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Periodical volume 3. Mai 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

Sitzung vomt 3. Mai 1910 205
nehmen behufs Abänderung des Gemeinde­ I M a te r ia ls  ersucht w ord en  ist". W a s  w e iter  a u s  
wahlrechts bezüglich der öffentlichen Ab­ j  dem  A n trage g ew o rd en  ist, w issen w ir nicht. I c h  
stimmung, des Dreiklassenwahlsystems sowie ! w eiß  nicht, ob der M agistra t noch im m er zäh lt; 
des Privilegs der Hausbesitzer in seiner ich w eiß  auch nicht, ob er noch im m er die Z en tra l­
jetzigen Ausdehnung. stelle d es D eutschen S tä d te ta g s  u m  B eschaffung  
M eine Herren, S ie  werden mir, gleichviel auf w eiteren  M a te r ia ls  ersucht. A ber ich ha lte  schon 
welchem politischen Boden S ie  sonst stehen, ohne d a s, w a s  der M agistra t in  A u sfü h ru n g  d es B e ­
weiteres zugeben, daß unser Antrag viel klarer schlusses der S ta d tv ero rd n e ten v ersa m m lu n g  da­
war als der Antrag Otto, den die Stadtverordneten­ m a ls  g e ta n  h a t, für überflüssig: e s  ist e in e  höchst 
versammlung zum Beschluß erhoben hat. Durch u n n ö tig e  A rb eit. I c h  w eiß  nicht, w o zu  der M agistra t 
diesen Beschluß ist der Magistrat in eine etw as un­ A u szä h lu n g en  a u s  den W ählerlisten  v o rn im m t. 
angenehme Situation  gekommen; denn er mußte D a s , w a s  d am it b ew iesen  w erd en  soll, ist längst 
sich nun natürlich erst seinen Kopf zerbrechen, b ew iesen . E s  ist b ew iesen , daß d as D reiklassen­
w as eigentlich der Beschluß der Stadtverordneten­ w ah lsystem  zu den  S ta d tv ero rd n eten v ersa m m lu n g en  
versammlung bedeutet. Der Antrag Otto ist ein  E rg eb n is  ze itig t, durch d as die A nschauungen  
verschwommen, in ihm ist nur die Rede von einer d es größ ten  T e ile s  der B evö lk eru n g  nicht zum  
Abänderung des Gemeindewahlrechts erstens be­ Ausdruck kom m en ; e s  w erd en  dadurch städtische 
züglich der öffentlichen Abstimmung. M an kann K örperschaften h ervorgeru fen , die in  keiner W eise  
also annehmen, daß auch die M ehrheit der S tadt­ der Z usam m ensetzung der B evö lk eru n g  entsprechen. 
verordnetenversammlung sich auf den Standpunkt M e in e  H erren , ich brauche S ie  bloß an  d as E r­
gestellt hat, daß die öffentliche Abstimmung be­ g eb n is  der letzten W ah len  hier in  C harlottenbu rg  
seitigt werden müsse. Ferner wendet sich der B e­ zu er in n ern . W ir h a tten  in  der dritten  A b teilu n g  
schluß der Stadtverordnetenversammlung gegen das u n g efä h r  9 5 0 0  sozialdem okratische W ähler, w ährend  
Dreiklassenwahlsystem. Er sagt aber nicht, was w ir n u r 9 0 0 0  W äh ler  h a tten , die den bürgerlichen  
an dessen S te lle  gesetzt werden soll. P a r te ie n  a n g eh ö rten . S e h e n  S ie  sich, b itte , 
(Stadtv. Dr Frentzel: Bier Klassen! —  Heiterkeit.) e in m a l die Z usam m ensetzung der in  der dritten  
—  Herr K o llege  Frentzel ru ft m ir zu: B ierklassen­ W äh lerab te ilu n g  g ew ä h lten  S ta d tv ero rd n e ten  a n ! 
w ah lsystem . S o v ie l  ich w e iß , hat d a m a ls  schon B o n  den 24  S ta d tv ero rd n e ten  geh ören  nur 10  
H err K ollege  Frentzel zur F raktion  des H errn  der sozialdem okratischen P a r te i , d agegen  14 den  
K o lleg en  O tto  gehört. Ic h  bin ja nicht darüber  bürgerlichen P a r te ie n  an , w ährend  doch, w en n  die 
g en a u  in fo rm ier t, w a s  in  I h r e n  F raktionssitzungen  S ta d tv ero rd n eten v ersa m m lu n g  n ur e in igerm aß en  
vorgeh t; aber e s  w äre m ir  in teressan t, zu erfahren , die S t im m u n g  der B evö lk eru n g  w ied ersp iegeln  
ob S i e  sich tatsächlich für e in  V ierklassenw ahlsystem  w ü rd e, d ie Z usam m ensetzung zu m  m indesten  die 
ausgesp roch en  haben . gleiche sein so llte , ja die sozialdem okratische F rak tion  
(Zuruf bei den Liberalen: D as glauben S ie  doch m ü ß te  sogar stärker sein  a ls  die lib era le .
selber nicht!) (H eiterkeit.)
—  Ich selbst glaube es nicht. Wenn aber Herr Ic h  lasse die erste und zw e ite  W äh lerab te ilu n g  
Kollege Frentzel es mir zuruft —  ich habe doch vollkom m en  außer B etracht. D a  fin d en  ja keine 
kein Recht, an den Worten eines Kollegen zu W ah len  statt, d as sind E rn en n u n g en . W ie  die 
zweifeln. W ah len  da zustande kom m en, d as ist e in e  F ra g e , 
(H eiterkeit.) die ich h ier nicht erörtern  w ill. I c h  m öchte nur das  
Ich darf wohl annehmen, daß die Mehrheit seiner e in e  h in zu fü g en , daß in  der ersten und zw e iten  
Fraktion nicht auf diesem Standpunkt steht und er W ä h lera b te ilu n g  im  v or igen  J a h r e  zu sam m en  nur 
selbst das auch nur scherzhaft gemeint hat. u n gefäh r 2 5 0 0  W äh ler  gestim m t hab en . D iese  
(Stadtv. D e Frentzel: S icher!) | 2 5 0 0  W ähler haben  d as R echt, die d op p elte  A n- 
W eiter  ver la n g t der B eschluß der S t a d t - 1I  zah l von  S ta d tv ero rd n e ten  zu stellen a ls  der ganze  
v erord n eten versam m lu n g  die A u sh eb ung d es P r i­ ü brige T e il  der B evö lk eru n g . W en n  S ie  sagen : 
v ile g s  der H ausbesitzer „ in  seiner jetzigen A u s ­ m a n  darf nicht nur d iejen igen  in  B etrach t ziehen , 
deh nung" . D a s  ist auch e in e  sehr dehnbare B e ­ die zur W ah l erscheinen, sondern m an  m u ß  auch 
stim m u n g . M e in e  F reu n d e  hab en  sich ganz klar d iejen igen  berücksichtigen, die in  der W ählerliste  
a u f den S ta n d p u n k t gestellt, daß d as H ausbesitzer­ e in gezeichnet sind, also d as W ahlrecht besitzen — , 
p r iv ileg  ü b erh au p t b eseitig t w erd en  soll. Herr d an n  tr itt die U ngerechtigkeit d o p p e lt groß zu T a g e . 
K ollege  O tto  d agegen  w o llte  d a s H ausbesitzer­ W i r  h a t t e n  i n  d e r  e r s t e n  W ä h l e r »  
p r iv ileg , w ie  a u s  unseren  D eb a tten  v om  J a h r e  a b t e i l n  n g 7 3 0 W ä h l e r ,  i n  d e r d r i t t e n  
1904 h ervorgeh t, in  gew issem  U m fa n g  noch a u f­ W a h l a b t e i l u n g d a g e g e n 4 1 304.  D i e s e  
rech terhalten  w issen. W en n  ich nicht sehr irre, 41 3 0 4  W ä h l e r  h a t t e n  n u r  d a s s e l b e  
w o llte  er e s  w en ig sten s für die kleinen und m itt­ R e c h t  w i e  d i e  730  W ä h l e r  d e r  e r s t e n  
leren  G em ein d en  au frechterhalten  w issen. A ber A b t e i l u n g ,  o d e r  j e d e r e i n z e l n e W ä  h-  
fü r  C h arlo tten b u rg , g lau b e ich, stehen auch S ie  l e r  d e r  e r s t e n  A b t e i l u n g  h a t t e  e i n  
(zu m  S ta d tv . O tto ) a u f dem  S ta n d p u n k t, daß  5 7 m a l s o g r o ß e s W a h l r e c h t w i e j e d e r  
d a s H ausbesitzerprivileg  v era lte t ist. W ä h l e r  d e r  d r i t t e n  A b t e i l u n g .  I n  
N u n  h at u n s  der M ag istra t u n gefäh r zw e i der z w e iten  A b te ilu n g  h a tten  w ir 6 0 5 4  W äh ler . 
J a h r e  später e in e  M itte ilu n g  zu geh en  lassen; das  S ie  sehen h ierau s , daß selbst d a s R echt jedes  
w ar E nde d es J a h r e s  1906 . A u f die A n frage, W äh lers der zw e iten  A b te ilu n g  im m erh in  noch 
w ie w e it  e s  m it den E rh eb u n gen  in  S a ch en  betr. 7 m a l so groß w ar w ie  d a s R echt jed es W ä h lers  
A b än d eru n g  d es G em ein d ew a h lrech ts  stände, er­ der dritten  A b te ilu n g . H iera u s geh t für jeden , 
h ie lten  w ir im  D ezem b er  1906 die A n tw o rt, daß  der e in igerm aß en  u n b e fa n g en  denkt, oh ne w e itere s  
„die A u szä h lu n g en  a u s  den  W ählerlisten  b een d et  hervor, daß e s  die h o c h  st e Z e i t  i st, e i n  s o  
sind und daß au ß erd em  die Z en tra lste lle  des  e r b ä r m l i c h e s  W a h l s y s t e m  e n d l i c h  
D eutschen  S tä d te ta g s  u m  B eschaffu ng w e iteren ü b e r  B o r d  z u  w e r f e n .
        
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