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Periodical volume 13. April 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

1 7 6  Sitzung vom 13. April 1910
Vorlage gemacht wird, wonach wir diesen Leuten ; stehenden Ein- und Zweizimmerwohnungen im 
500 000 M zu 3 */2% und 9/ ln des Wertes Gelder Laufe der J a h re  — hören S ie  bloß, meine H erren! 
aus der Sparkasse gewähren sollen. — von 1,25 auf 3,6, auf 4,40 und 5,56% gestiegen 
(Zuruf.) ist und daß wir jetzt im Durchschnitt aller Wohnungen 
Der Magistrat schreibt in seiner Vorlage auf 4,72% angekommen sind? —  daß wir von 
weiter — darauf muß ich noch zurückkommen — , allen Großstädten Deutschlands augenblicklich an 
nachdem er vorweg bemerkt, daß ein Bedürfnis dritter Stelle stehen? Is t  es denn möglich, daß 
dafür vorhanden ist, die 400 städtischen Beamten I unter solchen Umständen uns eine Vorlage zur 
und Arbeiter der Gasanstalt I I  unterzubringen, Unterstützung einer Baugenossenschaft gemacht w ird ! 
folgendes: I n  Groß-Berlin stehen ca. 40 000 Wohnungen 
Ein sprechendes Beispiel für das Vorhanden­ leer, von denen 21 339 Ein- und Zweizimmer­
sein eines solchen Bedürfnisses sind die wohnungen sind. I n  Wilmersdorf stehen 2110 
Wohnungsverhältnisse der Arbeiter unserer Wohnungen leer. Ich habe hier die Statistik von 
Gasanstalt II .  Diese Arbeiter können in der 25 Großstädten. I n  sämtlichen 25 Großstädten 
Nähe ihrer Arbeitsstätte bis jetzt keine Woh­ ist durch eine richtige gesunde Kommunalpolitik 
nungen finden, weil man erst anfängt, die dafür gesorgt worden, daß die Zahl der leer­
Gegend zu erschließen. Es werden auch noch stehenden Wohnungen von J a h r  zu J a h r  zurück­
J a h r  und Tag vergehen, bis in unmittelbarer gegangen ist. Bei uns und in noch einer S tad t  — 
Nähe der Gasanstalt I I  gute W ohnungen! Altona — ist die Zahl der leerstehenden Wohnungen 
zu haben sein werden. Diese Arbeiter sind I gestiegen, in sämtlichen andern S tädten ist sie 
also, zumal in der unwirtlichen Jahreszeit, gefallen, z. B. in Dresden, obgleich wir ja wissen, 
bei der Art ihrer Beschäftigung auf dem daß dort seinerzeit furchtbar gebaut worden ist 
Wege von der Arbeitsstelle nach der entfernten und eine Überproduktion an Wohnungen vorhanden 
Wohnung erheblichen gesundheitlichen Ge­ war. M an hat durch eine einhaltende Kommunal­
fahren ausgesetzt. politik dafür gesorgt, daß der Baumarkt in ge­
Ich habe mir die Gegend der Gasanstalt I I  an wissem S inne  eingeschränkt wurde. 1905 sind dort 
gesehen. Hunderte von Wohnungen sind da zu 9135 Wohnungen leer gewesen, 1906: 7848, 1907: 
finden. I n  der Tauroggener Straße, Mündener 5179 und 1909: 2658. Der Prozentsatz derleerstehenden Wohnungen ist in Dresden von 7,8 
Straße, Osnabrücker S traße steht eine Unmenge auf 1,92 heruntergegangen. Wenn wir erst soweit 
Wohnungen leer. Es ist mir in der Fraktion, sind, habe ich auch nichts dagegen, der B au­
wo ich selbstverständlich die Sache vorgebracht 
habe, gesagt worden: Nennen S ie uns doch einige genossenschaft Baugelder auf Kredit zu geben. 
Wohnungen speziell in der dortigen Gegend. I n  Berlin ist der Prozentsatz allerdings gestiegen, 
Ich bin stundenlang herumgewandert und habe das gebe ich zu; gefallen ist er aber in Breslau, in Düsseldorf ganz kolossal, gefallen ist er auch 
mir das Material zusammengestellt. M it trauriger in Frankfurt a. M., in Cassel usiv. — ich will ■ 
Miene habe ich feststellen müssen, daß diese armen Ih n e n  nicht das alles vorlesen.
Leute — anders kann ich mich nicht ausdrücken — Nun komme ich noch zu einem andern Punkt. 
die ungeheuern Hausabgaben zahlen müssen, was 
sa nicht zu ändern ist, trotzdem sic die W ohnungen; Nebenbei bemerkt ist die Statistik der leerstehenden 
leer haben. Da sagt nun der Magistrat, daß es Wohnungen im November aufgenommen worden. j  Wir müssen uns doch sagen, daß, wenn jetzt eine 
keine Wohnungen in der Gegend gibt. Hat der i Enquete gemacht würde, ein erheblich höherer 
Magistrat keine Fühlung mit dieser Gegend, die Prozentsatz herauskommen würde. Denn im vorigen 
jetzt ganz neu bebaut worden ist, weiß er denn nicht, Jah re  sind 200 Neubauten entstanden. Diese 
daß dort Wohnungen von 2 und 3 Zimmern leer 200 Neubauten haben trotz der vorhandenen leer­
stehen? Ich verstehe eine solche Begründung stehenden Wohnungen 4435 neue Wohnungen 
nicht. Ich möchte wirklich wissen, wer diese Vorlage dazu geschaffen, und unter diesen 4435 Wohnungen 
gefertigt hat. sind wieder 1949 Ein- und Zweizimmerwohnungen 
Meine Herren, ich komme nun zu der Frage, gewesen. Bedenken Sie, meine Herren, ein 
ob ein Bedürfnis vorliegt und ob es überhaupt solches Übermaß von kleinen Wohnungen ist 
zweckmäßig ist, weitere Wohnungen bauen zu geschaffen worden! Sie werden sagen: ja, jetzt 
lassen, ob die Genossenschaft in Schwierigkeiten wird überhaupt nicht mehr gebaut, jetzt ist der B au­
sich befindet, daß man sie unterstützen muß. Das markt eingeschränkt. Ich habe mich darüber 
ist gar nicht der Fall. Die Leute schreiben in ihrem orientiert. Ich  bin auf der Baupolizei gewesen, 
Geschäftsbericht folgendes: habe dort die Bausachen eingesehen. Es ist jetzt 
Erwähnt sei noch, daß uns von einem der wieder eine Erhöhung für das erste Vierteljahr 
bedeutendsten Berliner Bankinstitute ein sehr eingetreten, und zwar sind ganz ausnehmend 
großer Kredit zu günstigsten Bedingungen große Mietskasernen dabei. Wir werden also 
eingeräumt worden ist, von dem wir aber bei der übernächsten Enquete, die wohl dann erst 
bisher noch nicht Gebrauch gemacht haben. 1911 in Frage käme, wieder mit einer erhöhten 
Trotzdem kommen sie zum Magistrat und bitten Zahl von leerstehenden Wohnungen rechnen müssen.
um ein Darlehen von 500 000 M zu 3 x/ 2% bis zu Aus alledem muß ich zu dem Schlüsse kommen, 
°/10 des W ertes! daß es mir unverständlich ist, daß uns der Magistrat 
Liegt denn wirklich ein Bedürfnis vor? Hat eine derartige Vorlage gemacht hat, die die Ver­
der Magistrat nicht in die statistischen Monats- und treter der Bürgerschaft gutheißen sollen. Der 
Jahresberichte Einsicht genommen, wo festgestellt beste Weg, glaube ich, wäre der, daß der Magistrat 
ist, daß .3862 Wohnungen leer stehen? — worin einfach die Vorlage zurückzieht und daß nicht erst 
weiter festgestellt ist, daß von diesen 1552 Ein- und ein Ausschuß eingesetzt wird. Ich jedenfalls 
Zweizimmerwohnungen und 554 Dreizimmer­ vlädiere für Ablehnung der ganzen Vorlage.
wohnungen sind, daß der Prozentsatz der leer- (Bravo!)
        
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