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Periodical volume 11. Mai 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

222 Sitzung vom 31. Mai 1910
V orlage betr. Erteilung der Zustimmung an die I betr. die Neue Kantstraße fallen ließen und zwischen 
Hochbahngescllschaft zum B au  der Untergrund­ Wilmersdorf, das aus seiner N ürnberger S traß e  
bahn nach dem Gleisdreieck» dem Nürnberger  stehen blieb, und unserem alten Standpunkt» der die 
Platz und dem Kurfürstendamm. —  Druck­ Leibnizstraße als Durchfahrt benutzen wollte, einen 
sache 136. Mittelweg anzubahnen versuchten» nämlich die 
Durchfahrt durch die Uhlandstraße» auf welchem 
Berichterstatter S tad tv . Dr. F rentzel: M eine Wege wir hofften nunm ehr auch unsere K ur­
Herren» die Vorlage, m it der wir u n s  heute zu fürstendammpläne un te r  einen sicheren Hut gebracht 
beschäftigen haben» und die» vorweg bemerkt» zu haben. Obwohl dieser Vorschlag dem Ministerium 
nicht I h r e  Zustim m ung zu einem bereits ab­ entsprungen und zuerst von dem H errn  Minister 
geschlossenen Vertrage fordert, sondern vielmehr selbst geäußert war, fand er doch weder in W ilm ers­
mir I h r e  Ermächtigung» auf G rundlage bestimmter dorf» noch bei den vorgesetzten Behörden schließlich 
Vereinbarungen m it der Hochbahngesellschaft Anklang. Wir m ußten  weiter zurückgehen und zu 
weiter zu verhandeln» schließt sich eng an  dasjenige dem kommen» w as  wir am  3. November hier 
an» w as  wir am  3. resp. am  3. und 4. November beschlossen haben, nämlich, w as  ich in kurzen W orten  
hier in diesem Saale  beschlossen haben» in jener Nacht­ dahin charakterisiere» daß wir W ilmersdorf die A us­
sitzung, die vielleicht noch allen denjenigen von führung seiner P lä n e  vollkommen überließen und 
I h n e n  gegenwärtig  ist» die sich an  ihr beteiligt für un s  n u r  verlangten» daß m an  auch u n s  die V er­
haben. M eine Herren» auch diese Beschlüsse» welche b indung nach dem Kurfürstendamm wenigstens 
wir am 3. November faßten» waren nicht ein Ding m it einer direkten Strecke freigab, die nach dem 
an  sich, ein losgelöster Gegenstand» sondern sie Osten führen sollte.
w aren  vielmehr das letzte Glied einer sehr langen Es war I h n e n  in  jener Ausschußsitzung hier von 
Kette von V erhandlungen und von B ehandlungen sehr maßgebender Se ite  gesagt worden» daß» w enn 
strittiger F ragen , von Käm pfen aller Art» die sich wir in dieser Beziehung eine schnelle Entschluß­
zwischen dem Magistrat und verschiedenen anderen fähigkeit bekunden würden» wir u n s  zum Herrn 
In s tanzen  in eben dieser Hochbahnfrage abgespielt der S i tu a t io n  machen würden, und dieser Umstand 
haben, V erhandlungen und Kämpfen» die in ihrem ist auch eingetroffen, wenigstens soweit die König­
markantesten Ergebnisse und  in ihren hervor­ lichen Behörden in  Betracht kommen. Von diesem 
stechendsten Positionen I h n e n  durch verschiedene M om en t an  hat man» w as  m an  bisher nicht getan 
V orlagen  und V erhandlungen ebenfalls hier in hatte» wirklich an den Ernst unserer P lä n e  geglaubt, 
dieser unserer P lenarversam m lung bekannt ge­ und m an  hat unser Projekt in den wärmsten 
worden sind. W orten  den W ilmersdorfern und auch der Hoch­
D a s  geschah zunächst in der ersten Vorlage bahngesellschaft zur Annahm e empfohlen.
vom 17. resp. 24. M ärz  vorigen Jahres» die also Trotz alledem hat m an  in W ilmersdorf selber 
bereits auf mehr als ein J a h r  zurückblickt, in der gegen unsere Verhandlungen vom 3. November 
zum ersten M a l  der Magistrat dieser Versammlung» doch einen gewissen Einspruch erhoben. M a n  hat 
aber auch der großen Öffentlichkeit und allen am  18. November eine außerordentliche S t a d t ­
In teressenten  von seinen dam als  ziemlich weit­ verordnetenversammlung berufen und ha t  sich mit 
ausschauenden Verkehrsprojekten Kunde gab, von dieser über unsere P län e  unterhalten . Vier Punkte  
jener Bahn» die —  das wissen S ie  ja noch alle —  hat m an  angeführt, aus  welchem unser Projekt 
über den Kurfürstendam m  gehen und über die den W ilmersdorfern unannehm bar  wäre.
Neue Kantstraße an unseren T erra in s  ihr Ende Erstens hat m an  gesagt: durch das C harlo tten­
finden sollte. Dieser P l a n  fand in dieser V er­ burger Projekt fällt fü r  die W ilmersdorfer die 
sam m lung nach eingehender B era tung  im A us­ direkte Ostverbindung fort. Auf diesen Punk t 
schuß eine sehr w arm e Aufnahme» und er wurde komme ich noch später zu sprechen.
ebenso beifällig von unserer Bürgerschaft und von Zw eitens  hat m an  gesagt: es wird durch das 
allen denjenigen begrüßt» die durch irgendwelche Fallenlassen dieser zwei von W ilmersdorf ge­
Umstände näher mit diesem P la n  verquickt und mit p lan ten  G le ispaare  unmöglich werden, eventuell 
ihm bekannt waren. die W ilm ersdorfer B a h n  direkt m it der Schöne­
Eine ganz andere Beurte ilung  und eine ganz berger B ah n  in Verbindung zu bringen. Dieser 
andere S t im m u n g  löste jedoch sein Bekanntwerden V orw urf  n im m t sich im M unde  von W ilmersdorf 
in weiteren Kreisen aus. Hier w ar nichts von Z u ­ einigermaßen eigentümlich aus» w enn m a n  bedenkt, 
stimmung zu spüren, sondern im Gegenteil die daß dieses vorher ein Projekt vorgelegt hatte, daß 
ärgste Opposition, und die stärkste Feindschaft die Auslösung des Gleisdreiecks durch die Nettel­
wurde dem, w as wir wollten, entgegengesetzt. Es beckstraße vornehm en wollte und somit Schöneberg 
opponierte zunächst die Hochbahngesellschaft hau p t­ vollkommen abschloß und jede Verbindung der 
sächlich wegen der Strecke Neue Kantstraße, die sie Schöneberger und W ilm ersdorfer P lä n e  unmöglich 
als eine Gefährdung ihrer Westend strecke ansah. machte.
Es opponierte Wilmersdorf» welches eine G efähr­ D er dritte E inw urf, den m an  erhob» war» 
dung seiner eigenen P län e  fürchtete. Und endlich daß unsere Kurfürstendammlinie vielleicht sich so 
h'elt der hochmögende Herr Eisenbahnminister seine kräftig und mächtig auswachsen könne, daß sie 
schützenden Hände über diesen beiden P a r te ie n  und später auch den direkten O  Verkehr für sich in An­
legte unsere Verhandlung damit ziemlich lahm. spruch nehm en könne und dafür bei den Behörden 
Trotz aller Versuche» diese Gegnerschaft weg­ Gegenliebe finden würde. Auch dies ist zwar ein 
zuschaffen» m ußten wir, u m  nicht in einem zer­ K om plim ent für u n s  in Charlo ttenburg und für 
m ürbenden  und aufreibenden Kampf die Zeit des die Richtigkeit unserer Voraussage; es steht aber in 
H andelns zu versäumen» uns  bereit erklären» Kon­ direktem Widerspruch zu weiteren A usführungen von 
zessionen zu machen» und das geschah in der Vorlage Wilmersdorf» die behaupten, daß der W ilmersdorfer 
vom 2*2. September» der sogenannten U Irland- Linie als der wirtschaftlich wertvolleren un ter  
straßenvorlage, in der wir unsere weiteren P lä n e ! allen Umständen der V orrang  gebühre.
        
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