das Terrain wird zu 
aufhören, Entwürfe zu machen, und zu T aten anderen Zwecken der Bebauung erschlossen.
schreiten. Die Bevölkerung verlangt das, und ich Ich bitte den Antrag Gredy anzunehmen.
glaube, es ist auch ökonomisch, wenn man endlich 
einmal an die Ausnützung des Grundstücks geht. (Die B eratung wird geschlossen. Die Versamm­
Ich möchte S ie  also bitten, meine Herren, mit mög­ lung beschließt m it großer M ehrheit nach dem An­
lichster Einstimmigkeit den Vorschlag der A ntrag­ trage der S tadtv . Gredy und Gen., wie folgt:
steller unterstützen zu wollen. Der Magistrat wird ersucht, möglichst bald 
eine Vorlage über Errichtung einer Schwimm- 
Bürgermeister M atting : Meine Herren, den und Badeanstalt auf dem städtischen G rund­
Ausführungen des Herrn S tad tv . Gredy gegenüber stück in der Nürnberger S traße vorzulegen.)
möchte ich nur betonen, daß es dem Magistrat 
vollster Ernst mit der Bearbeitung der Angelegenheit Vorsteher Kaufmann: Wir kommen nun zu 
ist, und daß auch mit aller Beschleunigung und Punkt 19 der T agesordnung:
allem Nachdruck daran gearbeitet worden ist. Die 
Schwierigkeiten sind ja bereits angedeutet w orden; Antrag der Stadtv. Dr. Frentzel und Gen betr. 
sie werden aber, wie es scheint, demnächst über­ Fleischteuerung. —  Drucksache 244.
wunden sein, wenigstens so, daß Ih n e n  eine Vorlage 
gemacht werden kann. Ob S ie dam it dann ebenso D er Antrag lautet:
schnell, tvie S ie es wünschen, zu einem abschließen­ Die Stadtverordnetenversam mlung er­
den Ergebnis kommen werden, ist eine Frage, die sucht den M agistrat, mit ihr gemeinsam bei 
ich nicht entscheiden kann. den Reichs- und Staatsbehörden dahin vor­
(Zuruf bei den Sozialdemokraten: D as liegt an stellig zu werden, daß behufs Beseitigung der 
der Vorlage!) bestehenden Fleischnot und zur Verhütung 
künftigen Fleischmangels die Grenzen dauernd 
Stadtv. W itt : Auch meine Freunde sind für für die zoll- uni) quarantainefreie Einfuhr von 
den Antrag des Herrn Kollegen Gredy. Wir be­ Vieh geöffnet werden, das direkt behufs so­
grüßen mit ganz besonderer Freude die Einrich­ fortiger Abschlachtung an die Schlachthöfe 
tungen der medizinischen, römischen und russischen versandt wird.
Bäder. Aber viel wichtiger als die Errichtung einer Auch sind zum Zwecke vermehrter Auf­
Badeanstalt in der Nürnberger S traße ist doch zucht von Vieh die Zölle auf Futterm ittel, 
jedenfalls die Errichtung einer Badeanstalt im mindestens vorübergehend, aufzuheben.
Zentrum  der S tad t uud jenseits der Spree. Ich 
spreche nicht gegen den Antrag auf Errichtung einer Antragsteller Stadtv. Dr. Frentzel: Meine 
Badeanstalt in der Nürnberger S traße, sondern Herren, die mangelhafte Versorgung mit Schlacht­
wünsche nur bei Gelegenheit dieses Antrages, daß vieh und m it Fleisch hat unsere Versammlung und 
der Magistrat gleich auch für den S tad tte il jenseits hat auch den Magistrat bereits des öfteren be­
der S pree eine derartige Einrichtung vorsehen schäftigt. Nach m ir hier vorliegenden Notizen ist 
möchte. Es wäre auch zu erwägen, ob m an nicht bereits im Ja h re  1898, also vor 12 Jah ren , ein 
die Anstalt in der Krummen S traße ausbaut. Wir entsprechender Antrag hier verhandelt worden, 
haben gerade dort bedeutendes städtisches Terrain, und bereits im Jah re  1902 gaben dieselben Um­
es ließe sich dort sehr viel daraus machen. F ü r Bade­ stände wieder Veranlassung, hier zu beraten, wie 
anstalten ist ja in Charlottenburg ganz besonders diesem Übel abzuhelfen w äre; endlich haben uns 
schlecht gesorgt. Wer Gelegenheit gehabt hat, die im Jah re  1905 neu auftauchende, sehr lebhafte und
        
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