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Periodical volume 22. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

302 Sitzung vom 22. Juni 1910
dadurch die Teilung des zur Bebauung frei blei­ zu vertagen, und das geht nicht; denn ich habe aus 
benden Geländes in  drei Baublocks: in eilten den Akten ersehen, daß Verkaufsverhandlungen 
kleineren, der zwischen der verlängerten Sophie- schweben, und diese können nach meiner M einung 
C harlotte-S traße und dem Witzlebenplatz liegt, den nicht zu Ende gebracht werden, wenn nicht die 
Hauptblock der F ron t des Königswegs entlang und Fluchtlinien festgesetzt sind und die Leute gar nicht 
den dritten, ebenfalls wieder kleineren Block, der wissen, was sie wirklich kaufen sollen und wie sich 
zwischen der Riehlstraße und der Neuen Kantstraße der ganze P lan  gestalten wird. Deswegen möchte 
gelegen ist. ich glauben, daß wir bei der verhältnismäßig ein­
Meine Herren, die Grundstücke, die zum Ver­ fachen Sachlage, die im wesentlichen n u r das be­
kauf stehen und durch diese Fluchtlinien von dem trifft, was S ie  bereits durch Ih re n  Beschluß ge­
im städtischen Besitz verbleibenden Grundbesitz nehm igt haben, von einer Ausschußberatung ab­
abgetrennt werden, haben eine Breite, die zwischen sehen können.
38 und 36 m schwankt. M an kann also wohl sagen, 
daß sie das Optim um  eines Baugeländes darstellen Stadtsyndikus Dr. M a ier : M eine Herren,
und daß deswegen zu erw arten ist, daß ein ver­ ich verstehe die Anfrage des Herrn Referenten dahin, 
hältnismäßig hoher P re is  erzielt werden wird. ob beabsichtigt ist, die Gebäude unm ittelbar in die 
Zu bedauern ist es, daß ein Punkt, über den wir Fluchtlinie, wie sie Ih n e n  vorgelegt worden ist, 
uns im Ausschuß und auch dam als in  geheimer nach der Seeseite hin zu versetzen, so daß diese Ge­
Sitzung im P lenum  ziemlich ausführlich unter­ bäude dann frontm äßig nach jenem Platze hin ent­
halten haben, bisher noch nicht hat zur Aus­ wickelt werden. Nach den Vorprojekten, die bisher 
führung kommen können, nämlich der Erwerb aufgestellt worden sind, ist diese Absicht nicht vor­
des Eckgrundstücks, des jetzigen Garnschen Grund­ handen. Wir wollen vielmehr den allergrößten Teil 
stücks, von dem wir annehmen, daß vielleicht der am jener Fronten gegenüber der Fluchtlinie derartig 
Wasser gelegene Teil zu kaufen sein würde, um  auf zurückstellen, daß ein bis zu 6 m entwickelter Vor­
diese Weise auch vom Witzlebenplatz her einen garten verbleibt
direkten Zugang zu unserer Anlage zu erhalten. (Berichterstatter S tad tv . Dr. Frentzel: 
D as hat sich bisher noch nicht durchführen lassen, H in tergarten!)
und diese vorläufige Undurchführbarkeit nötigt uns — oder V orgarten; der so geschaffene Vorgarten 
auch, neben diesem Hause noch einen zweiten ist, wie ein beauungsplanm äßiger V orgarten zu 
Baublock, von dem ich schon gesprochen habe, vor­ betrachten, weil ja die Fluchtlinie auch als eine wirk­
zusehen. liche Fluchtlinie etabliert wird. Dieser V orgarten 
Die verbleibende Parkfläche hat, wie S ie  aus kann nur nicht durch Festsetzung einer besonderen, 
der Zeichnung ersehen, eine verschiedene Breite, von der Straßenfluchtlinie abweichenden Bauflucht­
an der breitesten Stelle, da, wo der See winkelartig linie in  dem Bebauungsplan eingetragen, sondern 
vorspringt, säst 80 m, während sie an der schmälsten kann lediglich im Wege der privatrechtlichen B e­
Stelle, neben der Riehlstraße, eine Breite von 20 m schränkung begründet werden. Es wird also beim 
etwa aufweist. Im m erh in  werden S ie sich auf Verkauf dieser Flächen in  das Grundbuch einge­
diesem P lan , worin die vorläufige Gestaltung des tragen, daß die besonders auszuweisenden Flächen 
Grundstücks angedeutet ist, überzeugen, daß der nicht bebaut werden dürfen, vielmehr wie be­
Charakter der ganzen Gegend, den wir wahren bauungsplanm äßige V orgärten angelegt und un ter­
wollten, in reichem M aße gewahrt bleibt, und dem halten werden müssen. D er Grund für diese Re­
ganzen Lietzensee, soweit er nicht bereits bebaut ist, gelung liegt darin, daß die Baublocks an sich nur 
der Charakter als freier See, wie m an hier gesagt eine Tiefe besitzen, die unbedingt notwendig ist, 
hat, als Naturdenkmal, das von allen S eiten  zu­ um  eine rationelle Bebauung zu erzielen. W enn wir 
gänglich ist, erhalten bleibt. also eine besondere Vorgartenfluchtlinie nicht fest­
Uber eins finde ich in  der Vorlage keine Aus­ setzen, so wird dadurch erreicht, daß diese tatsächlich 
kunft, und ich möchte deswegen den M agistrat da­ als V orgärten ausgewiesenen Flächen als be­
nach fragen, keine Auskunft nämlich darüber, wie die bauungsfähige Baulandslächen in  Anrechnung ge­
zu verkaufenden Grundstücke ihre Hinterfront zu bracht werden. Dadurch wird der Nutzeffekt aus 
gestalten haben. M an kann sagen, das gehört in der Veräußerung dieser Flächen naturgem äß ge­
diese Vorlage nicht hinein, sondern das wäre Sache steigert. S ie  werden zugeben, daß diese M aßnahme 
einer besonderen Vorlage, in welcher der Verkauf durchaus zweckmäßig ist. Diese Regelung ist auch 
behandelt wird. Es ist hier nur davon die Rede, nur möglich, weil wir Eigentüm er des ganzen Ge­
daß entgegen einem früheren Projekt an der Flucht­ ländes sind. Durch privatrechtliche M aßnahmen, 
linie keine S traße angelegt werden soll, daß also Eintragung im Grundbuch an erster S telle, kann 
auf diese Weise auch kein Ausgang für die Besitzer vollständig derselbe Effekt herbeigeführt werden, 
der Grundstücke nach dem Parkgrundstücke geschaffen wie durch die Festsetzung einer besonderen von der 
werden soll. Es ist aber nicht davon die Rede, ob die Baufluchtlinie abweichenden Straßenfluchtlinie.
zukünftigen Käufer gehalten werden sollen, dort 
etwa Hintergärten anzulegen, oder ob die hohen Stadtv. Dr. Lies)mattn: M eine Herren, da
B randm auern über unsere Parkanlage hinwegsehen ich entgegen meiner gewohnheitsmäßigen Haltung, 
werden. Hierüber möchte ich gern vom Magistrat Sparsamkeit zu empfehlen, einen Antrag einbringen 
noch Auskunft haben. will, der diesem Prinzip zu widersprechen scheint, 
M eine Herren, es ist angeregt worden, auch so muß ich auf meine frühere Haltung hinsichtlich 
diese Sache in einem Ausschüsse weiter zu behandeln. dieser Lietzensee-Frage etwas zurückkommen. Trotz­
Erstens steht der Behandlung im Ausschuß das Be­ dem meine Freunde und ich anerkannt haben, 
denken gegenüber, daß bis zum kommenden Mittwoch daß der Lietzensee ein schönes „Naturdenkmal" ist, 
kein Tag mehr für eine Ausschußberatung in wie vom Magistratstisch gesagt wurde, und trotzdem 
größerem S tile  frei ist. Es würde sich die Not­ wir auch anerkennen, daß ein M angel an Park­
wendigkeit ergeben, die Sache bis über die Ferien gelände und Spielplätzen besteht, haben wir doch
        
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