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Periodical volume 22. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

304 Sitzung vom 12. Juni 1910
meine Herren, stelle ich anheim, die Frage nach sache haben wird, sich über die Knausrigkeit der 
dieser Richtung im Ausschusse zu erörtern. Der Stadtverordnetenversammlung in diesem Punkte 
Magistrat hat zu dieser Frage noch keine Stellung zu beklagen.
genommen. Ich möchte aber doch nochmals darauf (B ravo!)
hinweisen, daß das Projekt, das der Magistrat Ihnen  
seinerzeit vorgelegt hatte, von dem Gesichtspunkte S tabtb . Dr. L iepm ann: Meine Herren, ich 
ausging, den bestehenden Baumbestand zu erhalten, glaube doch, daß die Gegend eine parkähnliche An­
daß aber die Stadtverordnetenversammlung eine lage wohl brauchen kann, ja sogar sehr nötig hat. 
andere Willensmeinung geäußert und der Magistrat Wenn Sie sich die Karte ansehen, werden Sie 
sich dieser gefügt hat in der Erkenntnis, daß es doch finden, daß außer dem bisher noch nicht bebauten 
immerhin möglich sein wird, das, was nunmehr neu Exzerziergelände, das doch wahrscheinlich der Be­
geschaffen werden soll, auch so auszugestalten, daß bauung anheimfallen wird, kein freier Platz bis 
alle Teile dadurch befriedigt werden. nach dem Reichskanzlerplatz hin vorhanden ist. Wenn Sie weiter bedenken, daß die in der Nähe 
S tabtb . Dr. Frentzel: Meine Herren, dem liegenden Teile des Grunewalds, wo sich die Heil­
Herrn Kollegen Liepmann möchte ich zunächst ein­ stätten und die Waldschulen befinden, auch stark ge­
mal vorhalten, daß hier ein Gemeindebeschluß vor­ fährdet sind — mir ist gesagt worden, daß sie mit 
liegt und daß, wie ich bereits zu Anfang meiner Aus­ Sicherheit über kurz oder lang der Privatspekulation 
führungen sagte, dieses Projekt die Ausführung zum Opfer fallen werden —, dann muß man sich 
dieses Gemeindebeschlusses ist. Das stimmt auch doch sagen, meine Herren, daß diese Gegend 
ziemlich mit den Zahlen, die Sie hier finden. Es dringend nötig freie Plätze braucht, insbesondere als 
wäre also zunächst nötig, wenn man eine derartige Tummelstätte für unsere Jugend.
generelle Änderung vornehmen will, diesen Ge­ Weiter wird, wenn wir eine so intensive Be­
meindebeschluß aufzuheben. Dazu gehört nicht nur bauung am Sietzensee, wie die geplante, unter­
die Stadtverordnetenversammlung, sondern auch lassen, das ganze Viertel, und damit auch unser 
der Magistrat. I m  übrigen, glaube ich, kann der Terrain am Exzerzierplatz, an Wert bedeutend ge­
Herr Kollege Liepmann sich ganz beruhigen. Es winnen und so etwas von den Mehrkosten, die wir 
gibt hier nur zwei Möglichkeiten: entweder die Vor­ durch Unterlassung der Bebauung tragen müßten, 
lage des Magistrats in Ausführung des Gemeinde- wieder eingebracht werden. Ferner würde die An­
beschlusses annehmen oder von jedem Verkauf Ab­ legung des Parks sich bedeutend billiger ge­
stand nehmen. Wenn Sie dazwischen kleinere stalten, wenn wir nicht auf künstliche Weise große 
Änderungen machen wollen, Herr Kollege Liep­ Bäume dort hinzubringen brauchen, sondern auf 
mann, so werden die sehr teuer werden und im den natürlichen Baumbestand zurückgreifen können.
Effekt gar nichts bedeuten. Mein Antrag gründet sich ja nicht nur darauf, 
Es ist unzweifelhaft richtig, daß, wenn Sie den daß ich absolut das eine oder andere will, sondern ich 
ganzen Streifen unbebaut lassen, der Effekt nach der wünsche, daß die Angelegenheit nochmals in einem 
ästhetischen Seite ein besserer sein wird. Ich möchte Ausschusse beraten und von allen Seiten beleuchtet 
Sie aber doch daran erinnern, daß damals die An­ wird; mögen wir dann dazu kommen, die Bebauung 
sicht wenigstens der überaus großen Mehrzahl der ganz zu unterlassen oder durch eine andere Art der 
Stadtverordneten dahin ging, daß dazu unsere Bebauung wenigstens etwas mehr Luft, Licht und 
Mittel nicht reichen. Herr Kollege Liepmann, Sie Bewegungsfreiheit um den Lietzensee zu schaffen, 
irren sich auch, wenn Sie glauben, daß wir die als es nach dem jetzigen Bebauungsplan geschehen 
Kosten schon bezahlt haben. Nein, wir sollen sie erst würde.
bezahlen! Wir werden uns morgen bei der Anleihe 
darüber zu unterhalten haben. Wenn wir Ihrem  Vorsteher K aufm ann: Das Wort wird nicht
Vorschlage folgen und danach beschließen wollten, weiter verlangt. Der Herr Berichterstatter ver­
müßten wir die Anleihe, gegen deren Höhe Sie schon zichtet. Wir kommen zu Abstimmung.
in so scharfen Worten polemisiert haben, noch weiter Herr Kollege Dr Liepmann beantragt, einen Ausschuß von 15 Mitgliedern zur Beratung der 
erhöhen, ganz abgesehen davon, daß ich in keiner 
Weise mit Ihnen  in bezug auf die Auswahl der Vorlage einzusetzen.
Objekte übereinstimmen kann, wo wir auf der einen (Der Antrag wird abgelehnt. Die Ver­
Seite verschwenderisch vorgehen sollen und auf der sammlung beschließt entsprechend dem Vorschlage 
and cm Seite sparen wollen. Ich glaube, für diese des Berichterstatters nach dem Antrage des Magi­
Gegend und für dieses Objekt bringen wir mit dem, strats, wie folgt:
was es uns kosten wird, nämlich ca. iy2 Millionen Der Fluchtlinienplan betr. die Festsetzung
Mark, bereits ein Opfer, das reichlich erscheint. Ich von Fluchtlinien für das Gebiet zwischen Reue
glaube nicht, daß wir in Anbetracht der Steuerkraft Kantstraße, Königsweg, Witzlebenplatz und
der übrigen Charlottenburger Bürger hier noch Lietzensee vom 25. Mai 1910 wird genehmigt.)
weiter gehen könnten, so sehr es auch aus ästhetischen 
Gründen vielleicht angenehm wäre. Das durchzu­ Ich bemerke, daß hierzu eine Eingabe einge­
setzen, erlaubt uns die gegenwärtige Finanzlage gangen war, die auf dem Tische des Hauses lag. 
nicht. Wenn wir noch Geld übrig haben, dann Ob die Herren Einblick genommen haben, weiß ich 
könnte ich Ihnen, Herr Kollege Liepmann, eine nicht; jedenfalls ist diese Eingabe, die auch für die 
ganze Reihe von Dingiyen2 noch aufzählen, für die ich Erhaltung des Geländes plädierte, durch die Be­die Verwendung der  Millionen für nötiger und schlußfassung erledigt.
zweckmäßiger hielte als für den Ankauf dieses ge­ Da ein großer Teil der Herren Stadtverord­
samten Geländes, ganz abgesehen davon, daß ich neten Interesse an den Verhandlungen des Aus­
glaube, daß die Gestaltung so, wie sie der Magistrat schusses zur Vorbereitung der Anleihe nimmt, möchte 
vorschlägt, sehr bald — nicht sofort, aber in einigen ich mitteilen, daß die Sitzung, die für morgen auf 
Jahren  — so schön fein wird, daß kein Mensch Ur- 6 Uhr angesetzt war, erst um 71/4Uhr beginnen wird.
        
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