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Periodical volume 14. März 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

126 Sitzung vom 4. März 1910
Stadtv. Zietsch: Nach der vorzüglichen Be­ essenten nicht zu diesen vermehrten Kosten m it 
gründung der vorliegenden Anträge durch die beiden herangezogen werden sollen.
Herren Borredner kann ich es m ir gestatten, auf Nun liegt eine Resolution des E tatsaus­
die Begründung meines Antrages zu verzichten. schusses vor: im Falle der Erhöhung der Sätze 
für Abonnenten einen billigeren Satz, ebenso 
wie in andern S tädten, einzuführen. Ich 
Stadtrat Dr. G ottstein : Die praktische Seite habe dazu zu bemerken, daß vor fünf Viertel­
der Maßregel ist nicht sehr weitgehend, und ich ver­
hehle mir auch nicht, daß nach den vorausgegan­ jahren die Deputation die Frage der Einführung von Stam m karten erwogen hat. S ie  hat diese 
genen Ausführungen die Annahme des Antrages Frage im gegenwärtigen E tat zurückgestellt, aber 
des M agistrats und der D eputation für Gesund­ beschlossen, falls eine Erhöhung der Preise eintreten 
heitspflege nicht sehr wahrscheinlich ist. D a aber sollte, die Frage der Stam m karten wieder aufzu­
das W ort gefallen ist, die geplante M aßnahme sei 
antisozial, so muß ich die Deputation für Gesund­ nehmen. F ü r den unwahrscheinlichen Fall, daß 
heitspflege dagegen verwahren, daß sie durch irgend­ S ic dem Antrage des M agistrats folgen würden, wären wir daher genötigt, schon in der nächsten 
welche Erwägungen sich bestimmen lassen könnte, Deputationssitzung den Antrag einzubringen, daß 
M aßregeln unhpgienischer oder antisozialer Art zu Stam m karten für etwa 10 Bäder eingeführt wer­
treffen. Unsere Gründe waren ganz anderer Art. den. Ich würde damit den Antrag verbinden, auch 
Bon den drei Kategorien von Bädern, die wir den Schwimmvereinen, bei denen eine andere Ab­
verabreichen, dienen die W annenbäder und die rechnung stattfindet, den alten Satz zu gewähren, 
Brausebäder der ö f f e n t l i c h e n  Gesundheits­ weil hier wirklich ein öffentliches Interesse vorliegt, 
fürsorge; es ist von keiner Seite angeregt worden, während sonst bei der Benutzung der Schwimm­
die Sätze hierfür zu erhöhen. Ein solcher Vorschlag halle meist nur ein privates, gesundheitliches I n te r ­
hätte auch strikte Ablehnung erfahren. Die esse eintritt, bei dem wir nicht verpflichtet sind, die 
Schwimmbäder dagegen dienen zum Teil der ganze Höhe der Steigerung unserer Unkosten 
p r i v a t e n  Gesundheitsfürsorge, und es ist be­ unsererseits aufzubringen.
rechtigt, von den Interessenten dafür einen ange­ Wie S ie auch immer beschließen: für die 
messenen P re is  zu verlangen. N ur soweit die Aus­ regelmäßigen Interessenten der Schwimmhalle 
bildung der Bevölkerung, namentlich der Jugend, wird nichts geändert, und für die anderen ist die 
im Schwimmen in Frage kommt, liegt ein öffent­ Sache nur wenig belangreich, so daß, wie der Be­
liches Interesse vor, dem wir ausreichend Rechnung schluß auch ausfallen wird, wir uns m it ihm ab­
tragen. Bor zwei Jah ren  haben wir an die Jugend finden können.
12 000 Schwimmbäder unentgeltlich verabreicht, im 
vorigen Jah re  17 000, und in diesem Jah re  wird Stadtv. M eyer : Ich teile die Auffassung des 
die Zahl 20 000 überschreiten. D am it ist das er­ Herrn Kollegen Dr Stadthagen, daß, wenn wir von 
reicht, was Herr S tadtverordneter B raune ge­ der Erhöhung der Gebühren absehen, die Resolution 
wünscht hat. überflüssig ist und abgelehnt werden sollte.
Sow eit dagegen die private Gesundheitspflege (Die B eratung wird geschlossen.)
in Frage kommt, die durch die Herstellung des Berichterstatter Stadtv. Dr. Landsberger:
Schwimmbades allein von uns schon unterstützt Die Ausführungen des Herrn S tad tra ts  Gottstein 
wird, so liegt sie nur zum Teil im Interesse der haben klar gelegt, weshalb die Gesundheitspflege­
gesamten Bevölkerung. Wir haben ihr dadurch deputation und auch der Etatsausschuß dazu ge­
Rechnung getragen, daß die S tad t einen Zuschuß kommen sind, Ih n e n  die Erhöhung der Schwimm­
leistet — in welchem Umfange, dafür sind wirt­ badpreise vorzuschlagen. Es ist nicht erw ähnt wor­
schaftliche Verhältnisse maßgebend. Ich will für den der eine Gesichtspunkt, der vielleicht berück­
diese zwei Zahlen anführen: in den Jah ren  1905 sichtigt zu werden verdient, daß nämlich das 
und 1906 betrug der städtische Zuschuß für die Be­
triebskosten abzüglich der einmaligen Ausgaben rund Schwimmbad in der Krummen S traße a n  m a n ­
2500 M,  im nächsten Jah re  6600 Jl. c h e n  S t u n d e n  g e r a d e z u  ü b e r f ü l l t   D as J a h r  1908 i st und wir das Interesse haben, solange wir kein 
war abnorm, weil die Zweigstelle errichtet und die anderes Schwimmbad haben, es nicht übermäßig 
Schwimmhalle repariert wurde: der Zuschuß betrug 
M. voll drängen zu lassen. Deshalb würde eine Er­an 40 000  I m  laufenden Jah re  wird der Z u­ höhung wohl nicht unberechtigt sein. Außerdem 
schuß 15 000 .M betragen. Er hat sich also in drei 
Jah ren  auf das sechsfache erhöht. Er verteilt sich muß m an behaupten, daß in der T at die Schwimm­
eigenartig auf die verschiedenen Kategorien der bäder doch im wesentlichen von der zahlungsfähi­geren Bevölkerungsschicht benutzt werden; neben­
Bäder. Die Selbstkosten für das einzelne Brause­ her gewährt die S tad t, wie S ie  aus dem M unde 
bad betragen 8 bis 11 Pfennig, wir geben es für des Herrn S ta d tra ts  Gottstein gehört haben, mit 
10 P fen n ig ; das W annenbad 12 bis 17 Pfennig, 
wir geben es für 25 Pfennig. Auf ein Schwimm­ großer Opulenz sehr vielen Schülern die Benutzung 
bad, gleichviel, ob für Kinder oder Erwachsene, weil des Schwimmbades ganz ohne Entgelt. Ich  meine 
wir das Bassin im Som m er täglich füllen, kommen also, die Beschlußfassung des Etatsausschusses w ar sachlich nicht ganz unbegründet. Ich  stelle die Be­
mehr als 40 Pfennig Kosten; wir verabreichen es schlußfassung anheim, erwarte aber als logische 
für 10 bzw. 20 Pfennig. I m  vorigen Jah re  haben 
wir also aus den Brausebädern unsere Ausgaben Konsequenz, daß, wenn S ie  die Erhöhung ablehnen 
wieder einbekommen, aus den W annenbädern etwa und das Schwimmbad wieder mit 20 Pfennig nor­
15 000 M eingenommen und zu den Schwimm­ mieren sollten, die Einführung von Stam m karten 
bädern etwa 30 000 M Zuschuß gegeben. Es war, unterbleibt.
da eine wesentliche Erhöhung unserer Ausgaben 
    
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