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Periodical volume 19. Januar 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

I Sitzung vom 1). Januar 1S1K 13
■ war die Zuständigkeit der neuen Schuldeputatjon l Zu unserem großen B edauern ist das nach dem 
verneint, verneint ihre Schulaufsichtsbefugnis W ortlaut des, Gesetzes unmöglich. D er § 59 der 
gegenüber den höheren Mädchenschulen, und dam it S tädteordnung sagt: - eine Verwaltungsdeputation 
verschwand das Ziel, dem der M agistrat zustrebte, kann bestehen aus M itgliedern des M agistrats, 
als er hier den Antrag stellte, auch die Angelegen­ sie kann bestehen aus M itgliedern des M agistrats 
heiten der höheren städtischen Mädchenschulen der 'und der, S tadtverordnetenversam m lung, sie kann 
auf Grund des Gesetzes von 1906 neugebildeten endlich aus beiden und stimmfähigen B ürgern 
j Schuldeputatjon zuzuweisen. V erneint w ar durch bestehen. Dieser letzte Ausdruck „stimmfähige 
I jenen Erlaß endlich jede Möglichkeit, städtischerseits B ürger" macht es uns unmöglich, in  eine der Schulaufsichtsrechte über die städtischen höheren beiden für diese bestimmten S tellen  F rauen  hin­
Mädchenschulen auszuüben. Es blieb nur die einzuwählen. D em  hat auch der M agistrat in 
Möglichkeit der Verw altung der äußeren An- seiner Vorlage Rechnung getragen, wenn er an 
I  gelegenheiten, wie sie die D eputation für die deren Schluß Ih n e n  vorschlägt, der D eputation, 
städtischen höheren Knabenschulen ausübt. N ur der die Direktoren m it beratender S tim m e an­
die Bildung einer V erw altungsdeputation auf gehören sollen, das Recht zuzugestehen, aus dem 
Grund des § 59 der S tädteordnung blieb übrig. Kreise der Oberlehrer und Oberlehrerinnen, Lehrer 
Auf Grund dieses Tatbestandes bringt Ih n e n  und Lehrerinnen geeignete Persönlichkeiten zu­
nun der M agistrat heute eine Vorlage, indem er zuziehen. Ich  freue mich, daß es hier heißt, daß Oberlehrerinnen zugezogen werden sollen; denn 
Ih n e n  vorschlägt, die Bürgermädchenfchule und ich meine, diese neue Kategorie von V ertreterinnen 
das gesamte Privatschulwesen der auf Grund des 
Volksschulunterhaltungsgesetzes von 1906 neuge­ des weiblichen Erziehungswesens muß über kurz 
bildeten Schuldeputatjon zu unterstellen, dagegen oder lang zu B eratungen, die eben das Neue 
für die höheren Mädchenschulen eine besondere an den Mädchenschulen, nämlich ihre Dom äne 
Verw altungsdeputation, wie sie schon die M it­ — das sind die Oberklassen — , betreffen, zugezogen 
glieder der alten Schuldeputatjon wünschten, zu werden. In d e s  hat der Ausschuß doch gemeint, daß diese Fassung des M agistrats zu eng sei. Der 
bilden. Ich will zunächst nur auf diesen Teil der 
M agistratsvorlage eingehen. Ausschuß wünscht die Beteiligung der weiblichen Bürgerschaft an den Arbeiten dieser D eputation ; 
Der Ausschuß hat sich nicht ganz auf den es schwebte ihm vor, daß beispielsweise eine M utter, 
S tandpunkt der Vorlage stellen können. S e it die besonders geeignet sei, einschlägige F ragen  
geraum er Zeit nämlich hat das Provinzialschul- zu beurteilen, zugezogen werden solle. D er Aus­
kollegium auch eine Reihe unserer höheren P riv a t­ schuß hat Ih n e n  deshalb eine andere Fassung 
mädchenschulen übernomm en. Auch für sie ist vorgeschlagen. Er hat es unterlassen, zu speziali­
danach die dem Regierungspräsidenten unterstellte sieren, und möchte es der D eputation überlassen 
Schuldeputatjon nicht mehr zuständig, auch der wissen, geeignete Persönlichkeiten zuzuziehen, wo­
S ta d t stehen ihnen gegenüber Schulaufsichtsrechte bei natürlich ebenso an  Oberlehrer und Ober- 
nicht mehr zu. N ur auf die V erw altung ihrer lehrerinnen, Lehrer und Lehrerinnen wie an 
äußeren Angelegenheiten hätte die S tad t einen F rauen  aus der Bürgerschaft gedacht ist.
gewissen Einfluß. D er Ausschuß hat deswegen Ein Gesichtspunkt wäre noch zu erörtern, 
gemeint, die Behandlung des Privatschulwesens und das ist die F rage: welche F orm  soll dieser 
teilen zu- sollen, nach Privatschulen, die vom neuen Behörde gegeben w erden? Die einer 
Provinzialschulkollegium übernom m en sind, und D eputation oder die eines K uratorium s? Ur­
nach solchen, die es nicht sind, und so formuliert sprünglich waren die Begriffe D eputation  und 
der Ausschuß seinen Vorschlag folgendermaßen: K uratorium  gleichwertig; im Laufe Der Zeit aber 
es soll die Bürgermädchenschule, es sollen die hat sich der In h a lt  des Begriffs „K uratorium " 
Privatschulen, soweit sie nicht vom Provinzial­ geändert. D as Kuratorium  besteht nach der 
schulkollegium übernom m en sind, der auf Grund heutigen Auffassung aus solchen M itgliedern, die 
des Volksschulgesetzes von 1906 gebildeten von der S tad t, und aus solchen, die vom S ta a te  
Volksschuldeputation unterstellt w erden; da­ zu ernennen oder doch zu bestätigen sind. D er M a­
gegen sollen in der heute neu zu bildenden gistrat hat geglaubt, nicht die Form  eines K ura­
V erw altungsdeputation sowohl die Angelegen­ torium s wählen zu sollen, und der Ausschuß 
heiten sämtlicher höheren Mädchenschulen als pflichtet ihm darin bei. W enn auch diese D eputation, 
die Angelegenheiten der höheren Privatschulen, der die Schulaufsichtsbefugnisse fehlen, gerade so 
die vom Provinzialschulkolleg übernom m en sind, wie die D eputation für die höheren Lehranstalten 
behandelt werden. D er Ausschuß bittet S ie, für Knaben eine V erw altungsdeputation ist, sv 
diesem seinem von der M agistratsvorlage ab­ wünscht der Ausschuß in Übereinstimmung mit 
weichenden Vorschlage zuzustimmen. dem M agistrat doch, daß die städtischen Behörden 
Es sind Abweichungen in der Organisation wenigstens in bezug auf die Wahl der M itglieder 
dieser neuen V erw altungsdeputation von der der vollständig frei sind. Deshalb bittet S ie  der Aus­
V erw altungsdeputation für die höheren Knaben­ schuß, der Fassung, die er dem Magistratsvorschlage 
schulen vorgesehen. Die Zahl der M itglieder ist gegeben hat, zuzustimmen.
größer. Es sind 8 von der S tadtverordneten­
versammlung zu wählende M itglieder vorgeschlagen, jD ie B eratung wird geschlossen. Die Ver­
von denen 6 S tadtverordnete sein müssen. D as sammlung beschließt nach dem Antrage des Aus­
Nähere sehen S ie  aus der Vorlage. schusses, wie folgt:
Es wäre unser Wunsch gewesen, im S inne I. Die Angelegenheiten der Bürgerm ädchen­
der Frauenbew egung unserer Tage einen der schule und der Privatschulen, die nicht unter 
beiden Plätze, die nicht m it S tadtverordneten Aufsicht des Provinzial-Schulkollegium s ste­
besetzt werden müssen, m it F rauen  besetzt zu sehen. I hen, werden der Schuldeputatjon zugewiesen.
        
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