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Periodical volume 8. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 8. Juni 1910 273
es nicht ein m angelndes In teresse  an  der neuen bei der S äuglingsfürsorge im  Regierungsbezirk 
E inrichtung bedeutet, sondern ein Nachlassen des Düsseldorf führend beschäftigt ist und früher lang­
W iderstandes gegen eine Sache, die so lange ichon in jährige G ew erbeinspektorin in  B aden  w a r; ich 
diesem Kreise e rö rte rt und endlich spruchreif ge­ nenne F rl. C onrad, die in Hessen, wo die W ohnungs­
w orden ist; das leere H aus zeugt von einem  aufsicht vorbildlich fü r ganz Deutschland schon seit 
durchaus berechtigten V ertrau en  zu den sehr ein­ langen  J a h re n  eine staatliche g e s e t z l i c h e  
gehenden und  tiefgründigen V orarbeiten , die schon In s titu tio n  ist, m it großem  Geschick und m it großem  
seit J a h r  und  T ag  zu dieser F rag e  der Einrichtung Erfolg dem Am te als W ohnungsinspektorin vor­
des W ohnungsam ts stattgefunden haben W ir zustehen weiß. E s w ird deshalb in  der T a t eine 
dürfen w ohl der H offnung Ausdruck geben: w as Aufgabe des Ausschusses sein, zu p rü fen , ob die E in­
lange dauert, w ird gut. richtung bei u n s  von vornherein m it der H eran­
Ich  em pfehle ebenso wie der H err V orredner, ziehung von F ra u e n  auch außerhalb der Ausschüsse 
die V orlage im  großen und ganzen zu akzeptieren; versehen w erden kann. E s ist ja eben, wie schon 
im m erhin  w erden kleine Bedenken, der Wichtig­ H err Kollege Hirsch hervorgehoben hat, das Wich­
keit der V orlage entsprechend, doch noch einer tigste bei der ganzen In s t i tu t io n ,. welche P e r ­
P rü fu n g  in  einem  Ausschuß bedürfen. Diese P rü fu n g  s o n e n  w ir fü r die A usführung finden. Vielleicht 
wird sich m eines E rachtens nam entlich auf zwei bei keinem In s ti tu t, auf keinem städtischen V er­
P unkte zu erstrecken haben. I n  der V orlage ist ein ­ w altungsgebiet kommt es so darauf an, wie hier, 
m al die A bgrenzung der Funktionen der W ohm m gs- daß wir den richtigen G riff bei der Besetzung der 
a u f s e h e t :  von denen der W ohnungs P f l e g e r  S te llen  tu n , daß w ir Personen  w ählen, die m it 
nicht ganz klar gestellt. D en  W ohnungsaufsehern, Verstand und m it B estim m theit, aber auch m it 
die nach der B egründung  der M agistratsvorlage steter Freundlichkeit und vor allem  m it dem  Herzen 
als „G ehilfen m it geringer technischer V orbildung" dauernd zu der Bevölkerung in Beziehung tre ten . 
gedacht sind, ist es u n te r Um ständen überlassen, die D esw egen wird es zur Entscheidung der F rag e , 
A bhilfem aßnahm en, die der W ohnungspfleger für ob auch F ra u e n  gleich in  die beam teten  S te llen  ein­
notw endig  hält, gleich zu veranlassen oder au s­ geführt w erden sollen, angemessen sein, zu p rü fen , 
zuführen oder ihre D urchführung zu kontrollieren; w as denn fü r Personen  überhaup t in  F rage  kommen.
es soll ihnen aber auch die M itw irkung bei der 
Aufsicht über das höchst wichtige —  und zw ar S ta d tv . V o g e l: M eine H erren, in  dem  ersten 
hygienisch wie sittlich gleich wichtige —  Schlasstellen- Satze der V orlage w ird darauf hingewiesen, daß zu 
wesen übertragen  sein. W ir müssen sehen, ob w ir den S tä d te n , die eine besonders hervorragende 
nicht diese A ufgaben der Aufseher im  Ausschuß W ohnungspflege und ein W ohnungsam t haben, 
fester um grenzen  können. Essen gehört, und daß dort die W ohnungsfürsorge 
F e rn e r bedarf eine Bem erkung in der V orlage gut funktioniert. E s wird nicht uninteressant sein, 
der w eiteren  Aufklärung, die sich auf das F ra u e n ­ e tw as N äheres darüber zu erfahren, wie dort diese 
them a bezieht. D em  D ezernenten soll die M öglich­ Einrichtungen — in der T a t die besten, die es bis jetzt 
keit gegeben w erden, diejenigen F älle , wo M iß­ gibt —  entstanden sind. Ich  habe G elegenheit 
stände durch die P fleger festgestellt sind, durch gehabt, die Entwicklung kennen zu lernen. Ich  kam 
F ra u e n  au s  den Ausschüsten begutachten und bessern im  Oktober 1866, nach dem Kriege m it Österreich, 
zu lassen. R u n  sind aber die Ausschüsse in der nach Essen. Ich  blieb ziemlich zwei J a h re  dort. 
O rganisation so gedacht, daß sie im  ganzen sehr D am als nahm  die In d u s tr ie , besonders die Eisen­
wenig zu tu n  haben w erden  —  um  so w eniger industrie, einen außerordentlichen Aufschwung. 
zu tu n  haben w erden und um  so seltener zusam m en­ Essen hatte  eine gew altige Z uw anderung  au s den 
zu tre ten  brauchen, a ls es den W ohnungspflegern  östlichen P rov inzen , au s  P o len , G alizien usw. 
bei einem  freundlichen und richtigen V erhalten  D ie Z uw anderer überflu te ten  die S ta d t förmlich. 
möglich sein w ird, die M ißstände abzustellen; denn Diese Leute w aren  natürlich nicht wählerisch in den 
die Ausschüsse haben n u r in  den F ä llen  in Funktion W ohnungen; m an  nahm  sie auch gern auf. E s 
zu tre ten , in  denen die W ohnungspfleger durch fand dam als gerade eine Volkszählung statt, und da 
bloßes Z ureden  oder durch R aterte ilung  die ich mich stets für öffentliche A ngelegenheiten 
schlimmsten Schäden nicht abzustellen verm ögen. interessierte, so m eldete ich mich auf die öffentliche 
Nach zahlreichen E rfahrungen  an  anderen  O rten  A ufforderung als Z ähler. Ich  bekam die S egero th - 
gelingt dies in  den a l l e r m  e i st en F ällen . straße zugeteilt. D ie Z ählung erstreckte sich nicht nur 
Ic h  kann w iederholen, daß die V orlage sonst auf die Personen, sondern auch auf die W ohnungen. 
in  der T a t wenig Verbesserungen erfordern  w ird; D a  habe ich einen Einblick in die Verhältnisse be­
sie ist, wie ich schon sagte, sehr sorgfältig durch­ kommen. T ie  Häuser w aren  wie S tä lle . Andere 
beraten . Leute w ürden nicht Menschen da hineinbringen, 
Noch ein W ort zur H eranziehung der F rau en . sondern Vieh. E s w aren  S tu b en  vorhanden, in  denen 
E s ist w ah r: eine neue Einrichtung gleich m it einer drei, vier B etten  standen und darüber ebenfalls 
andern , zw ar nicht neuen, aber doch n u r au sn ah m s­ noch drei und vier B etten . Am Tage lagen Menschen 
weisen E inrichtung zu kombinieren, m ag m anchen darin , die nämlich Nachtschicht ha tten . Es w ohnten 
stutzig machen, m ag auch Schwierigkeiten machen. aber viel m ehr in dieser S tu b e , e tw a ein Dutzend. 
Aber w ir haben bereits an  verschiedenen O rten  M ir w urde gesagt: die wechseln sich m it den B etten  
sowohl G ew erbe- wie W ohnungsinspektorinnen, ab, diejenigen, die Tagschicht haben, schlafen des 
deren hervorragende Leistungen ihnen einen über Nachts, die anderen, die Rachschicht haben, am  T age. 
Deutschland h inausragenden  R uf gesichert haben. D as  w ar nicht bloß in dem  einen Hause so, m an 
D er B ew eis ist bereits geliefert, daß die F ra u  auf konnte die ganze Segerothstraße durchgehen, über­
diesem G ebiet in  der T a t  W irksames zu leisten ver­ all fanden sich diese Zustände. E s w ar allgem ein 
m ag und alles dasjenige, w as m an  m it der E in ­ üblich, die Leute fanden  auch darin  nichts. M it 
richtung erstrebt, bestens durchführen kann. Ich  allem  andern , m it der Reinlichkeit, m it der V er­
nenne z. B . F räu le in  Dr B au m , die gegenw ärtig pflegung w ar es ähnlich bestellt wie m it den W oh-
        
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