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Periodical volume 8. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

270 Sitzung vom 8. Juni 1910
Kollegen Holz zu wählen, weit er in  den A us­ Zahl der Bürgerdeputierten  ersehen S ie  zugleich 
schuß für die Anleihe gewählt ist und beide A us­ ein M om ent,  das ebenfalls aus  der ganzen M a ­
schüsse an  demselben Tage ihre V erhandlung haben. gistratsvorlage deutlich hervorgeht, und das zur 
W enn ich keinen Widerspruch höre, ist die V er­ segensreichen Durchführung der ganzen Einrich­
sammlung einverstanden, daß anstelle des Herrn tung meiner M einung nach auch notwendig ist, 
Kollegen Dr Nöthig Herr Kollege Holz in den daß nämlich hierbei auf eine möglichst ausgiebige 
Ausschuß zu Punkt 9 der Tagesordnung  tritt. Betätigung der Bürgerschaft Wert gelegt wird. 
Diese 9 B ürgerdeputierten  in  der D epu ta tion  
Wir kommen zu Punkt 20 der T agesordnung : für die Wohnungspflege umfassen 3/7 ihrer M it­
glieder. Als besoldete Gemeindebeamte, die als 
V orlage betr. Errichtung eines W ohnungs­ Organe der W ohnungspflege die Beaufsichtigung 
am tes. —  Drucksache 157. der W ohnungen unter  sich haben, schlägt der 
Magistrat vor: erstens zwei Wohnungsaufseher, 
Berichterstatter S tad tv . Dr. N ö th ig : Meine zu ihrer Unterstützung zwei Gehilfen, ferner noch 
Herren, ich beabsichtige, zu beantragen, daß dieser einen V erw alter  des Wohnungsnachweises. Diese 
P u n k t  der T agesordnung einem Ausschuß von W ohnungscehilfen haben zu gleicher Zeit die 
15 Mitgliedern überwiesen wird, und möchte Aufgabe, einen sehr wichtigen Zweig der W ohnungs­
mich infolgedessen nicht auf die Einzelheiten der hygiene zu versehen, nämlich außer der Unter­
Vorlage einlassen, weil ich auf dem S tandpunk t stützung der Wohnungsaufseher auch die Beob­
stehe, daß die Erörterung  der Einzelheiten besser achtung derjenigen W ohnungen, die Schlafgänger 
erfolgt, w enn die Ausschußberatung in ihrem E r ­ in sich aufnehmen.
gebnisse vorliegt. Ein weiteres Gebiet der Neueinrichtung wird 
S ie  alle wissen, daß seit langen J a h r e n  sein, daß durch Einrichtung eines M e l d e a m t s  
mehrm als  aus der Versammlung heraus an  den festgestellt wird, ob Kleinwohnungen, die also 
Magistrat die Anregung gerichtet worden ist, 1 bis 2 Z im m er umfassen, frei sind oder nicht, 
hier in  Charlottenburg ein W ohnungsam t einzu­ daß ferner dadurch, daß bei der M eldung zu gleicher 
richten. Dieser A nregung hat der Magistrat inso­ Zeit angegeben werden soll, wie hoch die Kopf­
fern Rechnung getragen, als er langwierige und zahl der die W ohnung beherbergenden M ieter  ist, 
ausgedehnte Untersuchungen und Verhandlungen festgestellt wird, ob die W ohnungen in hygienischer 
mit der Gesundheitspflegedeputation und zu­ Hinsicht einwandfrei, überfüllt sind oder nicht.
sammen mit einem von dieser eingesetzten U nter­ Eine fernere Aufgabe des W ohnungsam ts  
ausschuß gepflogen hat. D a s  Ergebnis dieser Ver­ ist die W o h n  u n g s st a t i st i k. Es soll nach­
handlungen und Untersuchungen liegt I h n e n  in gewiesen werden, ob in ausreichender Weise 
der gegenwärtigen Vorlage vor. W ohnungen in dieser Größe vorhanden sind, oder 
W as wird n u n  mit dieser für Charlottenburg ob es e tw a einen M angel an  Kleinwohnungen 
absolut neuen Einrichtung bezweckt? Es wird gibt, dem auf irgend eine Weise abgeholfen werden 
bezweckt, alle W ohnungen, die ein bis zwei Z im m er müßte. D a s  ist gerade ein Punkt, aus  dem S ie  
umfassen, un ter  die Wohnungsaufsicht zu nehmen, ersehen können, wie das neue W ohnungsam t 
und zwar von dem Gesichtspunkt aus, daß sie nach wirken kann. W enn S ie  sich der ausgedehnten 
der baulichen Beschaffenheit, nach ihrer Größe D ebatten über die Vorlage entsinnen, wo es sich 
und nach der Art und Weise des W ohnens in ihnen darum  handelte, der Charlottenburger B a u ­
beobachtet werden. Es ist, wie ich gleich hier her­ genossenschaft Gelder zum B auen  kleiner Woh­
vorheben möchte, m it dieser Einrichtung in keiner nungen un te r  günstigen Bedingungen zur Ver­
Weise beabsichtigt, irgendwelche polizeilichen fügung zu stellen, so wurde von verschiedenen 
Z w angsm aßregeln  zu verbinden, sofern nicht e twa Se iten  ein differenter S tandpunk t vertreten, in­
aufgedeckte Mißstände so schwerwiegender N a tu r  dem die einen sagten: es liegt kein Bedürfnis  
sind und so schwer gegen die baupolizeilichen V or­ vor, die anderen : es liegt ein B edürfn is  vor. 
schriften und gegen hygienische und sittliche B e­ W enn wir dam als ein W ohnungsam t gehabt hätten, 
dingungen verstoßen, daß aus  diesem Grunde so würde es —  das ist ganz m it Recht ausgeführt 
eingeschritten werden m  u  ß. Es ist sehr dankens­ worden —  auf gründ des statistischen M ateria ls  
wert, daß der Magistrat in  seiner Vorlage sehr ein leichtes gewesen sein, die B edürfnisfrage 
genau und eingehend darauf hingewiesen hat, zu entscheiden.
daß m it diesem W ohnungsam t in erster Linie eine M it  der Tätigkeit der beamteten Personen 
W o h l f a h r  t s  einrichtung geplant ist, daß das verbindet sich die Tätigkeit der sogenannten W oh­
ganze neue Unternehmen, wie er sich ausdrückt, nungsausschüsse. D a s  sind kleine Körperschaften, 
einen p f l e g l i c h e n  Charakter haben soll, daß die m it Mitgliedern aus  der Bürgerschaft besetzt 
es darauf ankommt, einmal objektiv festzustellen, werden und die sich eng an die Stadtarztbezirke 
ob und welche Mißstände in hygienischer Hinsicht anschließen sollen. Es wird nämlich ganz m it  Recht 
bei kleinen W ohnungen vorliegen, und daß es dargelegt, daß es zu einem guten, Funktionieren 
ferner darauf ankommt, durch Einwirkung auf dieser neuen  Einrichtung notwendig  ist, daß m an  
die Hausbesitzer und auch auf die M ie te r  eine auf eine rege M itarbeit  der Bürgerschaft rechnen 
möglichste Beseitigung etw a vorhandener M iß ­ kann, daß ferner die m itarbeitenden Personen 
stände zu erreichen. möglichst in demjenigen Bezirk auch wohnen, in 
Wie will nun  der Magistrat dieses Ziel er­ dem die betreffenden W ohnungen von den Woh­
reichen. Er schasst ein W ohnungsam t, an  dessen nungsausschüssen beobachtet werden sollen. Es 
Spitze eine aus G rund  des § 59 der S täd teordnung  soll besonderes Gewicht darauf gelegt werden, daß 
gebildete D epu ta tion  für die Wohnungspflege un te r  den M itgliedern dieser Wohnungsausschüsse 
steht. Diese D epu ta tion  setzt sich zusammen aus sich w e i b l i c h e  Personen befinden. Ganz m it 
fünf Magistratsmitgliedern, 7 S tad tverordneten  Recht wird darauf hingewiesen, daß es sehr w ert­
und 9 Bürgerdeputierten . Aus der Höhe der voll ist, w enn m an  sich bei dieser neuen Einrichtung
        
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