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Periodical volume 29. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

314 Sitzung vom 9. Jun i 1910
liegenden Berichte entnehmen könne». Ich versage Ehrenbeamte in Aussicht genommen sind, ferner 
cs m ir daher, auf diese Änderungen einzugehen. drei F rauen  m it beratender S tim m e, und daß die 
Andere Änderungen sind gerade aus dem Gesichts­ Wohnungsausschüsse, die einen großen Teil der 
punkte heraus gemacht worden, das polizeiliche Kleinarbeit zu leisten haben, ebenfalls in  reicher 
M oment, wie ich bereits eingangs erw ähnt habe, Weise durch freie M ithelfer aus der Bürgerschaft 
auch äußerlich in der Borlage nach Möglichkeit besetzt werden sollen. Die berufliche Seite findet 
zurücktreten zu lasseu. Auch diese Änderungen er­ ihre Erledigung dadurch, daß vorgeschlagen wird, 
sehen S ie aus dem Ih n e n  gedruckt vorliegenden zwei W ohnungspfleger anzustellen, zwei W ohnungs­
Bericht, und ich verweise darauf. Eine dritte Art pflegergehilfen und einen Verw alter des Melde­
der Änderungen ist aus der Überlegung geschaffen am ts. Ich möchte hierbei gleich die Gehaltssätze 
worden, Härten, soweit sie den Ausschußmitgliedern hervorheben, wie sie vom Ausschusse beantragt 
iii der Magistralsvorlage enthalten zu sein schienen, werden. Danach würde sich das Gehalt des 
nach Möglichkeit zu beseitigen. F ü r diese Art der W ohnungspflegers belaufen vom Mindestgehalt 
Änderungen verweise ich auf die vom Ausschuß vor­ von 4200 M  bis zum Höchstgehalt von 6000 J6, das 
geschlagenen Abänderungen der §g 3 und 6 der der W ohnuugspflegergehilfen vom Mindestgehalt 
Grundsätze. von 2200 b 's  auf 3500 M und das Gehalt des Ver­
Wenn ich nun die Einrichtung besprechen soll, walters des Wohnungsnachweises von 2600 bis 
wie sie sich nach den Verhandlungen int Ausschuß 4400 M.
darstellt, so möchte ich zunächst darauf hinweisen, Bei der Debatte darüber, ob die W ohnungs­
was die Wohnungsaufsicht bezweckt, und worauf sie pfleger besoldete Gemeindebeamte sein sollten oder 
sich erstreckt. S ie erstreckt sich auf Wohnungen, die nicht, ist von einem Ausschußmitglicde der Antrag 
außer der Küche aus zwei oder weniger zum eingebracht worden, besoldete Beam te vollkommen 
dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten auszuschalten und die ganze Organisation auf eine 
Räum en bestehen, und zwar werden hierbei solche ehrenamtliche Basis zu stellen in dem Sinne, daß auch 
Räum e nicht gerechnet, die weniger als 6 qm Boden­ die W ohnungspfleger Ehrenbeamte sein sollten. 
fläche haben. S ie erstreckt sich ferner auf alle I n  der letzten Sitzung ist dieser zuerst allgemein 
Wohnungen, in die Schlafgänger aufgenommen gehaltene Antrag dahin präzisiert worden, daß m an 
werden, und auf alle Schlafgelasse der im Hause 20Ehrenbeamte alsW ohnungspfleger und 20 andere 
des Arbeitgebers oder der Dienstherrschaft wohnen­ Ehrenbeamte als S tellvertreter dieser W ohnungs­
den Arbeiter, Haitdlungs- und Gewerbegehilfen, pfleger setzen sollte. I m  Ausschuß haben sich gegen 
Lehrlinge und Dienstboten. Hierzu lag dem Aus­ diesen Antrag schwerwiegende Bedenken erhoben. 
schüsse eine Anregung in doppelter Hinsicht vor. Es ist ausgeführt worden, daß die Tätigkeit des 
Einmal, von vornherein eine Ausdehnung der W ohnungspflegers eine so große berufliche T ätig ­
Wohnungsaufsicht auf Dreizimmerwohnungen zu keit ist in bautechnischer und hygienischer Hinsicht, 
schaffen. Diese Anregung wurde zurückgezogen, die größere Erfahrung erfordert, daß ferner ein 
nachdem vom Magistrat und auch von der über­ Teil dieser Tätigkeit so wenig angenehmer N atur 
wiegenden M ehrheit des Ausschusses die Ansicht ist, daß es nicht möglich sein wird, diese Tätigkeit 
ausgesprochen worden war, m an sollte von vor­ teilt durch Ehrenbeamte ausüben zu lassen. Weiter 
herein die Aufgabe nicht zu weit spannen, es würde ist darauf hingewiesen worden, daß in zwei S täd ten  
ja immerhin möglich sein, später, wenn die Sache — von einer S tad t wurde es direkt belegt — der Ver­
sich eingerichtet und sich die Anregnung als not­ such, die Aufsicht eines W ohnungsamts rein ehren­
wendig herausgestellt hat, eine solche Ausdehnung amtlich durchzuführen, mißglückt ist, und daß es sich 
vorzunehmen. s  Die zweite Anregung war die, nicht empfehlen würde, diesen mißglückten Versuch 
iticht nur die Schlafstellen in den Kreis der Woh­ nachzumachen. Infolgedessen ist der Ausschuß trotz 
nungsaufsicht zu ziehen, sondern auch die Chambre- aller prinzipiellen Wertschätzung der ehrenamtlichen 
garnies. Auch auf diese Anregung hat sich der Aus­ Tätigkeit doch dazu gekommen, nicht eine rein ehren­
schuß nicht eingelassen aus ähnlichen Argumenten, amtliche Tätigkeit anzunehmen, sondern die Kom - 
wie ich sie eben auseinandergesetzt habe, daß näm ­ bination, wie ich sie vorhin erw ähnt habe, zwischen 
lich gesagt w urde: wenn es notwendig ist, ist die beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit. Dieser 
Ausdehnungsmöglichkeit ja vorhanden; ferner auch, Antrag aus rein ehrenamtliche Tätigkeit ist, wie S ie  
weil sich der Ausschuß über die Schwierigkeit des ebenfalls aus dem Ausschußbericht ersehen, mit 
rechtlichen Unterschieds zwischen Schlafstellen­ 11 gegen 1 S tim m e gefallen. Der näher p rä­
inhabern und Chambregarnisten klar war, und weil zisierte Antrag, der in der letzten Sitzung des Aus­
er meinte, wenn erst das W ohnungsamt eine Zeit schusses eingebracht wurde, ist nicht zur Abstimmung 
lang in Kraft getreten ist, werde m an vielleicht zur gestellt worden, weil dem Ausschuß durch die 
Lösung dieser Frage eine bestimmte Unterlage prinzipielle Ablehnung in einer früheren Sitzung 
haben und leichter und ohne größere Gefahr die Sache erledigt zu sein schien.
zur Ausdehnung der Wohnungsaufsicht auch auf Bei Besprechung der in der Magistratsvorlage 
die Chambregarnisten übergehen können. vorgesehenen sogenannten Wohnungsaufseher wurde 
Die Ausübung der Arbeiten des W ohnungs­ von einem Mitgliede, das eine besonders autoritative 
am ts soll nach dem Ausschußbericht, der sich in dieser S tellung auf diesem Gebiete besitzt, hervorgehoben, 
Beziehung der M agistratsvorlage angeschlossen hat, daß der Titel „Aufseher" vielleicht geeignet wäre, 
in der Weise erfolgen, daß ein Prinzip beruflicher eine gewisse Undurchsichtigkeit in die ganze Organi­
und ehrenamtlicher Tätigkeit m iteinander kombiniert sation zu bringen, und daß es sich empfehlen würde, 
worden ist. Gerade der Hinweis darauf, daß das diesen Titel fortzulassen und statt dessen einen Aus­
W ohnungsam t nur gut arbeiten kann, wenn es von druck zu wählen, der auf den Zweck hindeutet, der 
vornherein das Vertrauen der Bevölkerung genießt, mit der Anstellung der Wohnungsaufseher ver­
hat dazu geführt, dem ehrenamtlichen Prinzip einen bunden ist, nämlich diese Personen „W ohnungs­
weiten Spielraum  zu lassen. Ich erinnere damit, pflegergehilfen" zu nennen. Dieser Antrag ist an­
daß in der D eputation für die Wohnungspflege neun genommen worden.
        
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