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Periodical volume 14. September 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 14. September 1910 357
der Versammlung weiter keinen neuen Antrag ge­ über Arbeitslosigkeit zu entsenden. Ich beantrage 
stellt. Aber Herr Kollege Bollm ann nahm  ihn auf, das in Übereinstimmung m it dem Magistrat.
und ich habe für ihn gesprochen. Infolgedessen 
wurde auf unser beider Bemühen die Sache in dieser (Die Versammlung nim m t Kenntnis und be­
Weise in  der Stadtverordnetenversam m lung er­ schließt nach dem Antrage des Vorstehers.)
ledigt.
M eine Herren, ich sage ja nicht, daß der M agi­ Punkt 12 der Tagesordnung:
strat die Absicht hat, uns in unseren Rechten zu be­
schränken. Aber in Wirklichkeit scheint es m ir so. Vorlage betr. Jnventarbeschaffung für die höhere 
W as ist in Wirklichkeit passiert? Ich bin etwa 12 Mädchenschule IV. — Drucksache 237.
oder 13 Ja h re  M itglied des Wahlausschusses, und 
da ist uns ein Recht nach dem andern beschnitten, Berichterstatter Stadtv. Neukranz: Durch die 
meine Herren. Hier liegen jetzt im m er die Ein­ Reform des höheren Mädchenschulwesens tritt eine 
bürgerungsgesuche aus, dam it m an hineinsieht, Verzögerung in dem Neubau der IV. höheren 
wer Charlottenburger werden will. F rüher machten Mädchenschule ein. S ie  ist augenblicklich in dem 
wir das im Wahlausschuß; auf einmal, vor zwei Gebäude der 26. Mädchenschule untergebracht. Da 
Jah ren , wurde uns gesagt: ach nein, ihr versteht aber diese Schule weder das nötige In v en ta r hat, 
das nicht, es ist besser, wenn das von der Zentral­ noch auch der Bauhof das nötige In v e n ta r liefern 
stelle gemacht wird — das wurde nicht so gesagt, kann, so beantragt der Magistrat schon jetzt, von 
meine Herren, aber es klingt so. Ich muß sagen, der dafür später einzusetzenden Sum m e das 
als Mitglied des Wahlausschusses fasse ich das hier In v en ta r in Höhe von 16 000 M zu beschaffen. Ich 
auch so auf. W arum  sollen wir denn hier auf ein­ beantrage die Zustimmung der Versammlung.
mal in  Charlottenburg zwei S orten  von Ehren­
beam ten haben? Ich kenne nach § 74 nur die Stadtv. Dr. S tadthagen : Meine Herren, zu 
Ehrenbeamten, die die Stadtverordnetenversam m ­ Beginn meiner Bemerkungen muß ich darauf hin­
lung w ählt; daß nun auf einmal da eine andere weisen, daß ich zu meinem Bedauern genötigt ge­
Sorte sein soll, ist m ir unbegreiflich, dafür ist gar wesen bin, aus meinem bisherigen Fraktions- 
kein Grund vorhanden, und dagegen wende ich verbande auszuscheiden und mich der Gruppe der 
mich, sagen S ie meinetwegen: heftig — das liegt Wilden anzuschließen. Ich hoffe aber, daß unser 
nun einmal in meinem Tem peram ent, daß ich in persönliches Verhältnis wie auch das Zusammen­
meinem alten Tagen nicht mehr so ruhig bin wie in arbeiten als Stadtverordnete zwischen meinen bis­
jungen Jah ren ; herigen Fraktionsfreunden und m ir ebenso freund­
(Heiterkeit) schaftlich wie bisher bleiben wird. Ich kann also nur 
bei manchen anderen ist es ja umgekehrt. Ich muß für die Herren sprechen, die sich bisher als Wilde 
Ih n e n  auf das dringendste die Ablehnung der bezeichnet haben.
M agistratsvorlage empfehlen. Ich möchte bei diesem Punkt darauf hinweisen, 
daß in der Begründung des M agistrats bemerkt ist: 
Vorsteher K aufm ann : Wir kommen zur Ab­ Die weitere Projektierung hängt von der 
stimmung. Ich werde über die Ziffern getrennt Entscheidung der schwebenden Frage ab, 
abstimmen lassen. ob mit dieser Schule eine Studienanstalt, 
eine Frauenschule oder ein höheres Leh­
(Die Versammlung beschließt, entgegen dem rerinnenseminar verbunden oder etwa von 
Antrage des Berichterstatters, nach dem Antrage einem Aufbau ganz abgesehen werden soll. 
des M agistrats, wie folgt: Meine Herren, wenn wir uns erinnern, wie die 
Folgenden Änderungen des Entw urfes einer Stadtverordnetenversam mlung seit Jah ren  darauf 
„Organisation der Wohnungspflege" wird zu­ gedrängt hat, daß eine vierte Mädchenschule in Char­
gestimmt: lottenburg gebaut wird — ich glaube, Herr Vor­
1. Der Ziffer 3 des § 6, Absatz 2, sind die steher Kaufmann ist es gewesen, der im Jah re  1906 
Worte hinzuzusetzen: „die zur M itarbeit ganz besonders das Bedürfnis hervorgehoben hat — , 
bereit sind". dann tu t es einem leid, daß hier noch von einer 
2. D er Vorschrift des § 6, letzter Absatz, wo­ schwebenden Angelegenheit gesprochen wird. Es 
nach die M itglieder der W ohnungsaus­ ist ja ohne weiteres zuzugeben, daß die neuere 
schüsse von der Stadtverordnetenversam m ­ Gesetzgebung es bedingt hat, daß die Frage nicht 
lung zu wählen sind, sind die Worte hinzu­ so glatt hat erledigt werden können, wie sie viel­
zusetzen: „nach Anhörung der Deputation leicht vor fünf Jah ren  erledigt wäre, wenn damals 
für die W ohnungspflege".) . das Projekt bereits endgültig angenommen ge­
wesen wäre. Trotzdem aber glaube ich, daß wir 
Punkt 11 der Tagesordnung: bei der jetzigen Sachlage auf dem Gebiete des 
höheren Mädchenschulwesens doch den M agistrat 
Vorlage betr. Entsendung eines dritten Ver­ bitten müssen, diese Angelegenheit nach Möglich­
treters zur Teilnahme an der internationalen keit zu fördern.
Konferenz über Arbeitslosigkeit. — Drucksache 245. W ir wissen, daß überall Schwierigkeiten bei der 
Einschulung der höheren Töchter eintreten, nicht nur 
(Die B eratung wird eröffnet.) in unserer Kommune allein — vielleicht sind sie 
bei uns noch am wenigsten aufgetreten — , sondern 
D a das Wort nicht verlangt wird, beantrage auch in Berlin und anderen V ororten; wir wissen, 
ich, meine Herren, daß die Stadtverordnetenver­ daß die Privatmädchenschulen sich in schwieriger 
sammlung Abstand nim mt, an Stelle des Lage befinden. Unter diesen Umständen, glaube 
Herrn Professors Jastrow  ein anderes Mitglied ich, muß der M agistrat m it aller Energie darauf 
der D eputation zur Teilnahme an der Konferenz sehen, erstens m al den B au der Mädchenschule IV
        
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