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Periodical volume 8. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

264 Sitzung vom 8. Jun i 1910
steht die Absicht, ein Gebäude zu errichten, in dem lichen Fortentwickelung unserer S tad t Hemmnisse 
sich ein Arbeiteraufenthaltsraum , ein B ureau und nicht in den Weg legen.
eine Werkstatt befindet, im Kostenbeträge von Obgleich in der Kassen- und Finanzdeputation 
ca. 28 000 M. D ann ist beabsichtigt, ein Klärbecken auf das eingehendste und gewissenhafteste das 
für die Abwässer der Sandwäsche anzulegen, Ih n e n  heute vorliegende M aterial geprüft worden 
damit vermieden wird, daß der Eisenschlamm sich ist, bin ich der Ansicht, daß bei der Wichtigkeit der 
in der S pree ablagert. D rittens wird eine Sum m e Vorlage für die Zukunft von Charlottenburg noch 
von 19 000 M zur Erweiterung der Hof- und Wege­ einmal die ausführliche Vorlage wird in einem 
befestigung und zur Pflasterung beantragt, weil größeren Ausschuß beraten werden müssen. Sollte 
es nicht angängig ist, die Kohlen und andere eine geringere Forderung herauskommen, würde 
M aterialien immer auf dem Wasserwege zu be­ ich mich aufrichtig freuen; ich kann mich aber nach 
ziehen. Eine Pflasterung ist nötig, um  diese M ateri­ dieser Richtung hin einer Hoffnung leider kaum 
alien in den betreffenden M onaten auch per Eisen­ hingeben.
bahn heranzuschaffen. Schließlich wird noch bean­ I m  ersten Augenblick erscheinen 40 Millionen 
tragt, 13 000 M  für die Anlage einer Gasbeleuchtung außerordentlich hoch, besonders wenn m an be­
zu bewilligen. Bisher waren die Räume, die Höfe denkt, daß nach den finanzministeriellen Be­
und das Werk mit Petroleum  beleuchtet. Es könnte stimmungen nur die Bedürfnisse für die nächsten 
hierbei noch ein Zweifel fein, ob nicht die Anlage drei Jah re  in dieser Anleihe Aufnahme zu finden 
einer elektrischen Beleuchtung praktischer ist. Die haben. Andererseits aber muß man berücksichtigen, 
D eputation hat aber bereits vor längerer Zeit daß fast unsere sämtlichen städtischen Einrichtungen 
den Beschluß gefaßt, die Gasbeleuchtung vor­ an dieser Anleihe partizipieren. So beanspruchen 
zuziehen, weil sie für diesen Zweck ökonomischer z. B., wie aus der Vorlage hervorgeht, unsere 
sein dürfte. Auch mag darauf hingewiesen werden, gewinnbringenden Unternehmungen, wie das G as­
daß vor einiger Zeit mit der Anlage des Wasser­ werk, das Elektrizitätswerk, die Wasserwerke, die 
rohrdückers durch die Spree gleichzeitig ein G as­ Kanalisation, alles Anstalten, die ihre Zinsen und 
rohr verlegt wurde, so daß aus diesem Grunde ihre Amortisation durch ihre Finanzgebarung 
schon die Gasbeleuchtung als gerechtfertigt an­ selbst auszubringen haben, ganz besonders h o h e  
gesehen werden kann. F ü r die ganze Sum m e von Beträge. Andererseits sind aber auch sehr hohe 
70 000 M  besteht zurzeit keine Deckung. Es wird Beträge erforderlich, die unseren kommenden E tat 
beantragt, sie vorschußweise zu entnehmen und in den nächsten Jah re n  stark belasten werden. 
wahrscheinlich die nächste Anleihe dam it zu belasten. W ir müssen aber in  weiter Voraussicht auch an 
Ich beantrage Annahme der Magistratsvorlage. die Zukunft denken und schon jetzt daraufhin unsere 
P läne fassen. Ich denke hier nur an den B au von 
(Die B eratung wird geschlossen. Die Ver­ S traßen  und Brücken, von Krankenhäusern und 
sammlung beschließt nach dem Antrage des M agi­ Schulen. Nicht zu vergessen ist einer unserer wich­
strats, wie folgt: tigsten Fonds: der Grundftückerwerbsfonds, der, 
1. Den vorgelegten B auentw ürfen für Neu- und wie wir alle wissen, durch rechtzeitigen Erwerb 
Erw eiterungsbauten auf dem Wasserwerk von Grund und Boden gute Früchte getragen, der 
Jungfernheide, und zwar: aber bisher zu meinem aufrichtigen B edauern nicht 
a) eines Gebäudes für Arbeiteraufenthalts­ hoch genug dotiert gewesen; wenngleich er auch bei 
räum e, B ureau und Werkstatt, der diesmaligen Anleihe beteiligt ist, so ist er immer 
b) eines Klärbeckens für die Abwässer der noch nicht annähernd auf diejenige Höhe gebracht, 
Sandwäsche, die ihm gebührt.
c) Erweiterung der Hof- und Wegebe­ M eine Herren, in Anbetracht der Wichtigkeit 
festigung und Verlegung der Zugänge zum der Vorlage und ihrer Bedeutung für die Zukunft 
Werk, j  von Charlottenburg, meine ich, müssen wir den 
d) Gasbeleuchtung für das Grundstück und größten zulässigen Ausschuß, einen von 15 M it­
die Maschinenräume, gliedern, einsetzen, und ich bitte S ie  und beantrage, 
wird zugestimmt. einen solchen zu wählen.
2. Die Kosten im Gesamtbeträge von 70 000 M
sind aus Anleihemitteln zu decken.) Stadtv. vr.Frentzel: M eineHerren,die Vorlage, 
die Ih n e n  der M agistrat hier unterbreitet, hat nicht 
Borsteher Kaufmann: Punkt 19 der Tages- nur in denjenigen Kreisen, welche sich dauernd mit 
orbnung: unseren kommunalen Angelegenheiten beschäftigen, 
sondern auch ziemlich weit darüber hinaus in der 
Borlage betr. Aufnahme einer neuen Anleihe. — Bürgerschaft unserer S tad t, ja über die Grenzen 
Drucksache 177. dieser hinaus ein gewisses Aufsehen erregt, welches 
sich zu einer gewissen Erregung und auch Bestürzung 
Berichterstatter Stadtv. Nutz: Meine Herren, gesteigert hat deswegen, weil über diese Vorlage in 
seit der Begebung der zweiten Abteilung der 1908er einem Teil der Presse, und zwar in sehr ange­
Anleihe in Höhe von 20 M illionen Mark ist eine ver­ sehenen B lättern, Nachrichten verbreitet waren, 
hältnismäßig kurze S panne Zeit verstrichen. Es welche ein sehr unzutreffendes, sehr vergrößertes 
erscheint wenig wünschenswert, schon jetzt wieder und sehr vergröbertes Bild desjenigen geben, was 
mit einer neuen Anleihe in  Höhe von 40 M illionen nun der M agistrat als wirkliche Vorlage heute uns 
Mark, wie solche gefordert wird, zu kommen und unterbreitet. Ich  bebaute es, daß unserer B ürger­
dadurch eine neue Schuldenlast aufzunehmen. Bei schaft diese Erregung und Beunruhigung nicht er­
dem so außerordentlich raschen Fortschreiten unserer spart geblieben ist, und ich hätte allerdings ge­
S ta d t aber und ihrer weiteren Entwickelung ist dacht — und m it m ir meine F reunde — , daß sich 
eine solche dringend erforderlich und durchaus derartige Ereignisse nicht mehr wiederholen könnten, 
unvermeidbar, wollen wir einer weiteren gedeih­ nachdem wir, gerade um  solche Beunruhigungen
        
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