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Periodical volume 3. Mai 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

erkrankt oder schon Rekonvaleszenten sind und können, wenn die Not oder veränderte D ispo­
ihrer Entlassung entgegensehen, oder die der ärzt­ sitionen es erfordern sollten.
lichen Behandlung nur zeitweise, etwa ein- oder Die ärztliche Behandlung der dort einzu­
zweimal in der Woche, bedürfen — Nachbehand­ logierenden Kranken würde von der H a u p t ­
lung sowohl von chirurgischen Kranken wie von verwaltung aus geschehen können. Es handelt sich 
inneren Kranken —, daß m an gut tut, solche ja um  lauter am bulante Kranke, sei es um  Kranke 
Kranken aus den großen eigentlichen Kranken­ der chirurgischen Abteilung, die nur dann und wann 
häusern für Schwererkranke zu entfernen und sie einen Verbandwechsel nötig haben oder die einer 
in sogenannte Genesungsheime, am besten an die mechanischen, orthopädischen, elektrischen Nach­
Peripherie der S tädte, zu bringen, einmal um  die behandlung zu unterziehen sind, oder um  andere 
Krankenhäuser zu entlasten und zweitens um Leichtkranke, die nur zuweilen zu besehen sind. 
diesen Rekonvaleszenten und Leichtkranken die Genug, es wird die volle Belegung dieser Pavillons 
W ohltaten größerer Bewegung im Freien zugänglich erfolgen können, ohne daß eine Vermehrung des 
zu machen. Bei unseren besonderen Weltstadt­ ä r z t l i c h e n  Personals in Aussicht zu nehmen ist.
verhältnissen würde die Angliederung eines Re­ Vorkehrungen müssen wir, wie gesagt, treffen, 
konvaleszentenhauses an unser allgemeines Kranken­ denn schon jetzt entspricht das Krankenhaus nicht 
haus große Schwierigkeiten haben und faktisch da­ mehr den Anforderungen, die unsere Bevölkerung 
rauf hinauskommen, daß wir ein Rekonvaleszenten­ an es stellt. D as liegt nicht bloß an der stetigen 
haus fern von Charlottenburg errichten, ein P lan, Zunahm e unserer Bevölkerung, sondern daran, 
der ja allerdings auch schon bei der Anleihe, wie daß die Krankenhausfurcht mehr und mehr ab­
S ie sich erinnern werden, einmal in Aussicht ge­ nim m t und eine größere Hospitalisierung der er­
nom m en war, aber doch noch sehr sorgfältiger, krankten Bevölkerung stattfindet, etwas, was m an 
vielseitiger P rüfung bedarf. D a ist es ein glücklicher im Interesse der allgemeinen Gesundheitspflege 
Gedanke des Dirigenten unseres Krankenhauses, nur m it Freude begrüßen kann. Es war einmal 
des Herrn Professor Dr Bessel-Hagen, gewesen, vor Ja h re n  angeregt worden, auf dem jetzigen 
statt der Errichtung neuer vollwertiger Pavillons T errain  unseres Krankenhauses auch das Kranken­
auf dem gegenwärtigen T errain  des Kranken­ haus für Geburtshilfe unterzubringen. M an ist 
hauses Westend zwei Pavillons für Leichtkranke, aber dam als davon zurückgekommen — ich erwähne 
für F rauen und M änner, mit je 60 B etten  vorzu­ das ausdrücklich, weil es auf die spätere Vorlage 
schlagen, Pavillons, die indessen im Notfälle sogar die uns heute noch zu beschäftigen hat, ein Licht 
eine Belegung mit je 75 Betten gestatten, so daß wirft — , weil m an doch vom Standpunkt einer
also in den beiden Pavillons in Sum m a Platz voraussehendenKrankenhauspolitikdieErweiterungs- 
für 150 Kranke geschaffen würde. Es handelt sich fähigkeit für andere Kranke auf dem Krankenhaus 
dabei um Kranke, die zwar noch der Krankenhaus- Westend aufrecht erhalten m ußte. M it den beiden 
behandlung und Aufsicht bedürfen, die noch nicht heute vorliegenden Projekten wird voraussichtlich 
aus dem Bereiche des Krankenhauses entlassen für sehr lange Zeit unser Krankenhausbedarf 
werden können, aber doch einer weniger häufigen gedeckt sein.
und intensiven ärztlichen Beobachtung und B e­ Ich empfehle Ih n e n  die wirklich gleich ge­
einflussung bedürfen. Diese Pavillons werden winnende Vorlage, die eine sorgfältige Vorberatung 
viel billiger erbaut werden können als die bis­ in der Krankenhausdeputation und sicherlich auch 
herigen Norm alpavillons; sie bedürfen einer großen in der D eputation für Hochbau gefunden hat, 
Reihe von Einrichtungen n i c h t ,  die sonst heutzutage und die kaum irgendeine Angriffsfläche bietet, 
bei Krankenhäusern erforderlich find: Desinfektions­ ohne weiteres zur Annahme, natürlich vorbehaltlich, 
apparate, Verbandzimmer, Untersuchungszimmer wie ja schon in dem M agistratsantrage gesagt ist, 
usw.; sie bedürfen auch nicht — wenigstens nicht eines endgültigen B auentw urfs und besonderen 
in dem vollen Umfange — der Einrichtungen Kostenanschlags. Die Erweiterung der D am pf­
für Arztewohnungen, für Schwestern- und W ärter­ kesselanlage, die auf dem Grundstück bei Gelegenheit 
wohnungen, sie können in einem einfacheren dieser Pavillonbauten vorzusehen ist, ergibt sich 
Krankenhausstile errichtet werden, quasi als Wohn­ aus wirtschaftlich-organisatorischen G ründen ganz 
häuser, nur mit einer größeren Zufuhr von Licht von selbst. Ich empfehle also die Annahme der 
und Luft versehen und mit größerer B ew egungs­ Magistratsvorlage.
möglichkeit für die Kranken ausgestattet, w as m an 
durch größere Tagesräum e erzielen kann. Die (Die B eratung wird geschlossen. Die Versamm­
Herstellung dieser Häuser wird dadurch wesentlich lung beschließt entsprechend dem Vorschlage des 
billiger sein können, aber auch der B e t r i e b  Berichterstatters nach dem Antrage des M agistrats, 
wird sich erheblich verbilligen, so daß, wie S ie  aus wie folgt:
der Vorlage ersehen haben, selbst wenn m an die Dem  B au von 2 Häusern für Leichtkranke 
bisherigen 590 Kranken noch hinzurechnet, sich auf dem Krankenhausgrundstück in  Westend 
pro Kopf und Tag statt des bisherigen Bedarfs nach dem Vorentwurf vom 22. November 
von 4,53 M  nur ein solcher von 4,19 M  ergeben 1909 und der Erweiterung der auf diesem 
wird, was bei der Belegziffer des Krankenhauses Grundstück vorhandenen Dampfkesselanlage 
eine relativ große Ersparnis bedeutet. I m  übrigen wird vorbehaltlich der Vorlage eines end­
werden selbstverständlich trotz der billigeren Her­ gültigen B auentw urfs und des Kostenan­
stellung diese Pavillons a l l e n  A n f o r d e r u n ­ schlags zugestimmt.)
g e n  der modernen Krankenhauspflege und -Hy­
giene i n  v o l l e m  M a ß e  entsprechen; es wird Vorsteher Kaufmann: Punkt 11 der Tages­
nicht das Geringste an ihnen anders gebaut werden, ordnung :
als nach den Bestimmungen geboten ist, und sie 
werden deshalb auch jederzeit bequem für die Vorlage betr. Bau eines Krankenhauses für 
Belegung m it S  ch w e r k r a n k e n aptiert werden Geburtshilfe. — Drucksache 102.
        
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