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Periodical volume 14. September 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 14. September 1910 3 4 9
betn S tandpunkt,  der hier bei der V erhandlung über Ansichten aller bedeutenden Theoretiker des S tä d te ­
die Wahlrechtreform von allen S e i te n  e ingenom ­ rechts unzweifelhaft zulässig war. W ir hatten darin 
m en  worden ist, auf das  lebhafteste zu bedauern. hervorgehoben, daß grade für unsre S ta d t  die ver­
Es find unheilvolle Beschlüsse, die dem Volkswillen schiedenen Punkte  der geplanten  W ahlreform  be­
in jeder Richtung Hohn sprechen, und das einzige sonders unleidlich w aren ; wir hatten  das —  in der 
Erfreuliche dabei ist, daß schließlich aus  diesen B e ­ der P e t i t io n  beigefügten B egründung —  des 
schlüssen nichts, aber auch gar nichts herausgekom­ näheren aus der Zahl der Bevölkerung, a u s  der 
m en  ist und dadurch kein Zweifel darüber be­ Verteilung der Verm ögen innerhalb der Bevöl­
stehen kann, daß die Bew egung zur Verbesserung kerung hergeleitet. Und der Herr, der im  Herren* 
des preußischen Wahlrechts nicht zum Stillstand hause sagte: die Beschwerden über das  Wahlrecht: 
kommt, sondern ungehindert und sogar verstärkt in sind in allen S tä d te n  dieselben, ha t sich eben nicht 
ihrem Lauf weiter gehen wird. die M ühe genommen, die Petit ionen  zu lesen, oder 
W as u n s  aber besonderen Anlaß gibt, uns  auch n u r  über die Sache nachzudenken; denn sonst 
gerade m it  dem Bescheide des H e r r e n h a u s e s  hätte  er einsehen müssen, daß es andere, sogar eine 
zu befassen, das ist die F o r m ,  in der die Zurück­ große Reihe von S tä d te n  gibt, die bevorzugt sind 
weisung unserer Wünsche erfolgt ist. D a s  Abge­ durch das jetzige Wahlrecht, die auch bevorzugt 
o rdnetenhaus hat die P e ti t ion  der S ta d t  C har­ worden w ären  durch eine W ahlreform  ohne Än­
lottenburg in  korrekter Weise für „durch seine derung der Kreiseinteiluug, wie sie die Regierung 
Beschlußfassung erledigt" erklärt. D a s  Herretthaus vorgelegt hat, während eine große Z ah l  von 
dagegen hat es für  gut befunden, die F o rm  dafür S tä d te n  wie unsere S ta d t  dadurch in höchstem 
zu wählen, daß die P e ti t ion  für „nicht geeignet zur M aße benachteiligt ist.
E rörte rung  im  P le n u m "  erklärt wurde. D as  D as  Herrenhaus hat die Zulässigkeit unserer 
Mitglied des Herrenhauses Oberbürgermeister P e ti t ion  auch wohl empfunden, und der Referent 
K ö r t e  hat den S in n  dieses Beschlusses zutreffend hat, u m  trotzdem ihre Beiseiteschiebung empfehlen 
dahin charakterisiert, daß den petitionierenden zu können, gemeint, daß nach der Entscheidung des 
S tä d te n  ein Hieb versetzt werden sollte. Diese Oberverwaltungsgerichts eine jede P e ti t ion  so ein­
Absicht wird auch dadurch illustriert, daß das Herren­ gerichtet werden könnte, daß sie gesetzlich zulässig 
haus zwei Arten von Pe ti t ionen  unterschieden ha t:  w äre ; aber das Herrenhaus sei nicht dazu da, diesen 
die eine Art, die es korrekt behandelt hat, und die Peti t ionen , die dem S in n e  des Gesetzes wider­
andere, denen es sozusagen das  ehrenvolle B e ­ sprächen, Rechnung zu tragen. Gegen eine der­
gräbnis verweigert hat. F ü r  durch die Beschluß­ artige A rgum entation  ist natürlich jede Logik 
fassung erledigt wurden erklärt die Pe ti t ionen  zwecklos, und es ha t deshalb nichts genutzt, daß im 
etlicher Vereine, eines Herrn Schmidt, bei dem der Herrenhause von verschiedenen Herren vor der u n ­
R eferent noch nicht einmal mitteilte, wo er her ist, gerechten Beschlußfassung eindringlich gew arnt 
ferner die P e t i t io n  von Reserveoffizieren, die darum  wurde.
eingekommen sind, u n te r  die K ultu r träger  au fg e ­ Aber w enn es noch eines Beweises bedurft 
nom m en zu werden. D agegen hat m an  die E r ­ hätte , daß das H errenhaus die Sache rein als eine 
örterungsfähigkeit abgesprochen den Pe ti t ionen  der Machtfrage behandelte, dann  ist er durch einen 
städtischen Körperschaften der S tä d te  Königsberg, Beschluß geliefert worden, den drei Wochen später 
C harlottenburg, Elberfeld, B a rm e n  und Schöne­ in einem ganz ähnlich liegenden Falle das Herren­
berg ! haus  gefaßt hat.  I n  einer Pe ti t ion , die dort am  
M a n  ha t diese eigenartige Beschlußfassung auf 21. M a i  zur V erhandlung kam, wurde ebenfalls 
den § 35 der S täd teo rdnung  gestützt. Erfreulicher­ eine V erm ehrung der Vertreterzahl im Landtage 
weise ha t gleich bei der B era tung  im  Herrenhause angestrebt. Allerdings w aren es  hier nicht S täd te ,  
der Oberbürgermeister unserer S ta d t  darauf hin­ die petitionierten, sondern eine L a n d w i r t ­
gewiesen, daß es ü b e r h a u p t  n i c h t  S a c h e  s c h a f t s k a m m e r ,  und die Pe tit ion  ging dahin, 
d e s  H e r r e n h a u s e s  ist, zu untersuchen, ob daß das den G rafenverbänden und den V erbänden  
nach § 35 der S täd teo rdnung  diese Pe ti t ionen  des alten und befestigten Grundbesitzes in  den alten 
gesetzmäßig sind oder nicht. D a s  ist Sache der Provinzen  zustehende Präsentationsrecht fü r  das  
Aufsichtsbehörde und des Oberverwaltungsgerichts. Herrenhaus auf die P rov inz  Schleswig-Holstein 
Herr Oberbürgermeister S c h u s t e h r u s  hat sehr ausgedehnt würde. D a  wurden die Gesichtspunkte, 
richtig davor gew arnt, daß die parlamentarischen die den städtischen Pe ti t ionen  entgegengehalten 
Körperschaften auf diese Weise gewissermaßen der wurden, schlankweg verleugnet, da wurde der 
Rechtsprechung in die Arme fallen und V oren t­ klassische Ausdruck getan, es wäre hier eine gerechte 
scheidungen treffen, zu denen sie nicht befugt sind. Beschwerde, denn das plattes Land in Schleswig- 
Aber ganz abgesehen davon, daß das Herren­ Holstein genieße noch nicht das V o r r e c h t ,  das 
h aus  überhaup t nicht die In s tan z  war, die darüber ihm in anderen Provinzen zustehe, und so w urde  
zu entscheiden hatte, ob unsre P e ti t ion  nach § 35 d i e s e  P e ti t ion  der Regierung als M ater ia l  über­
der S täd teo rdnung  zulässig ist, ganz abgesehen davon wiesen, obwohl der Oberbürgermeister K ö r t e  
ist auch die E n t s c h e i d u n g ,  d a ß  s i,e n i cht vorher m it  großem Recht seine Kollegen darauf 
z u l ä s s i g i st , f a l s c h .  M it  vollem Recht hat aufmerksam gemacht hatte , daß die gleichmäßige 
Oberbürgermeister B e n d e r  gesagt: wenn es Behandlung dieser Pe tit ion  m it denen der S tä d te  
nicht Sache der S tä d te  sei, dafür einzutreten, daß einfach eine p o l i t i s c h e  A n  st a n  d S.-s a ch e 
im Landtage  eine ordnungsm äßige Vertre tung se i!
der S tä d te  vorhanden sei, dann wüßte er nicht, M eine Herren, die M ehrheit des Herrenhauses 
w as  eigentlich die Gemeinden für Aufgaben zu er­ ha t sich in ihrer Voreingenom m enheit gegen die 
füllen hätten. Dazu kommt, daß unsere Petit ion  modernen Großstädte den primitivsten Aufgaben 
schon durch ihre Z u s p i t z u n g  a u f  d i e  h i e ­ des Gesetzgebers so wenig gewachsen gezeigt,, daß 
s i g e n  V e r h ä l t n i s s e  nach den Grundsätzen die F rage  naheliegt, ob wir recht tun , auf den uns  
des Oberverwaltungsgerichts sowohl wie nach den zuteil gewordenen Bescheid überhaupt noch zu ant-
        
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