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Periodical volume 11. Mai 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vom 11. Mai 1910 2 27
Anregungen für ihre weitere Tätigkeit in Charlotten-1 M eine Herren, wenn ich m ir die Frage vor­
bürg finden sollen, noch einige höhere Beam te, lege, ob es im Interesse der Kommune erwünscht 
die auch an leitender S telle stehen, sich die Aus­ ist, daß M agistratsmitglieder und höhere Beamte 
stellung ansehen können, so erwarte ich ohne diese Ausstellung besuchen, dann muß doch jeder 
weiteres auch Borteile für die Entwicklung von die Frage bejahen; wünschenswert ist es zweifellos. 
Charlottenburg davon. Es kommt der G artenbau, Nun bleibt aber die F rage: wollen wir den Herren 
es kommen die elektrischen Kraftanlagen in Be­ die Möglichkeit bieten, die Ausstellung zu be­
tracht —  gerade in Brüssel, wo die Maschinen­ sichtigen? und da wäre m ir allerdings das An­
ausstellung einen großen Teil der Ausstellung über­ genehmste die Magistratsvorlage gewesen. M eine 
haupt ausmacht und von hervorragender Be­ Herren, ich bin auch ein unbedingter Freund der 
deutung sein soll — ; es kommt ferner das Unter­ Sparsamkeit; aber doch nicht Sparsamkeit am 
richtswesen in  Frage. Alles Dinge, die eine große falschen O rte! Denn das ist die allergrößte Ver­
Rolle spielen, sind in Brüssel zu anschaulicher D ar­ schwendung ! Wenn sich M agistratsmitgliedern und 
stellung gelangt. Ich möchte darauf nicht ein­ höheren Beam ten Gelegenheit bietet, einmal hinaus­
gehen. zukommen — dann sollten wir das bekämpfen, 
S o  sehr ich auch bebaute, daß man überhaupt weil wir eine Ersparnis von 2000 bis 3000 M 
die M agistratsvorlage eingeschränkt hat, so sehr ich machen?
auch bebaute, daß m an keine weitere Kreise in diese Es wird nun ja von dem einen oder anderen 
Delegationen hineinzieht, m it derselben Heftigkeit gesagt werden: es ist eine Vergnügungsreise. Da 
wende ich mich jetzt aber auch gegen jeden weiteren muß ich auch offen sein: das erwarte ich und ver­
Antrag, der den Ausschußantrag noch weiter herab­ lange ich nicht von den Herren, daß sie täglich 
drücken soll. Die Sparsamkeit auf diesem Gebiete 12 S tunden in der Ausstellung zubringen und sich 
scheint m ir ganz verkehrt zu sein. D as ist eine die übrige Zeit ausschlafen, um  für den folgenden 
Pfennigrechnerei, die unseren E tat ganz gewiß Tag frisch zu fein. Ich habe so die Empfindung, 
nicht in das Gleichgewicht bringt. als ob der Vergnügungspark der Ausstellung m it 
(S eh r richtig!) das Hindernis gegen die Bewilligung dieser 
Und auch die Herren, die hinter Herrn Kollegen M ittel ist.
B ergm ann stehen, sind nicht unter allen Umständen Ich würde am liebsten für die M agistrats­
davor bewahrt, daß sie in Charlottenburg für alle vorlage stimmen, und die Ausführungen des Herrn 
Ewigkeit nur 100 %  Gemeindeumlagen zu zahlen Kollegen Zietsch könnten mich dazu erm untern, 
haben, wenn sie in diesem Falle 2000 Ji sparen den Antrag zu stellen, die M agistratsvorlage wieder 
wollen. herzustellen. Aber das mindeste wäre, daß wir den 
Ausschußantrag annehmen, unter keinen Umständen 
Stabtb. Z ander: Nam ens meiner Freunde habe dürften wir uns auf den Standpunkt stellen, nichts 
ich zu erklären, daß wir den Ausschußantrag ab­ zu bewilligen. Ich  stelle also den Antrag, die 
lehnen und für den Antrag Bergm ann stimmen M agistratsvorlage anzunehmen.
werden.
Vorsteher K aufm ann : Es ist ein Antrag auf 
Stabtb. Dr. Crügcr: M eine Herren, ich be­ Schluß der Debatte eingegangen, der genügend 
finde mich in der eigenartigen S ituation , hier er­ unterstützt ist. Ich  bitte diejenigen, die den Schluß­
klären zu müssen, daß die Ausführungen des antrag annehmen wollen, die Hand zu erheben.
Herrn Kollegen Zietsch mir viel sympathischer (Geschieht.)
waren als die Ausführungen meines Fraktions­ D as ist die M ehrheit.
kollegen Bergm ann. (Rufe: Gegenprobe!)
(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) M eine Herren, hier ist erklärt worden: es ist die 
Ich  muß offen gestehen, daß in diesem Falle der M ehrheit. D ann erfolgt eine Gegenprobe nicht.
weite Blick doch wohl auf der linken Seite zu (Erneute Zurufe.)
suchen ist. — Herr Kollege S te in  sagt, er habe es nicht erklärt. 
(S tadtv . Zietsch: D as ist sehr oft so!) Ich lasse also nochmals abstimmen und bitte jetzt 
Ich  kann nicht gern dieses Zugeständnis hier ab­ beide Herren Beisitzer, nachzuzählen. Nach meiner 
geben. Aber, meine Herren, wenn die Ablehnung Überzeugung war es die M ehrheit. Ich  bitte 
der M agistratsvorlage hier begründet wird, wie es diejenigen, die dafür sind, die Hand zu erheben.
von Herrn Kollegen Bergm ann geschehen ist, dann (Geschieht.)
fordert das doch offenbar die Opposition der D as ist die M ehrheit. Die Debatte ist geschlossen. 
Freunde der Vorlage heraus. Ich will gar nicht (Berichterstatter S tad tv . Otto verzichtet auf das 
den großen W ert aus die deutsche Ausstellung Schlußwort.)
legen, sondern ich lege viel mehr W ert darauf, 
daß unsere M agistratsmitglieder und höheren Be­ Stabtb. Holz (persönliche Bemerkung): Ich 
am ten einen Blick in die ausländische Ausstellung bedaure, daß ich durch den Schluß der Debatte 
bekommen. verhindert worden bin, zur Sache einige Aus­
N un kann ja vielleicht gesagt werden, eine führungen zu machen, zu denen ich veranlaßt 
Weltausstellung ist keine Spezialausstellung. Aber worden wäre durch die Erklärung des Herrn 
eine Weltausstellung zeichnet sich dadurch aus, daß Kollegen Zietsch, der sich gewöhnlich bei derartigen 
sie aus einer großen Menge von Spezialaus­ Anträgen des M agistrats gewissermaßen als frei­
stellungen besteht. Ich  habe auch nicht das geringste williger Regierungskommissar zeigt. Ich bin der 
Verständnis dafür, wie man sich auf den Standpunkt M einung, daß Herr Kollege Zietsch unrecht tut, 
stellen kann: zu einer Spezialausstellung delegiere wenn er behauptet, daß ich grundsätzlich Gegner 
ich, aber zu einer Weltausstellung nicht. W arum ? derartiger Dienstreisen bin. Ich  wollte nur darauf 
Weil die Weltausstellung größer ist als eine Spezial­ hinweisen, daß ich gelegentlich einer ausführlichen 
ausstellung ? I Debatte über diesen Punkt, wo er auch Gegner
        
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