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Periodical volume 29. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 9. Juni 1910 341
bem Herrn S tadtv . Crüger so vollständig differiere, Westend entwickelt, auch aus steuerfiskalischen 
daß ich sogar sagen m uß: ich verstehe ihn nicht. Es Gründen, und haben den S tad tte il im Norden der 
ist m ir nicht erfindlich, wie er Ansichten äußern kann, Spree so lange liegen lassen, weil er noch nicht bau­
die er hier geäußert hat. reif war. Jetzt aber, >vo er das geworben ist und die 
W as zunächst das Bad betrifft, so hat Herr S tadtteile südlich der Spree entwickelt sind, ist es 
S tadtv . Crüger doch ein Projekt beurteilt und an der Zeit, auch an seine Entwicklung zu gehen. 
kritisiert, das er gar nicht kennt. D as ist doch Wie man sich gegen diese Politik wenden kann, ver­
unrecht gegenüber dem Arbeiten der Depu­ stehe ich nicht. Ich verstehe Herrn S tad tv . Crüger 
tation und des Magistrats. Herr S tadtv . Crüger nicht, wie er sagen kann: wir wollen nicht einzelne 
hat übrigens gar keine Grundlage für eine Kritik, S tadtteile propagieren und ihnen zuliebe urteilen, 
wenn er nur einzelne Sachen herausgreift, wenn 'andern müssen die allgemeine Politik vor Augen 
er nicht weiß, wie das Projekt aussieht, wie die haben. Es ist mir völlig unbegreiflich, wie er das 
Rentabilitätsberechnung ausfallen wird. Kritik in Gegensatz bringen kann zu dem, was der M agi­
kann m an nur an Sachen üben, die man kennt, und strat tu t. it;
Herr S tadtv . I)t Crüger kennt die Sachen nicht. Weiter hat Herr S tadtv . Crüger ausgeführt: 
M eine Herren, ich möchte S ie doch bitten, sich die Geldbewilligung liegt bei der S tadtverordneten­
einmal die Geschichte des Bades vor Augen zu versammlung, die Deputation kann die S ta d t­
führen. Die Stadtverordnetenversam mlung ist es verordnetenversammlung nicht durch Projekte 
gewesen, die jahraus jahrein den Magistrat ersucht binden. J a ,  wer verlangt denn d as?  Verlangen 
hat, in der Nürnberger S traße ein Bad zu errichten. denn wir d a s ? D as ist ja ein Kämpfen gegen Wind­
Und nun, wo w ir dabei sind in langer Arbeit, dem mühlen ! Wo binden S ie  sich denn in diesem Falle, 
Wunsche der Stadtverordnetenversam mlung nach­ wenn S ie 4 Millionen in die Anleihe stellen? 
zukommen, da sagen S ie : wir wollen überhaupt Wo binden S ie sich denn für ein P rojekt? D as ist 
nichts haben, an die Stelle soll überhaupt nichts doch ganz falsch und unrichtig. D as Projekt liegt 
hinkommen! Ih n e n  noch nicht vor. Es wird Ih n e n  vorgelegt 
(Widerspruch.) werden, und S i e  h a b e n  e s  d a n n  i n  d e r  
Denn das bedeutet die Aburteilung, die S ie heute H a n d ,  e s  a n z u n e h m e n  o d e r  a b z u ­
vornehmen. W ir werden Ih n e n  nachweisen, daß l e h n e n .  Dadurch, daß S ie  die 4 Millionen in die 
wir an der S telle nicht ein Bad bauen können, wie Anleihe setzen, binden S ie  die S tadtverordneten­
es in der Krummen S traße gebaut ist. Aber warten versammlung nicht. Es ist m ir völlig unbegreiflich, 
S ie das ab. Töten S ie nicht, indem S ie m it Ge­ wie solch alter — erfahrener, meine ich dam it — 
walt die Augen zukneifen und nicht sehen wollen, Stadtverordneter behaupten kann, die S ta d t­
eine Sache, die noch gar nicht geboren ist. verordnetenversammlung binde sich für das P ro ­
N un hat Herr S tadtv. Dt Crüger von Demon­ jekt durch Einstellung von 4 M illionen in die 
strationsanleihen gesprochen. Ich weiß den M agi­ Anleihe.
strat fern von Demonstrationsabsichten und bedaure Ebenso ist cs m ir unverständlich, wie Herr 
es, daß Herr S tad tv . Crüger dieses W ort aus­ S tad tv . Crüger in  Anwendung auf diesen Fall 
gesprochen und so getan hat, als ob der Magistrat sagen kann: wenn m an Geld im  Kasten liegen hat, 
eine Demonstrationsanleihe beantrage, wenn er die ist man leicht geneigt, es auszugeben. Es liegt ja 
4 Millionen für die Untergrundbahn beantragt. gar nicht im Kasten, ivenn wir die Anleihe bewilligt 
Herr S tadtv . Dt Crüger hat gesagt, wir dürften bekommen. Wir müssen doch das Geld erst erheben, 
uns nicht nach Ansichten und S tim m ungen richten, wenn wir es zur Ausführung eines erst zu be­
sondern m üßten nach bestem Wissen und Gewissen willigenden Projektes haben wollen. Also auch 
handeln. J a ,  meine Herren, glaubt denn Herr das ist falsch.
S tadtv . Crüger, daß der M agistrat etwas anderes Nun zu der Forderung des Herrn Stadtv. 
tu t?  W ir urteilen nach bestem Wissen und Ge­ Dt Crüger, daß erst die Projekte fertig sein müssen 
wissen, und ich muß es ablehnen, daß Herr S tadtv . und dann die Anleihesumme bewilligt werden kann. 
Crüger so tut, als ob er sich vom Magistrat un ter­ Wo würden wir denn mit unseren Arbeiten bleiben, 
scheidet, wenn er so urteilt. Aber der Magistrat wenn wir so vorgehen wollten? Es ist doch klar, 
hat pflichtgemäß zu prüfen, ob die Forderungen daß wir nicht jeden Tag Anleihen machen, sondern 
der Leute, die in jenem nördlichen S tadtteile sie nur für gewisse Zeiten an den Markt bringen 
wohnen, gerecht sind oder nicht, ob sie begründet können. D i e s e  Anleihe soll für drei Jah re  aus­
sind oder nicht; da sind uns Ansichten und S tim ­ reichen. Wenn wir warten wollten, bis die P ro ­
mungen gleichgültig, wir treten für das ein, was jekte fertig sind, dann würden wir nicht das Geld 
gerecht ist, und wir sagen: die Forderungen, die die zu der Zeit haben, in der wir es brauchen, um  die 
Leute dort im S tadtteil nördlich der Spree erheben, Projekte auszuführen, dann würden wir das 
s i n d  gerecht. Wenn Herr S tadtv . Crüger die S patium  von drei Jah ren  überschreiten müssen. 
4 M illionen streichen will, dann sagt er das Gegen­ Eine S tad t, die stagniert, die nicht vorw ärts geht, 
teil: die Forderungen sind nicht gerecht. Bon sondern die zurückgeht, kann das vielleicht machen, 
dieser Folgerung wäscht ihn kein Wasser rein. Wer aber wie eine S tad t, die so rasch vorw ärts schreitet 
die 4 Millionen streicht, der will überhaupt eine wie unsere, die jährlich um  10-—12 000 Einwohner 
Untergrundbahn in den nächsten drei Jah ren  dort zunimmt, diesen Ansprüchen des Herrn S tadtv . 
nicht haben, der verzögert die ganze Angelegenheit Dr Crüger genügen soll, wenn sie nicht zurückkommen 
um drei Jah re . D as hält der Magistrat für un­ will, das ist m ir unverständlich. Außerdem ist das eine 
gerechtfertigt. Nicht einzelne S tadtteile sind es, Forderung, die noch nie aufgestellt worden ist. 
die wir fördern wollen. Wir sind schrittweise vor­ Wir haben vorauszuarbeiten, vorauszudenken, und 
gegangen; das ist nicht zu leugnen. Wir haben erst drei Jah re  sind bei uns eine sehr lange Zeit. Da 
den S tad tte il entwickelt, der uns unsere Steuerkraft müssen wir uns so einrichten, daß wir M ittel zur 
gibt, auch heute noch, den S tad tte il um die Kaiser- Verfügung haben, um, sobald die Projekte fertig 
Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. D ann haben wir und bewilligt sind, an die Ausführung zu geheli.
        
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