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Periodical volume 14. März 1910

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1910

1 1 8  Sitzung vom 14 März 1910
Sie sie dem Magistrat zur Berücksichtigung oder als erbauen sind. Es ist nicht nötig, daß wir nur für das 
M aterial überweisen, der M agistrat wird sich durch Grundstück die teure M iete zahlen —  das habe ich 
den In h a lt  dieser P etition  wahrscheinlich nicht von gemeint. Gegenüber dem Herrn Bürgermeister 
seinen Erwägungen drängen lassen, die dahin gehen, sage ich das. Gut, meine Herren, errichten wir 
sehr reiflich zu überlegen, ob und welche Ausgestal­ eine billigere Badeanstalt und daneben die andern 
tung diese Badeanstalt haben muß. Ich  möchte Baulichkeiten!
es m ir deshalb auch versagen — zumal ich erwarte, Ich  will Ih n e n  noch etwas anderes mitteilen, 
daß wir uns über diese Vorlage noch sehr eingehend was ich vor kurzem von dem S tadtverordneten­
werden unterhalten müssen —, heute auf die Aus­ vorsteher von W ilmersdorf gehört habe. D er hatte 
führungen des Herrn S tadtverordneten Jastrow  keine Ahnung, daß seit 9 Jah ren  eine Badeanstalt 
einzugehen. Denn die Frage, was m an unter den bei uns errichtet werden soll, und sagte: Gott, das 
Begriff einer Volksbadeanstalt vereinigen kann, ist ja reizend, daß ich das höre, wir waren eben 
und welchen Charakter gerade die Anstalt in  der dabei, in Wilmersdorf eine Badeanstalt zu bauen. 
Nürnberger S traße tragen muß, ist viel zu schwierig, (Heiterkeit.)
als daß m an sie hier, noch dazu ohne jede Unter­
lage, verhandeln könnte. Ich  möchte nur noch ein­ Stadtv. O tto : Ich  weiß wirklich nicht, ob Herrr 
m al mitteilen, daß das eben gerade das Problem  Kollege S te in  durch seine letzte M itteilung den An­
ist, das gelöst werden soll, und über dessen Lösung trag der Petitionskommission sonderlich gefördert 
sich die zuständigen Instanzen heute leider noch hat.
im m er nicht einig sind. Ich  muß allerdings sagen, daß die Ausführungen 
des Herrn Bürgermeisters mich nach einer Richtung 
Stadtv. W itt : M eine Herren, auch wir sind überrascht haben: es klang aus den W orten des Herrn 
der M einung, daß die P etition  dem M agistrat ledig­ Bürgermeisters heraus, als ob es dem M agistrat 
lich als M aterial überwiesen werden soll, trotzdem materiell ziemlich gleich sei, ob die Stadtverord­
ja die Sache nach den Ausführungen des Herrn netenversammlung eine Petition  als M aterial oder 
Bürgermeisters für die Entschließung des M agi­ zur Berücksichtigung überweise. Nun, die S ta d t­
strats vollständig gleich ist. Aber, meine Herren, verordnetenversammlung verbindet dam it eine ganz 
ich bin nicht der M einung, daß die Frage der E r­ bestimmte Absicht, wenn sie eine gewisse Leiter 
richtung einer Badeanstalt im Westen Charlotten- aufstellt. Wenn sie etwas a l s  M a t e r i a l  
burgs derartig brennend ist. überweist, so wird dam it auf eine Beschlußfassung 
(Z urufe: Osten!) nicht gedrängt, sondern dem M agistrat nu r anheim ­
— Nun, ich bezeichne das als Westen. gegeben, die Sache neben anderem M aterial zu 
(Heiterkeit.) prüfen. Wenn die Stadtverordnetenversam mlung 
Es ist der Westen Berlins. — Jedenfalls ist die Frage eine P etition  z u r  E r w ä g u n g  überweist, so 
nicht so dringend, daß wir schon heute eine derartig liegt darin schon eine bestimmte M ahnung an den 
kostspielige Anlage in dieser Gegend beschließen. M agistrat, recht bald einen Beschluß zu fassen. Und 
Ich  bin vielmehr der M einung, genau so wie Herr wenn die Stadtverordnetenversam mlung die höchste 
Kollege Jastrow , daß uns weit wichtigere Fragen Sprosse der Leiter, die ihr zur Verfügung steht, 
jetzt interessieren müssen. Wo eine Badeanstalt betritt, und sagt: sie überweist dem M agistrat eine 
zu errichten wäre, das ist in dem S tad tte il jenseits Petition  z u r  B e r ü c k s i c h t i g u n g ,  so liegt 
der Spree. Dieser S tad tteil muß bei jeder Ge­ darin der dringende Wunsch ausgesprochen, daß 
legenheit hier in  Erinnerung gebracht werden. der M agistrat möglichst bald zu der Frage, die in 
Niemals kommt der Magistrat m it Vorlagen für der P etition  berührt ist, S tellung nehme.
diesen S tadtteil. Ich  möchte daher dringend er­ (S ehr richtig!)
suchen, daß m an, wenn m an schon an die Errichtung Wir wollen nicht, daß der M agistrat sich aus wohl­
einer Badeanstalt herantritt, besonders diesen S tad t­ erwogenen Erwägungen, wie der Herr B ürger­
teil im Auge behalten möge. meister sagt, herausdrängen läß t; aber der Magistrat 
kann sehr wohl e i n e  F rage schneller in  Arbeit 
Stadtv. S te in : M eine Herren, gerade weil nehmen als eine andere.
wir 9 Jah re  darauf warten, möchte ich doch bitten, Und nun befürchte ich nicht, was Herr Kollege 
daß wir nicht noch länger warten müssen, vielleicht Jastrow  befürchtet, daß wir uns, wenn wir diese 
noch 9 Jah re . Es ist gesagt worden: es fehlt da Petition  nach dem Antrage des Petitionsausschusses 
eine Badeanstalt; das wird von verschiedenen Herren zur Berücksichtigung überweisen, dam it in irgend­
bestritten. Ich  möchte die Herren bitten, sich in den einer Weise festlegen. Wer den In h a lt  der Petition  
Häusern da umzusehen; es gibt im Osten eine ganze gelesen hat — von dem Jn h q lt ist bis jetzt noch recht 
Reihe von Häusern, in denen keine Badeeinrichtung wenig die Rede gewesen — ,
ist. F ü r die Bewohner dieser altmodischen Häuser (S tad tv . Holz: S eh r richtig!) 
ist es dringend nötig, daß dort eine Badeanstalt der wird zugeben, daß m an die Beschlußfassung, 
errichtet wird. die Petition  zur Berücksichtigung zu überweisen, 
(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die fahren ja nach zwei Richtungen auslegen kann.
nach der Ostsee!) Einmal liegt darin im S inne der P etenten 
Es ist ja möglich, daß S ie  es nicht für so nötig die B itte ausgesprochen, daß der M agistrat nun 
halten; es ist ja m it dem Baden eine eigne Sache. endlich einmal zu einer Entscheidung kommen möge, 
Der Osten ist nicht zu beneiden. Wir sind dort, m itten (sehr richtig!) 
zwischen Sanatorien , von dieser Nachbarschaft nicht und diese B itte ist ihm so eindringlich von allen 
beglückt und sehen besonders die Rote-Kreuz-W agen Seiten  dieser Versammlung unterbreitet worden, 
und die Leichenwagen vorbeifahren. M eine Herren, daß ich glaube, daß dieses einmütige Verlangen der 
es ist ja nicht nötig, daß die Badeanstalt kolossal Stadtverordnetenversam m lung auf den Magistrat 
groß wird, und ich habe deshalb darauf hingewiesen, nicht ohne Eindruck bleiben wird.
daß auch noch andere Anstalten im Nordosten zu (S tad tv . S te in : Hoffentlich!)
        
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