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Periodical volume 29. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 19. Juni 1910 331
Teilen der S tadt derartige Volksbadeanstalten, luvtet Jastrow gebildet hat über das Projekt der 
wie wir sie in der Krummen Straße haben, vielleicht Badeanstalt, über das der Magistrat noch gar nicht 
mit noch einigen hygienischen Einrichtungen dazu; Beschluß gefaßt hat.
die können wir noch an zwei oder drei Stellen der Der Herr Syndikus hat vorhin treffend 
Stadt ausgezeichnet gebrauchen. Deswegen denkt ausgeführt, worum es sich denn bei der Anleihe- 
der größte Teil meiner Freunde durchaus nicht vorlage handelt. Wir wollen uns die M i t t e l  
daran, wie es sich nach der Vorlage vermuten läßt, zur Ausführung sichern f ü r  d e n  F a l l ,  daß 
nur e i n e  Badeanstalt in der Nürnberger Straße wir ein Projekt einer Untergrundbahn Ihnen  vor­
in diesem Umfange zu bauen, sondern ich stelle den legen, dem Sie zustimmen wollen, oder daß Sic 
Antrag, daß wir statt der Worte: „zur Errichtung deut Projekt der Badeanstalt, das wir Ihnen  vor­
einer Badeanstalt" die Worte setzen: „zur Er­ legen werden, zustimmen wollen. Es handelt sich 
richtung von Volksbadeanstalten". Das ist es, hier n i c h t  darum, über die P  r o j e k 1 e dazu zu 
worauf die Bevölkerung wartet. Der Herr Re­ urteilen, die noch gar nicht vorhanden sind, die 
ferent hat sehr richtig gesagt: wir haben Sie noch gar nicht kennen. Um v o r s o r g l i c h  
viel mehr gesunde Einwohner als kranke und Projekte a u f z u s t e l l e n ,  die notwendig sind, 
schwache, für die Kranken und Schwachen sorgen dazu haben Sie ja Ih re  Deputationen eingesetzt!
wir, für die Gesunden haben wir, was das Bade- (Sehr richtig!)
bedürfuis anlangt, bis jetzt nur in der Krummen Die Deputationen habe» in langer Überlegung an 
Straße durch eine kleine Badeanstalt gesorgt. Für dem Untergrundbahnprojekt gearbeitet und werden 
diese müssen wir sorgen, für diese müssen wir die es Ihnen  in kurzer Zeit vorlegen; sie haben in langer 
Volksbadeanstalten schaffen. Eine Verbindung Überlegung an dem Projekt der Badeanstalt 
solcher Anstalt mit russisch-römischen, medizinischen gearbeitet und werden es Ihnen  vorlegen Nun 
Bädern in luxiriöser Ausgestaltung, wie es hier kommen Sie, meine Herren, mit plötzlich auf­
geplant ist, halte ich absolut nicht für notwendig. tauchenden Ideen, die gar nicht geprüft sind, 
Die Leute, die diese Bäder aufsuchen, haben meist und wollen diesen Projekten, die Sie noch gar nicht 
in ihren Wohnungen ihre Badezimmer, und wenn kennen, den Untergang bereiten. Damit fallen Sie 
diese nicht ausreichen, werden sie in Sanatorien ja ihrer eigenen Deputation in den Arm! Dann 
oder Privatanstalten gehen; die Mittel haben sie setzen Sie doch nicht Deputationen e in ! Wer 
dazu. Die kleinen Leute, denen derartige Dinge wird von Ihnen  noch in Deputationen mitarbeiten 
verschrieben werden, werden sich, wie in den wollen, wenn Sie ungeprüfte Projekte schon ab­
Krankenhäusern, auch bei diesen Bädern ohne jeden lehnen, die Sie noch gar nicht kennen? Ich muß 
Luxus begnügen. Ihnen  offen gestehen, mir ist das in der kommunalen 
Ich wiederhole also, daß ich den Magistrat Praxis, hier in Charlvtteuburg wie früher, noch nicht 
bitte, wenn er uns, wie es doch aus der Einstellung vorgekommen. Können Sie denn die Verant­
dieses Betrages hervorgeht, recht bald mit seiner wortung übernehmen, das Untergrundbahnprojekt 
Vorlage kommt, diese fo zu gestalten, daß wir nicht abzulehnen, bevor sie es geprüft haben? Können 
eine Luxusbadeanstalt in der Nürnberger Straße Sie die Verantwortung übernehmen, das Projekt 
bekommen — wie man sagt, tm Werte von 4 M il­ der Badeanstalt, von dem Sie noch gar nicht wissen, 
lionen und darüber —, sondern daß uns für die wie es aussieht, von vornherein abzulehnen, nur 
3Y2 Millionen, die jetzt aus der alten und neuen weil Herr Stadtverordneter Jastrow oder die 
Anleihe zur Verfügung stehen, in der Nürnberger Herren, die den Antrag unterschrieben haben, das 
Straße, wenn es sein muß, oder in anderen Teilen Wort „Luxusbad" gehört haben? Wer sagt Ihnen  
Charlottcnburgs Volksbadeanstalten errichtet denn, daß das Projekt eines „Luxusbades" Ihnen  
werden. vorgelegt werden soll? Das ist ein Irr tu m  von 
Ihnen . Es ist niemand berechtigt, zu sagen, daß 
Vorsteher Kaufmann: Der Antrag des Ihnen  eilt Luxusbad vorgelegt werden ivird. Der 
Herrn Kollegen Jastrow lautet, in der Vorlage Magistrat hat zunächst noch gar nicht darüber be­
statt „zur Errichtung einer Badeanstalt" zu sagen: schlossen. Ih re  Deputation hat über ein Projekt 
„zur Errichtung von Bolksbadeaustalteu", also in beraten, das sie, ich glaube, einstimmig als das 
der Mehrzahl. einzige angesehen hat, das an dieser Stelle aus­
zuführen geeignet ist, in der Nürnberger Straße, 
Oberbürgermeister Schustehrns: Meine einer Stelle, wo vier Gemeinden, Wilmersdorf, 
Herren, diejenigen von Ihnen, welche beantragt Schöneberg, Berlin und Charlottenburg, aneinander 
haben, die 4 Millionen für die Untergrundbahn grenzen, wo es sich also darum handelt, ein Bad zu 
zu streichen, und die jetzt den Antrag gestellt haben, bauen, das nicht bloß für Charlotteuburg, sondern 
bei der Bewilligung der 2 Millionen für Bäder zu auch teilweise für die Schöneberger, Wilmersdorfer 
sagen, daß es Volksbadeaustalten werden sollen, und Berliner Einwohnerschaft in Frage kommt. 
befinden sich nach meiner Auffassung in einem Daß unter solchen Verhältnissen auch besondere 
schweren und verhängnisvollen Irr tu m , wenn sie Maßnahmen getroffen werden müssen, ist selbst- 
glauben, daß wir bei der Beratung dieser Anleihe verständltch. Meine Herren, warten Sie doch erst 
uns bereits über die P r o j e k t e  zu entscheiden ab, ob Sie uns das Projekt ablehnen werden, wenn 
haben, die nur in Aussicht genommen sind. Ich Sie es geprüft haben! Wenn Sie dann wollen, 
möchte dringend davor warnen, diesen Weg zu können Sie es ablehnen. Aber für den Fall, daß 
gehen, den wir noch nie bei Anleihen gegangen sind, Sie die Möglichkeit haben wollen, es auszuführen, 
daß wir uns über P r o j e k t e ,  d i e  noch  g a r  müssen Sie die Mittel zur Verfügung haben.
n i c h t  v o r l i e g e n ,  heute den Kopf zerbrechen, An ein Luxusbad denken wir also nicht. Wir 
daß infolge von Mißverständnissen, irrtümlich auf­ wollen ebenso wie Sie eine Volksbadeaustalt 
gefaßten Worten und hingeworfenen Bemer­ in der Nürnberger Straße errichten. Nur wollen 
kungen ein Bild in den Köpfen entsteht, das so wir keine altmodische Voltsbadeanstalt errichten, 
falsch ist >vie das Bild, das sich Herr Stadtverord- die in die heutige Zeit nicht mehr paßt. Wir
        
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