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Periodical volume 25. Mai 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 25. M ai 1910 249
dort ihre W ohnung zu haben. Diese Leute verlangen eine S ta t io n  haben. Sollte  m an  wirklich engherzig 
daß sie nicht 12 bis 15 M inu ten  nach dem Bahnhöfe sagen: in  der ersten Zeit trägt das die Kosten nicht, 
gehen, sondern wollen die B ahn  in nächster Nähe so würden wir schließlich damit einverstanden sein, 
haben, weil die anderen W agenverbindungen fehlen. wenn m an  u n s  erklärte: statt im J a h r e  1915 oder 
Deshalb ist es notwendig, daß wir oben die 1918 wollen wir die S ta t io n  im J a h r e  1920 oder 
S ta t io n en  dichter aneinanderlegen müssen als in der 1925 eröffnen. D a s  soll u n s  ganz —  ich will nicht 
S tad t .  I n  der S ta d t  kann m an  sich von jedem sagen, gleichgültig sein, aber wir sind schon zu­
Punkte aus  m it der Droschke oder mit irgend­ frieden, wenn wir nur  die Aussicht fü r  die Zukunft 
einem anderen Behikel in geschützter Weise zur haben. D aß  nachher die Untergrundbahn die 
Untergrundbahn begeben. D a s  ist bei u n s  oben S ta t io n  frühzeitiger eröffnen wird, davon bin ich 
ausgeschlossen. überzeugt; denn m an  wird sich doch die Reisenden, 
M eine Herren, w as  wird der Erfolg nachher die da oben wohnen, nicht entgehen lassen. B e ­
sein, w enn wir die Zwischenstation nicht bekom m en? denken S ie  doch, daß jeder Mensch, der jetzt auf 
Bei der B auordnung , die oben beliebt worden ist Westend wohnt oder nach Westend zieht, nicht 
—  ich kann sagen: bei der verpfuschten B auordnung ; zufällig n e b e n  der Untergrundbahn wohnt, 
denn sehen S ie  sich einmal die Häuser, die dort sondern deshalb seinen Wohnsitz dorthin verlegt, 
oben hingebaut werden, an, diese Kasten mit den weil die Untergrundbahn da ist. J e d e r  einzelne 
engen Gassen, den Bauwichen, wo die Leute sich Bew ohner Westends ist In teressent für die Unter- 
gegenseitig auf 8 m  Entfernung in die Küchen und grgundbahn, jeder einzelne m uß  sie benutzen. J e d e r  
in  die Schlafzimmer gucken können: das ist e tw as einzelne wohnt dort oben, weil er mit dem Schnell­
Furchtbares — , wer zieht denn in diese Riesen­ verkehr der Untergrundbahn in das Herz von 
kasten h ine in?  D er mittlere B eam te, der draußen Berlin  C hineinkommen kann.
billig wohnt, und der sich dann den M ü h en  und Meine Herren, ich habe mich in der Kommission 
S trap azen  unterzieht, mit seiner Fam ilie  ruhig ein dam it einverstanden erklärt, daß die Resolution, 
paa r  hundert Schritte weiter nach dem Bahnhof wie sie I h n e n  hier vorgelegt worden ist, gefaßt wird. 
zu pilgern. I s t  das denn dasjenige, w as wir mit Die Resolution ist ja —  damit haben S ie  ganz recht 
Neu-Westend erhofft und erstrebt h ab en ?  Wir —  so schwächlich und nichtssagend, so daß m an  sich 
wollen doch S teuerzahler  da h inbringen! Und eigentlich darüber w undern  könnte, daß ich, der 
Steuerzahler, wohlhabende Bevölkerungsschichten, ich der Vorsitzende des Komm unalvereins Westend 
kommen doch erst dann herauf, w enn sie es oben und der Verfasser der eingereichten P e ti t ion  bin, 
bequem haben, und nicht, wenn sie eine Viertel­ in der wir so energische M itte l empfohlen haben, 
stunde bis zur Untergrundbahn laufen müssen. Ich mich dam it einverstanden erklärt habe. D er G rund  
bin der M einung, daß der Magistrat von Char­ ist einfach der, daß ich m ir  sage: eine solche wenig 
lottenburg schon einmal in früherer Zeit sehr wenig sagende Resolution, die e i n st i m  m i g gefaßt 
Umsicht und Voraussicht bei der Entwicklung von wird, ist mir lieber als eine energische Resolution, 
Westend gezeigt hat. W enn der Magistrat von die nachher nu r  m it M ühe und Not durchgeht. Ich  
Charlottenburg früher auf Westend aufmerksam bin der festen Überzeugung —  das traue  ich dem 
geworden wäre, w enn er begriffen hätte, welches Magistrate zu, ich habe V ertrauen  zum Magistrat;  
kostbare J u w e l  Charlottenburg oben in Westend ich sage auch hier: V ertrauen  um  V ertrauen  — , 
besitzt, dann wäre die Kanalisation dort 15 J a h re  daß der Magistrat, w enn  er n u r  ernstlich will, selbst 
früher gekommen, und mancher M illionär, der nach auf G rund dieser wenig besagenden Resolution 
dem G runew ald  gezogen ist, wäre nach Westend Gelegenheit finden wird, den Wünschen der 
hinaufgezogen. Westender nachzukommen und der Notwendigkeit 
(S eh r  richtig!) dieser Einrichtung für die Entwicklung von Alt- und 
I n  dem jetzigen Augenblick will m an  genau den­ Neu-Westend gerecht zu werden.
selben Fehler machen, in dem jetzigen Augenblick Ich  führe noch an, meine Herren, daß unm itte l­
läßt m an  ebenfalls wieder die Voraussicht ver­ bar an der Eschenallee die großen Schulen sind. 
missen —  ich weiß nicht, au s  welchen Gründen . Es D ort ist die Herderschule und auf der anderen Se ite  
ist m ir gesagt worden, eine S ta t io n  kostete 500 000 wird die große Kommunalschule gebaut. Sollen  
und dann  m üßten  auch noch eine Reihe von denn die Kinder, die Berliner J u n g e n  und Mädchen, 
B eam ten  angestellt werden, die die Ausgänge usw. wenn sie bei Regenwetter,  bei S tu r m  und Wind 
kontrollierten. M it  Rücksicht auf diese Kosten des M orgens zur Schule gehen, am  Reichskanzler­
könnte m an  jetzt die S ta t io n  Eschenallee nicht er­ platz aussteigen und 8 M in u ten  bis zur Herder­
richten. M eine Herren, die S ta t io n  m u ß  er­ schule laufen und dort stundenlang in ihren durch­
richtet werden. W enn sie jetzt nicht vorbereitet feuchteten Kleidern sitzen müssen, während sie 
wird, schwindet für  u n s  Westender allerdings die unm itte lbar die S ta t io n  neben der Schule haben 
Aussicht, jemals dort eine S ta t io n  zu bekommen, könnten? S o  viel Interesse müssen wir doch alle 
und die S ta d t  Charlottenburg hat ebenso den an dieser Entwicklung nehmen, daß wir die N ot­
Schaden davon wie die Bevölkerung dort oben. wendigkeit einer Untergrundbahnstation an  der 
D a s  T hem a des Untergrundbahnhofs an  der Eschen­ Eichenallee empfinden und dafür eintreten. Ich  
allee wird nicht mehr vom T ap e t  verschwinden —  bitte den Magistrat, auf G rund  dieser nicht allzu 
so lange, bis er gebaut ist. D a s  mögen S ie  glauben. stramm gehaltenen Resolution die entsprechenden 
Ich  bin der M einung, daß der Magistrat, der doch Schritte zu tun, u m  diese für die Entwicklung 
so viele Verhandlungen mit der Untergrundbahn Westends notwendige Einrichtung durchzuführen.
über alle möglichen Dinge noch zu führen hat — (B r a v o !)
denn wir wollen doch noch große U nternehm ungen 
gemeinsam ausführen  — , wohl Gelegenheit hätte, Stadtbaurat B redtschneider : Ich  glaube,
den U ntergrundbahnleuten und den Leuten von w as  für Westend billig ist, ist fü r  unsere anderen 
der Westendgesellschafi oben klar zu machen, S tad tte i le  recht.
daß es ihr eigenes Interesse ist, w enn sie dort noch (S e h r  richtig!)
        
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