Path:
Periodical volume 29. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

342 Sitzung vom :9. Jun i 1910
*
Herr ©tabtv. Dr Crüger sagt w eiter: must denn das ein Punkt, zu dem sich der Nationalliberale 
Charlottenburg immer mit 40 Millionen heraus­ Ortsvcrein geäußert hatte. Ich weiß nicht, ob die Ent­
kommen? Nein, das muß es nicht, das wollen wir schließung dieses Vereins auf seine Worte oder seine 
selbst gar nicht, wir haben gar nicht die Absicht. M einung Einfluß geübt hat. Sollte das aber der Fall 
Herr S tadtv. Dr Crüger ist leider nicht in der Aus­ sein, dann bebaute ich sehr, daß sich seine Freunde 
schußsitzung gewesen. Er würde dann anders ur- im Nationalliberalen Ortsverein nicht auch mit den 
- teilen S ind denn die Vorlagen, die wir Ih n e n  ge­ übrigen Positionen dieser Anleihe beschäftigt haben, 
macht haben, bloß gemacht, um die Zahl 40 M il­ vielleicht würde Herr Kollege Liepm ann dann auch 
lionen herauszubekommen? Nein, meine Herren, der Ansicht gewesen sein, daß die Streichung aller 
sie sind gemacht worden, weil sie innerlich begrün­ dieser Punkte, die z. B. eine Verstümmelung un­
det sind. Leider liegen die Verhältnisse so, daß wir seres Krankenhauses und eine Hintanhaltung der 
diese einzelnen Forderungen im Interesse der höheren Schulen bedeutet, nicht im Interesse des 
S tad t und ihrer Entwicklung stellen müssen, und so Nationalliberalen Ortsvereins gewesen wäre, und 
sind wir leider auf die 40 M illionen gekommen. das hätte ihn vielleicht veranlaßt, seine Ausfüh­
Ursprünglich war sogar eine Sum m e von 50 M il­ rungen entsprechend zu machen.
lionen von den einzelnen D eputationen vorge­
schlagen worden; im Magistrat ist sie auf 40 M il­ Stadtv. Wöllmcr (persönliche Bemerkung): 
lionen herabgesetzt worden, weil wir sagten: wir M eine Herren, der Herr Syndikus und auch der 
wollen nur das vorbringen, was wirklich nötig ist, Herr Oberbürgermeister haben in einer scharfen 
was in den nächsten drei Jah ren  eine Verzögerung Form  gegen mich polemisiert, zu der ich Ih n e n  
nicht duldet, wenn die S tad t nicht darunter leiden keine Veranlassung gegeben habe. S ie haben mich 
soll. in unbegreiflicher Weise mißverstanden. Ver­
Ich kann die Angriffe des Herrn S tadtv . wahrung muß ich dagegen einlegen, daß der M a­
Dr Crüger für sachlich gerechtfertigt nicht anerkennen. gistrat die S tim m ung der Wähler gegen mich und 
Es tu t m ir wirklich aufrichtig leid, daß ich mit meine Freunde ausspielt. Ich habe nicht den Antrag 
ihm in diesen wichtigen Punkten in eine so große gestellt, das Projekt der Untergrundbahn abzu­
Differenz gekommen bin. lehnen, sondern ich habe den Antrag gestellt, in 
dieser Anleihe den dafür eingesetzten B etrag zu 
Borsteher Kaufmann: Von Herrn Kollegen streichen. Keineswegs habe ich jetzt schon das P ro ­
Dr Landsberger ist ein Antrag auf Schluß der jekt verurteilt, sondern habe m ir die Entscheidung 
Debatte gestellt worden. vorbehalten.
(Der Antrag wird genügend unterstützt und Stadtv. Dr. Liepmann (persönliche B em er­
von der Versammlung angenommen.) kung): Meine Herren, wenn der Herr Referent
in seinem Schlußwort die Rede seines Fraktions­
Berichterstatter Dr. Frentzel (Schlußwort): genossen Brode berücksichtigt hätte, dann hätte 
M eine Herren, ich möchte zu der Untergrundbahn­ er wohl die Bemerkungen gegen mich nicht machen 
frage nur einen Punkt, und zwar in meinem Namen können; denn Herr Kollege Brode hat gerade da­
und nicht als Referent des Ausschusses, bemerken. rauf hingewiesen, daß ein nationalliberaler Verein 
Es ist hier sowohl aus der Versammlung als vorhin es war, der die Petition  auf Wiederherstellung 
vom Magistratstisch folgender Satz aufgestellt der gestrichenen 721 000 M  betr. die Durchführung 
worden: wenn wir heute nicht diese Sum m e ein­ der Kaiser-Friedrich-Straße eingereicht hat, und 
setzen, dann verzögern wir die eventuelle Aus­ er hat darauf fußend einen Appell an uns ge­
führung der Untergrundbahn- erst müssen die richtet, daß wir uns doch diesem Bestreben an­
M ittel bewilligt werden, dann kann an das Projekt schließen möchten. D a wir aber der Ansicht zuneigen, 
herangegangen werden. Ich weiß nicht, wie man daß wir nicht berufen sind, den Rücksichten auf 
solche Deduktion machen kann, wo gerade die letzte das große Ganze gegenüber die Interessen einzelner 
Zeit genau das Gegenteil als richtig erwiesen hat. Bezirke und einzelner Bezirksvereine zu un ter­
W ir sind an eine Untergrundbahnvorlage mit stützen, wenn sie uns auch durch Parteifreundschaft 
20 Millionen herangegangen und hatten nicht einen nahe stehen, und da wir das allgemeine Wohl der 
einzigen Pfennig in die vorhergehende Anleihe Kommune in  erster Linie im Auge haben müssen, 
eingestellt. Jetzt, nachdem eine lange Zeit dazwischen so haben wir uns auf den Standpunkt gestellt, daß 
gelegen ist, nachdem uns die schnelle Ausführung wir jetzt nur das Notwendigste bewilligen können, 
des Projekts unmöglich gemacht worden ist, haben später aber, wenn die finanzielle Bereitschaft vor­
wir erst heute für den Rest die M ittel bewilligt. liegt, gern für die in der Petition geltend gemachte 
D as hat uns gar nicht abgehalten, in die schleunigste großzügige Verkehrspolitik eintreten werden.
B eratung über das Projekt einzutreten, und es 
wäre schon längst weiter gefördert, trotzdem die Vorsteher Kaufmann (unterbrechend): Herr 
M ittel nicht in die frühere Anleihe aufgenommen Kollege Liepmann, S ie  sprechen in der persönlichen 
waren, wenn uns nicht die bösen Nachbarn daran Bemerkung immer von „wir". D as scheint also 
verhindert hätten. keine persönliche Bemerkung zu sein.
D ann muß ich mich auch mit ein paar Worten (Heiterkeit.)
gegen Herrn Kollegen Liepmann wenden. Dieser 
verehrte Herr Kollege kann entschieden auch anders. Stadtv. Dr. Liepmann (fortfahrend): D ann 
Heute will er alles wegstreichen, m it Ausnahme sage ich statt dessen „mir", Herr Vorsteher!
der Beträge für werbende Anlagen, also auch für (Große Heiterkeit.)
den Baublock Lietzensee. I n  der vorigen Sitzung Hinsichtlich des Vorwurfs, daß ich eine un­
konnte er anders, da wollte er nicht nur die 1,5 M il­ begründete S tellung zu dem Lietzenseeprojekt 
lionen Mark bewilligen, sondern weitere 1,5 M il­ einnehme, möchte ich bemerken, daß ich das schon 
lionen, also 3 Millionen. Merkwürdigerweise war im Ausschuß auseinandergesetzt habe. Entweder,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.