Path:
Periodical volume 3. Mai 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

200 Sitzung vom 3. Mai 1910
Übernahme des Sees durch die S tad t ist bereits I kommen. Ich  möchte m ir nun die Frage erlauben, 
bei Regulierung des Witzlebenprojekts von beiden ob von dem See ein Abfluß in die Kanalisation 
Kontrahenten ins Auge gefaßt worden. Dem ­ möglich ist, ob ein solcher schon besteht oder anzu­
gemäß ist von der Witzleben-Gesellschaft Borsorge legen ist. F rüher hat der Lietzensee Abfluß nach 
getroffen worden, daß die Käufer der Parzellen dem Karpfenteich gehabt; das ist aber schon seit 
nicht ein dauerndes Benutzungsrecht an dem See einer Reihe von Jah ren  vorbei, soviel ich weiß, hat 
erlangen. Ferner ist von der S tad t eine gewisse er jetzt gar keinen Abfluß. So schön, wie die Ufer 
Tiefe der Ausbaggerung des Sees verlangt worden. gestaltet sind, so schlecht ist schon seit längerer Zeit 
Es wurde seinerzeit im Regulierungsvertrage die das Wasser. Der Herr B aurat hat sich davon vor 
Ausbaggerung des Sees in einer Tiefe von m in­ m ehreren Jah ren  auch schon durch eine Kahnfahrt 
destens 1 m unter Niedrigwasser vorgeschrieben. überzeugt; unter andern sind Kollege Barnewitz 
Wie in der Vorlage zum Ausdruck gebracht ist, und noch mehrere Herren m it dabei gewesen. 
hat die Witzleben-Gesellschaft diese Verpflichtung M an hat gesehen, daß auf dem Grunde der reine 
nicht nur erfüllt, sondern ist darüber hinausge­ Modder ist. Wie m ir erzählt worden ist, war zwar 
gangen, indem sie den S ee durchschnittlich 2 rn am Rande weißer Sand darauf geschüttet, um 
unter Niedrigwasser ausgebaggert hat. Der See den Eindruck zu erwecken, das sei Sandboden; es 
soll der S tad t nicht bloß unentgeltlich übereignet hat sich aber herausgestellt, daß der Sand  bloß auf­
werden, sondern es wird der S tad t für die Über­ geschüttet war. D as T errain  gehört zum Kana­
nahme des S ees noch ein Entgelt von 100 000 M  lisationsbezirk I, aber der See steht in keiner Ver­
zugesichert. Die Zinsen dieses B etrages sollen eine bindung m it der Kanalisation.
Gegenleistung für die Auskrautung und Aus­ Ich halte es doch für erforderlich, daß wir eine 
räum ung des Sees darstellen, die der S tad t als Akiskunft darüber erhalten, ob es möglich ist, diese 
zukünftiger Eigentümerin des Sees obliegen würde. Verhältnisse zu ändern; denn so kann es nicht m it 
D er M agistrat meint — und nach Lage der Akten dem schmutzigen Wasser weiter gehen; das wird 
ist diese Ansicht nicht als unrichtig zu bezeichnen — , ja von J a h r  zu J a h r  schlimmer! Ich  möchte um 
daß der Zinsbetrag eine ausreichende Gegenleistung M itteilung bitten, was m an für M ittel und Wege 
für die Verpflichtung der Auskrautung und Aus­ ergriffen hat, um dem Übelftande abzuhelfen.
räum ung des Sees gewähren werde. Ferner ist 
in dem Vertrage zum Ausdruck gebracht, daß den Stadtbaurat Bredtschneider: M eine Herren, 
Anliegern ein Benutzungsrecht am See nicht zu­ es ist zutreffend, daß das Wasser des Lietzensees 
steht. Endlich ist von der Gesellschaft der S tad t namentlich vor 1 bis 2 Jah re n  von schlechter Be­
gegenüber die Verpflichtung übernommen worden, schaffenheit war. Es hatten sich dort grüne Algen 
eine Uferbefestigung des Sees entweder selbst angesiedelt, die sogenannte Wasserblüte, und es hat 
herbeizuführen oder dafür zu sorgen, daß diese da einen gewissen Geruch infolge der Wasserblüte 
Uferbefestigung auf Kosten der Anlieger be­ gegeben. Die Terraingesellschaft Park Witzleben 
ziehentlich der bisherigen Eigentüm er der P a r ­ hat auf meine Veranlassung einen auf diesem 
zellen vorgenommen wird. Außerdem ist der Ge­ Gebiet sehr erfahrenen Gelehrten herangezogen. 
sellschaft oder ihrem Rechtsnachfolger die Ver­ Dieser hat darüber große Abhandlungen geschrieben, 
pflichtung auferlegt, die Böschung über dem See weil es ein sehr interessanter Fall w ar; obgleich hier 
zu unterhalten: einem der Anlieger ist die Ver­ in der Mark derartige Wasserblüten vielfach vor­
pflichtung auferlegt, auch die Böschung unterhalb kommen, ist doch diese Wasserblüte noch nicht be­
des Wasserspiegels zu unterhalten. schrieben worden. Er hat der Terraingesellschaft 
Der Magistrat verlangt, daß die 100 000 M  auch ein M ittel an die Hand gegeben, wie man der 
dem Straßenregulierungsfonds überwiesen werden, Wasserblüte Herr werden kann. Die Wasserblüte 
so daß dieser Fonds und dessen Nutzung dauernd der sinkt nämlich zu gewissen Jahreszeiten  zu Boden; 
Pflege des Sees dienen können. D er § 1 des Ver­ das einfache M ittel besteht darin, daß m an sie 
trages bestimmst daß der See m it Ausnahme der dann herausfischt. Die Tcrraingesellschaft hat dieses 
Parzelle 4453/34 übereignet wird. Ich  weise M ittel angewendet, und seitdem hat sich dos Wasser 
darauf hin, daß diese Parzelle gar nicht eine S ee­ merklich gebessert, sodaß man heute von einer Ge- 
parzelle ist; der See wird also in seiner vollen fahr wie damals nicht mehr sprechen kann. Erst 
Ausdehnung der S tad t übereignet. heute habe ich von dem Professor eine Nachricht 
M eines Erachtens ist der Vertrag in jeder B e­ erhalten, worin er seine Freude darüber ausdrückt, 
ziehung unbedenklich. Die Interessen der beiden das nunmehr tatsächlich der Lietzensste nach seiner Ll u f - l  
Kontrahenten sind im großen ganzen wohl in an­ fassung ungefährlich geworden ist. / M it dem Wässöt 
gemessener Weise abgewogen und zum Ausgleich müssen wir vorlieb nehmen. Nach Ansicht des Ge­
gebracht. Es besteht deshalb kein Bedenken, den lehrten hängt die schlechte Beschaffenheit damit 
Vertrag so, wie er uns vorgelegt worden ist, anzu­ zusammen, daß der Lietzensee in den Moorboden 
nehmen. eingebaggert worden ist. Der genannte Herr hat 
aber seine M einung dahin ausgesprochen, daß zwei- ' 
Stadtv. V oge l: M eine Herren, der Herr Vor­ fellos die Mißstände schon jetzt wesentlich gebessert 
redner hat zwar eben empfohlen, den Vertrag so sind, sodaß Anstände nicht mehr zu erheben sind, 
anzunehmen, wie er uns vorliegt; ich möchte aber und daß auch in Zukunft nichts weiter passieren wird, 
doch den Herrn S tad tbaurat für Tiefbau noch erst sofern das Seewasser m it einiger Aufmerksamkeit 
um  einige Auskünfte bitten. behandelt wird. M eine Herren, die Verhältnisse 
S ie  wissen, die Terraingesellschaft Park Witz­ werden ja besser werden, wenn wir den See über­
leben ist schon seit mehreren Jah ren  wiederholt an nehmen. Befürchtungen könnten nur obwalten, 
die S tad t m it dem Ersuchen herangetreten, ihr wenn der See in privaten Händen verbliebe. 
doch den See abzunehmen. M an hat ja nicht gleich Dieser Umstand ist noch mehr ein Antrieb für uns, 
100 000 M  geboten, sondern dachte, es würde den See in unsere Verwaltung zu übernehmen.
billiger sein; schließlich ist man auf diese Sum m e ge- (Zuruf des S tad tv . Vogel.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.