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Periodical volume 8. Juni 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

2 5 6  -> Sitzung vom 8. Juni 1910
bestanden; in den Zeiten  starken Verbrauchs, H ausrohre, fü r die w ir nicht verantw ortlich sind, 
d. H. in  den S tu n d e n  vor dem  M ittagessen und nach ein m angelhafter Druck ergibt.
dem M ittagessen, w ar in den oberen E tagen  zahl­ N u n  w ären  diese K alam itä ten  nicht entstanden, 
reicher Häuser kein Wasser m ehr zu haben, in s ­ w enn eine neue V orpum pe, die einzurichten w ir 
besondere versagten auch die W arm w asserleitungen. vor geraum er Z eit beschlossen haben, und fü r die 
W ir haben festgestellt, daß die Ursache dieser w ir einen besonders tief gelegenen R aum  haben 
plötzlichen K alam ität in  einem  ganz überm äßig bauen  müssen, bereits fertig gewesen w äre. I m  
hohen Wasserverbrauch zu finden w ar. Um n u r Laufe des W inters ha t sich aber durch sehr u n ­
eine Z ahl zu geben, betrug am  D ienstag , also günstige W asserhaltungsverhältnisse —  es w ar 
gestern, der Wasserverbrauch pro Kopf der B e­ ein derartig  starker G rund W asserandrang zu be­
völkerung 199 L iter, eine Zahl, die, soviel w ir w ältigen, wie er nicht verm utet w erden konnte — 
wissen, in Deutschland bisher unerhört w ar, und eine so große V erzögerung des B au es  ergeben, 
die auch in unserer S ta d t  in  dieser Höhe bisher daß die Anlage erst e tw a drei M onate  später- 
nicht erreicht w orden ist. D er Verbrauch, der in fertig wird, a ls e rw arte t w erden durfte . W äre 
den letzten 5 J a h re n  überhaup t vorgekommen alles norm al gegangen, so w ären  wir heute schon 
ist, ha t pro Kopf der Bevölkerung 182 L iter be­ im  Besitze der V orpum pe, und es w äre nichts 
tragen , meist ist er selbst in Z eiten  starker Hitze er­ passiert. Also auch diese von u n s  nicht verschuldete 
heblich hin ter dieser Z ahl zurückgeblieben. Um V erzögerung hat m itgewirkt.
eine Vergleichszahl zu nennen, bemerke ich, daß nach D ie Wasserwerksdirektion hat selbstverständ­
der Auskunft des H errn D irektors der. B erliner lich, nachdem am  M ontag  die K alam itä t so stark 
Wasserwerke in  B erlin  am  Sonnabend  n u r 130 aufgetre ten  ist, sofort alle erforderlichen M aß ­
L iter pro Kopf der Bevölkerung verbraucht w orden nahm en  getroffen, um  Abhilfe zu schaffen. S ie  
sind, w ährend bei u n s am  gleichen T age 193 L iter h a t einm al m it den C harlo ttenburger Wasser­
verbraucht w urden. S ie  sehen also, daß ein Wasser­ werken A .-G . eine V ereinbarung  getroffen, wo­
verbrauch eingetreten ist, der in dieser Höhe nicht nach diese u n s gestattet, in der Fasanenstraße, an  
vorhergesehen werden k o n n t e . der G renze von W ilm ersdorf und unserer S ta d t  
Am stärksten hat sich die K alam ität, wie Ih n e n  einen Anschluß an ihr W asserversorgungsnetz her­
wohl schon au s der Presse bekannt ist, im  Osten zustellen, wodurch w ir außer au s  unserm  Wasser­
unserer S ta d t  bemerkbar gemacht, besonders in werk nunm ehr auch au s dem  Rohrnetz der Aktien­
der A ugsburger S traß e  und deren Nebenstraßen. gesellschaft Wasser fü r unseren besonders schlecht 
D a s  h a t seine Ursache einm al in  der großen E n t­ versorgten Stadtbezirk erhalten . Dieser Wasser­
fernung  dieser Gegend von unserm  H auptreservoir anschluß ist m it A ufbietung aller Arbeitskräfte 
in  Westend. J e  w eiter die Zapfstelle bezw. das in der letzten Nacht fertig gestellt und ist heute m orgen 
Z u le itungsrohr von dem H auptreservoir en tfern t dem Verkehr übergeben w orden. D ie Folge w ar, 
ist, je w eiter der Weg ist, den das Wasser zurück­ daß w ir bis e tw a vor einer S tu n d e  au s diesem 
legen m uß, um  so stärker wird bekanntlich der Anschluß ungefähr 2000 cbm  Wasser erhalten  haben. 
Reibungsverlust. D eshalb leiden die en tfern t F e rn e r haben w ir angeordnet, daß fü r diese w enigen 
liegenden S tad tte ile  in  solchen F ä llen  am  meisten. T age außergewöhnlich hohen B edarfs die städtischen 
E s kommt hinzu, daß das Rohrnetz in C harlo tten­ V erw altungszw eige sich nach Möglichkeit in  dem 
burg seinerzeit nicht a ls ein ganz selbständiges Verbrauch von Wasser beschränken sollen. S o  
Rohrnetz, sondern als ein T eil des großen Wasser­ soll die S traßen re in ig u n g  in den Tagesstunden 
netzes der C harlo ttenburger Wasserwerke A .-G . das S p ren g en  wesentlich einschränken; w ir m einen, 
angelegt w orden ist. F rü h er w ar dem gem äß auch daß es für die kurze Z eit der W asserknappheit 
das C harlo ttenburger Rohrnetz m it dem Rohrnetz besser zu ertragen  ist, w enn die S tra ß e n  nicht in 
der Aktiengesellschaft gerade im  Osten unserer dem  M aße wie bisher besprengt w erden, a ls w enn 
S ta d t  verbunden m it dem  Rohrnetz für Schöne­ die L eute in  den H äusern kein Wasser erhalten. 
berg und W ilm ersdorf. Nachdem w ir das Wasser­ W ir sind in der Lage, das infolgedessen heute am  
werk übernom m en h atten , ist diese V erbindung T age V ersäum te am  Abend wieder nachzuholen, 
zerschnitten w orden, und es macht sich nunm ehr, denn von 6 Uhr ab stehen für städtische V erbrauchs­
nach der Iso lie ru n g  unseres Rohrnetzes, die von zwecke wieder unbeschränkte W asserm engen zur 
u n s  nicht verschuldete unzureichende Konstruktion V erfügung. Dasselbe ist bei der P arkverw altung  
des östlichen T eiles des Rohrnetzes in  Gestalt der F a ll;  diese hat das B esprengen der A nlagen 
eines m angelhaften  Druckes des Wassers bemerkbar. auf die späten Abend- und die Nachtstunden 
Als w eiterer G rund für die nam entlich im  verlegt, wo erfahrungsm äßig  der Verbrauch an 
Osten auftre tenden  m angelhaften  Druckverhültnisse Wasser erheblich nachläßt. D ritten s  hat die 
kommt hinzu, daß die C harlo ttenburger H aus­ K analisation das S p ü le n  der Schächte erheblich 
besitzer im  V ertrauen  auf den sehr starken Druck eingeschränkt, ja  sogar auf kurze Z eit ganz u n te r­
der durchschnittlich sich in  unserem  Rohnetz findet lassen.
—  im  Gegensatz zu B erlin , wo er viel schwächer E ine w eitere M aßnahm e, die w ir getroffen 
ist — , verhältn ism äßig  enge H ausrohre gebaut haben, w ar die R einigung der B ru n n en  auf dem 
haben, die ja für norm ale  Druckverhältnisse, in s ­ Wasserwerk Ju n gfernhe ide . D ie Gaze, m it der die 
besondere auch für die Verhältnisse, die in  den B ru n n en rö h ren  un ten  um geben sind, versetzt sich 
w eiter nach dem  Westen zu gelegenen Teilen  allmählich m it S a n d . Dieser S an d  kann durch 
unserer S ta d t herrschen, vollkommen ausreichen, energisches H eraus- und Heieindrücken von Wasser 
aber gerade im  Osten bei der w eiten E n tfernung  leicht beseitigt w erden. W ir haben diese M aß ­
dieser S tad tte ile  von dem Reservoir und bei den nahm e, die w ir sonst jetzt noch nicht getroffen 
geschilderten ungünstigen R ohrverhältnissen sich als hä tten , heute an  allen R ohrb runnen  auf dem 
nicht ausreichend erweisen. E s gibt eine ganze Wasserwerke vorgenom m en. E s ist auch dadurch 
Reihe von Häusern, wo sich selbst u n te r den n o r­ eine erhebliche M ehrsörderung von Wasser zu 
m alen  Verhältnissen infolge dieser zu schwachen erw arten .
        
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