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Periodical volume 22. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 22 . Juni 1910 303
gegen den Antrag, auch gegen die modifizierte Vor­ nicht in der vorgeschlagenen umfassenden Weise 
lage, wonach ein Teil der Kosten durch Verkauf vorzunehmen und entweder landhausmäßige Be­
eingebracht werden soll, gestimmt. Wir haben das bauung mit Bauwichen zwischen den einzelnen Ge­
einmal deshalb getan, weil wir glaubten, daß wir bäuden vorzusehen, wodurch doch mehr Luft er­
uns in der jetzigen Zeit nicht zu besonders großen zielt und mehr Ausblick gefördert wird, oder eine 
Ausgaben verleiten lassen dürfen, zweitens, weil verminderte Bebauung in die Wege zu leiten. 
wir den Terrainpreis für viel zu teuer hielten. Aus diesem Grunde beantrage ich, daß wir noch
Jetzt, wo wir nun einmal dieses schöne Gelände I einmal die Vorlage an einen Ausschuß verweisen,
erworben haben, kommen aber andere Gesichts­ und zwar möchte ich bitten, an einen größeren Aus­
punkte in Betracht. Jetzt sind wir auf dieses schuß, damit es eventuell auch meinen Freunden 
Terrain festgelegt, für das wir 3 Millionen aus­ ermöglicht wird, in diesem Ausschusse mitzuberaten.
gegeben haben und das doch unserer S tadt zum 
Nutzen und zur Zierde gereichen soll. Wir haben Stadtsyndikus Dr. M a ie r : Meine Herren, 
nicht nur die Ufer des Sees, sondern auch den See gegen eine Ausschußberatung hat der Magistrat 
selbst erworben, und wenn der See auch nicht rast, natürlich gar nichts einzuwenden, um so weniger, 
so wird er schon sein Opfer verlangen, seine OpMfe,r  als ja zweifellos zutrifft, daß durch den Bebauungs­an Kosten, größer als die Zinsen von 100 000 plan, wie er aufgestellt ist, ein großer Teil des vor­
die wir dafür bekommen haben. handenen Baumbestandes zerstört werden muß. 
Trotzdem macht mich die Vorlage, hier die Aber, m. H., auf der andern Seite dürfen Sie nicht 
Baufluchtlinien festzusetzen und zu dem Verkauf zu übersehen, daß es immerhin möglich sein wird, auf 
schreiten, doch sehr bedenklich. Der herrliche Baum­ den freien Flächen einen neuen Baumbestand an­
bestand, der sich jetzt ganz anders macht als zupflanzen; es wird auch möglich sein, ältere Bäume 
damals zu winterlicher Zeit, als ihn der Herr Be­ dorthin zu bringen, so daß die großen Befürchtungen, 
richterstatter weniger gut kritisierte, müßte fallen. die an die Beseitigung des vorhandenen Baum­
An der breitesten Stelle würde schließlich ein S trei­ bestandes geknüpft werden, doch wohl nicht zu­
fen von nur 60 m bleiben, und nach meiner Schät­ treffen.
zung würde sich an manchen anderen Stellen der Nun habe ich Herrn Stadtv. Dr Liepmann 
verbleibende Streifen bis unter 25 m verringern. dahin verstanden, daß er gar nicht beabsichtigt, etwa 
Dahinter würde eine hohe Mauer von M iets­ die zur Veräußerung zu stellende Fläche einzu­
kasernen — nennen Sie es meinetwegen von M iets­ schränken, sondern daß er lediglich Erwägungen 
palästen, die aber 5 Stock haben — den Zugang darüber anzustellen wünscht, in welcher Weise eine 
von Luft und den Durchblick verschließen. Wenn Bebauung der verbleibenden Fläche stattfinden soll. 
man sich das Bild der zukünftigen Gestaltung, wie es Meine Herren, diese Frage hat mit dem Bebauungs­
in der Städtebauausstellung ist, ansieht, dann ist plan an sich gar nichts zu tun, diese Frage kann 
es allerdings schwer, eine richtige Vorstellung davon durchaus selbständig erörtert werden. Es müßte 
zu bekommen; denn ich finde, daß diese Skizze mehr uns nur rechtzeitig eine Willensentschließung der 
aussieht wie eine Gemüseausstellung bei Gewitter­ Stadtverordnetenversammlung darüber zugehen,daß 
stimmung als die Darstellung eines Sees mit hei eine Beschränkung der bestehenden Bauordnung 
terer, hübscher Umgebung. Ich möchte auf eine in I eventuell im Sinne der Ausführung des Herrn
der Ausstellung nahebei befindliche Abbildung des Stadtv. De Liepmann beabsichtigt ist. I c h  möchte 
Amalieirparks in Pankow hinweisen; daran sieht dazu gleich bemerken, daß die einfache Schaffung 
man, daß es besser gemacht werden kann und von Bauwichen unter Beibehaltung der 98er Bau­
selbst hohe Häuser in Gartenumgebung ganz reizvoll ordnung keineswegs zu irgendwelchen Ver­
wiedergegeben werden können. Trotzdem war besserungen führen kann; im Gegenteil, ein Bauwich 
aus der unzulänglichen Skizze so viel für mich er­ bei fünfstöckiger Bebauung ist ein Unding. Man hat 
sichtlich, daß durch die hohen Mauern, die um den versucht, das in dieser Form durchzuführen, ist aber 
See gezogen werden sollen, und durch die erhebliche ganz allgemein davon abgekommen. Wollen Sie 
Verkleinerung, die das der Öffentlichkeit zugängliche aber eine niedrigere Bebauung haben, etwa eine 
Parkgelände erleiden würde, sehr viel von den guten villenmäßige, dann müssen Sie sich darüber klar 
Zwecken, die die Mehrheit der Stadtverordneten­ werden, daß eine derartige Bebauung den Wert des 
versammlung zu dem Ankaufe leiteten, verloren verbleibenden Geländes sehr wesentlich beeinträch­
ginge und daß der Hauptzweck kaum erreicht tigt. Bei einer villenmäßigen Bebauung müßte 
würde. Der übrig bleibende Streifen wird dann auch die Flachheit der Baustellen auf den Ertrag 
nur einen öffentlichen Vorgarten für die hohen vermindernd einwirken. Der Begriff der Villa 
Häuser abgeben und weder viel Platz für die Er­ setzt voraus, daß ein gewisser Bewegungsraum um 
wachsenen, um sich in dem Gelände zu ergehen, die Villa vorhanden ist, und dieser ist sehr schwer bei 
noch Platz für die Kinder zum Herumtummeln dem Schnitt der Baustellen zu finden. Die Bau­
übrig lassen. stellen sind so geschnitten, daß sie nur bei einer Be­
Deswegen, meine Herren, möchte ich anregen, bauung nach Maßgabe der 98er Bauordnung 
noch einmal die Frage zu überdenken, ob es richtig rationell verwertet werden können; der Schnitt ist 
ist, mit dieser Elle hier vorzugehen und das Gelände nach meinem Dafürhalten für eine Villenbebauung 
einer solchen Bebauung zu erschließen. Wir brauchen nicht geeignet. Wenn Sie also an diesem Be­
ja nicht in jedem Fall den Beschluß, den wir gefaßt bauungsplan an sich festhalten, nicht mehr Fläche 
haben, umzustoßen, daß ein Teil des Geländes zum fordern, sondern lediglich etwa eine landhausmäßige 
Zweck der Bebauung verkauft werden soll, obgleich Bebauung im Wege der privatrechtlichen Verein­
wir es heute ja schon einmal für richtig befunden barung hineinbringen wollen, dann würden Sie, 
haben, einen Beschluß, der erst kürzlich gefaßt glaube ich, einen Versuch mit völlig untauglichen 
worden ist, umzustoßen. Ich meinerseits hätte gar Mitteln unternehmen. Wollen Sie aber weitere 
kein Bedenken, es nochmals zu tun. Wir könnten Flächen aussparen und sich zu dem Entschluß auf-
aber auch dazu kommen, die Bebauung wenigstens | raffen, mehr zu tun, als hier beabsichtigt ist, dann,
        
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