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Periodical volume 29. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

320 Sitzung vo m ! 9. Juni 1910
und ganzen zustimmen. Einige Ausführungen ganz bestimmten Raum - und Flächeninhalt pro 
möchte ich m ir trotzdem noch zu der Borlage er­ Kopf der Bewohner aufweisen.
lauben. Fest steht, daß m an darüber nicht zu 
streiten braucht, daß irgendwelche Einrichtungen, Stadtv. Br. Borchardt (zur Geschäftsord­
die geschaffen werden sollen, nicht immer so aus­ nung): Meine Herren, ich möchte m ir erlauben, 
fallen, wie m an es sich ursprünglich gedacht hat. den Antrag auf Schluß der B eratung zu stellen. 
S o  wird es auch bei dieser Vorlage gehen. Die Die gestellten Abänderungsanträge sind ja nur 
Erfahrungen werden ausgenutzt werden müssen. unwesentlicher Art und ausreichend diskutiert. 
Die Vorlage sieht vor, daß im allgemeinen nur Die Anregung des Vorredners hat zu einem Ab- 
W ohnungen kontrolliert werden sollen, die zwei änderungsantrage nicht geführt, sondern ist ledig­
oder weniger bewohnbare Zim mer umfassen. lich als Anregung gegeben worden. Angesichts der 
Meine Freunde und ich halten das nicht für weit­ Tatsache, daß noch eine weitere, sehr wichtige An­
gehend genug, und zwar deshalb, weil es Woh­ gelegenheit auf der Tagesordnung steht, und daß 
nungen von 3 Zim mern gibt, die schließlich nicht diese allerdings ebenfalls sehr wichtige Angelegen­
mehr Raum  für sich in Anspruch nehmen als Zwei­ heit doch von den Rednern der allerverschiedensten 
zimmerwohnungen. I n  der Begründung wird aus­ G ruppen bereits beleuchtet worden ist, scheint es 
geführt, daß die Wohnungsaufsicht nicht weiter mir, daß wir den Schluß der B eratung eintreten 
als auf Zweizimmerwohnungen ausgedehnt zu lassen können.
werden braucht, da aller Voraussicht nach die Drei­
zimmerwohnungen der Aufsicht wohl nicht be­ (Der Antrag auf Schluß der B eratung wird an­
dürfen. D am it ist, wie ich glaube, zum Ausdruck genommen.)
gebracht, daß m an in den Ein- und Zweizimmer­
wohnungen das größte Elend, die größte Not und Berichterstatter Stadtv. Br. Nöthig (Schluß­
am meisten Mißstände vermutet. Weiter sagt aber die w ort): Meine Herren, ich möchte im  Einverständ­
Vorlage, indem sie bestimmt, daß die Dreizimmer­ nis m it dem M agistrat eine lediglich formelle 
wohnungen, wo Schlafleute usw. Unterkunft Änderung der Ausschußanträge Ih n e n  zur Be­
finden, mitkontrolliert werden sollen, daß sich auch schlußfassung unterbreiten insofern, als nicht gesagt 
in Dreizimmerwohnungen eine Menge von Elend werden soll: „W ohnungspflegergehilfe", sondern
und moralischer Verkommenheit finden läßt. „W ohnungsamtsgehilfe".
Schwere Mißstände wird m an aber auch in solchen F erner möchte ich mit einigen W orten auf die 
Wohnungen m it drei bewohnbaren Zimmern Ausführungen eingehen, die in der Debatte ge­
entdecken, in welchen keine Schlafleute usw. auf­ macht worden sind, zunächst ganz kurz auf die Be­
genommen werden. Diese werden um  so größer merkung des Herrn Kollegen Jacobi. Herr Kollege 
sein, je begrenzter der auf die Person entfallende Jakobi irrt ganz gewaltig, wenn er glaubt, daß die 
Raum  ist. Ich  habe schon gesagt, daß es Drei­ Änderungen, die der Ausschuß bezüglich des Melde­
zimmerwohnungen geben kann, die an Umfang, an wesens durchgeführt hat, prinzipieller N atur sind. 
Kubikmeterinhalt nicht mehr Raum  aufweisen als Diese Änderungen find lediglich redaktioneller Art. 
Zweizimmerwohnungen. Dieser Umstand führt Wenn Herr Kollege Jacobi die Vorlage und den 
meine Freunde dazu, zu erklären, daß wir die Vor­ Ausschußbericht noch einmal durchlesen wird, wird 
lage nicht für konsequent genug betrachten, sondern er auch, glaube ich, in diesem Punkte dieselbe 
daß wir wünschen, daß sich auch die Kontrolle auf Ansicht gewinnen, die er von seinen letzten Aus­
Dreizimmerwohnungen erstrecken soll, die einen führungen in der vorigen Sitzung gewonnen hat, 
bestimmten Flächeninhalt, einen bestimmten daß er etwas zu >veit gegangen ist. Vor einer 
Kubikmeterluftraum, auf die Person berechnet, Vertagung möchte ich dringend warnen. Die Vor­
n i c h t  aufweisen. Wir halten es nicht für besonders lage ist so reiflich in den vorbereitenden Instanzen 
glücklich, die Grenze nach der Zimmerzahl zu ziehen, besprochen worden, wir haben im Ausschusse so aus­
sondern erachten es für praktischer, daß m an einen giebig gearbeitet, daß bei einer Vertagung nichts 
bestimmten Flächen- und Raum inhalt zugrunde herauskommen wird.
legt und so dahin gelangt, daß ein bestimmter Nutz­ Nun der Antrag Bollm ann. Es könnte hier 
raum  bewohnbarer Fläche in den W ohnungen für scheinen, als wäre dieser Antrag lediglich formeller 
die Person vorgesehen wird. I m  § 6 Abs. d  der Natur, insofern ein M odus akzeptiert werden soll, 
Grundsätze über die Beschaffenheit der Wohnungen der bisher immer in  der S tadtverordnetenver­
usw. ist ausgeführt, daß ein bestimmter Luftraum  sammlung üblich gewesen ist, und es könnte so 
und Flächeninhalt vorhanden sein soll. Wir sind der scheinen, als ob eine Beeinträchtigung der Kom­
Auffassung, daß, da die W ohnungen nicht nach dem petenz der Stadtverordnetenversam mlung vorläge, 
Flächeninhalt, sondern nach der Anzahl der Zim mer wenn man von diesem M odus abginge. Ich möchte 
bew ertet werden, die Gefahr nahe liegt, daß in den diesen weiteren Schluß nicht ziehen. Ich möchte 
neuen Häusern meist W ohnungen zur Errichtung noch einmal das unterstreichen, w as Herr Kollege 
kommen werden, die wohl eine bestimmte Anzahl Holz gesagt hat, und was auch Herr S tad tra t Seydel 
von Zimmern aufweisen, aber schließlich nicht mehr ausgeführt hat, daß diese Wohnungsausschüsse 
Flächen- und Raum inhalt als an Zimmcrzahl Arbeitsausschüsse sind, die im Rahm en des Arbeits­
kleinere Wohnungen in vielen älteren Häusern. gebietes der D eputation für die Wohnungspflege 
Die Befürchtung ist also begründet, daß in Woh­ arbeiten sollen. Es ist vollkommen logisch, wenn 
nungen von 3 Zimmern nicht mehr Personen unter diese Wohnungsausschüsse von der D eputation für 
gleichen, auf den Kopf berechneten R aum verhält­ die Wohnungspflege besetzt werden. Die Kom­
nissen Platz finden als in  den Zweizimmer­ petenz der Stadtverordnetenversam m lung ist durch 
wohnungen älterer Häuser. Aus diesen Gründen die Wahl der Bürgerdeputierten und der 3 F rauen  
bitten wir, daß ein Unterschied bei den D rei­ als M itglieder der D eputation für die W ohnungs­
zimmerwohnungen gemacht wird, und daß die pflege ja vollauf gew ahrt; indirekt ist also auch die 
Wohnungen m it inspiziert werden, die nicht einen Kompetenz der Stadtverordneten bei der Be-
        
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