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Periodical volume 22. Dezember 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

sitzung vom 22. Dezember 1909 595
unzuverlässig und geistesschwach hingestellt, I n tungen  des Züchtigungsrechtes in der W aisen­
anbeten , ebenfalls belastenden F ä llen  hat m an anstalt festgestellt w orden sind. Unserer Ansicht 
auch die Zeugen als wenig zuverlässig bezeichnet, nach ist das aber der F a ll gewesen. H err Kollege 
w ährend H err I)r Nöthig in seinem R eferat, als Dr. Borchardt hat davon gesprochen. Auch ich konnte 
es sich um  den F a ll H clfgott handelte, die drei es m ir dadurch erklären, daß diese M ißhandlungen, 
M ädchen als das N o np lusu ltra  der Zuverlässigkeitin diese Überschreitungen des Züchtigungsrechtes durch 
Zeugenaussagen hinstellte. I n  F a ll V ist festgestellt die allgem eine Überlastung des W aiscnhausvaters 
w orden, daß wohl die Knaben m it der D rahtzange hervorgerufen w orden sind. Es w ar ja recht 
in die O hren gezwickt w orden sind, daß sie aber bezeichnend, daß H err Dr. Frentzel in der vor­
weder Schaden noch Schmerzen davon gehabt haben. letzten Sitzung auch gesagt h a t: W enn m an  40 
D as haben natürlich die Knaben ausgesagt, und K inder zu beaufsichtigen hat, m uß m an ein strenges 
in diesem Falle  glaubte es auch der Ausschuß. R egim ent führen. Selbstverständlich, w enn m an 
Es liegt m ir fern, auf die einzelnen Fälle  40 Kinder n e b e n b e i  zu beaufsichtigen und 
w eiter einzugehen. W orauf ich noch zurückkommen zu erziehen hat, dann wird es, glaube ich, m it 
will, das ist der eine F a ll, von dem auch H err Kollege guten W orten allein  nicht im m er abgehen, sondern 
B orchardt gesprochen hat, daß nämlich die Schika- m an wird auch sehr leicht einm al ausrutschen. 
n ierung  der K inder und die von uns angeführten D as  ist menschlich durchaus erklärlich. Eben weil 
F älle  auch fü r die B egründung unseres A ntrags aber solch strenges R egim ent über 40 Kinder bei 
vom Ausschüsse als belanglos bezeichnet w orden einer Nebenbeschäftigung gar zu leicht dazu führen 
sind. Es ist ungem ein  kennzeichnend, daß auch in kann, desw egen haben sich m eine F reunde auf den 
diesem F alle  der Ausschuß die V ernehm ung der S tandpunk t gestellt, daß dieser Zustand nicht auf­
M u tte r  abgelehnt hat, weil es sich in diesem Falle rechterhalten bleiben kann. Ich  glaubte m it F ug  
um  eine ganz „unerhebliche" Sache handele, und Recht annehm en zu dürfen, daß manche von 
durch die gar keine V erfehlung des W aisenhaus­ den H erren in  der V ersam m lung, die gegen uns 
vaters festgestellt w erden könnte. D em gegenüber sind, den zw eiten T eil unseres A ntrages u n te r­
ist zu bemerken, daß m an  überhaup t die M u tte r stützen w ürden und vielleicht auch dafür einge­
nicht hören w ollte, auch vom M agistrat nicht, daß tre ten  sein w ürden, w enn w ir ihn nicht in  V er­
m an die M u tte r  nicht gehört hat, daß m an sie bindung m it dem ersten T eil gebracht h ä tten .
gar nicht kennt und doch hier in der vorletzten S ie  stellten sich aber n u n  im  Ausschuß auf den 
Sitzung gegen die M u tte r äußerst weitgehende S tandpunkt und werden das sicherlich auch hier tu n : 
A ngriffe gerichtet hat. Ich  komme auf die Rede w ir dürfen  schon desw egen nicht dem  zw eiten T eil 
zurück, die H err S ta d tra t  S a m te r  gehalten hat. des A ntrages stattgeben, weil das eine Konzession 
E r sagte in  seinen A u sfüh rungen : an die Antragsteller in Bezug auf den ersten T eil 
Vielleicht ha t ihn auch seine M u tte r be­ sein w ürde.
einflußt und ihn so auf den Gedanken ge­ (Z u ru f : Selbstverständlich!)
bracht, diese Mordsgeschichte zu erzählen. D as  ist noch erheblich deutlicher im  Ausschuß 
Ich  habe mich auch an H errn Dr. Rosenthal ge­ ausgesprochen w orden, ich glaube,seitens des H errn 
w andt und habe die Auskunft erhalten, daß der M agistratsvertre ters. M an  hat gesagt: w enn jetzt 
Ju n g e  wegen einer S chnittw unde nichtvonihm  auf G rund dieser theoretischen E rw ägungen  der 
behandelt w orden ist. M eine H erren, w enn jetzige W aisenhausvater seines A m tes enthoben 
S ie  einen noch schlüssigeren B ew eis dafür, w ürde, w ürde m an in der Öffentlichkeit das nicht 
daß diese Sache offenbar von dem geistes­ auf diese theoretische B egründung zurückführen, 
schwachen Ju n g e n , durch Suggestion, viel­ sondern es m it den A ngriffen in V erbindung 
leicht von seiten der M utter, ausgedacht bringen, die von der Sozialdem okratie gegen den 
w orden ist, haben wollen —  ich w üßte nicht, M an n  erhoben w orden sind. —  S ie  sagen —  der 
wie ich ihn erbringen sollte. H err Berichterstatter ha t das wenigstens gesagt — , 
D as heißt also, alles das, w as a ls beschwerende durch diesen ganzen V orfall seien dem W aisenhaus­
Umstände in diesem F alle  vorgebracht w orden ist, vater S ym path ieerk lärungen  über S ym path ieer- 
beruhte nach H errn  S ta d tra t  S a m te r  auf der klärungen aus den Kreisen der Bürgerschaft zu­
E inbildungs- und Übertreibungssucht der M u tte r. gegangen. Ich  verstehe I h r e  Absicht dabei nicht: 
D a s  w urde hier von der S te lle  aus behauptet, Auf der einen S e ite  stellen S ie  sich hin und klagen 
die nachweislich zugegeben hat, daß die F ra u  gar u n s an, die ersten P reßveröffentlichungen über den 
nicht gehört w orden ist. N un, S ie  regen sich doch F a ll vorgenom m en zu haben —  das ist nicht heute 
so darüber auf, daß der W aisenhausvater Richter geschehen, das ist so zwischen den Reden der vor­
von uns angegriffen w orden ist, ohne daß w ir letzten Sitzung hindurch gesagt w orden. W eil 
ihn gehört haben. D aß aber eine F rau , die zu der w ir keinen S ensationsfall au s dem A ntrage 
Z eit, wo die V erhandlungen  hier gepflogen w urden, machen wollten, ist unsererseits nicht eine Zeile 
schwerkrank im  Krankenhause lag, so angegriffen darüber vorher in  die Öffentlichkeit gekommen, 
w orden ist und keine Möglichkeit der Rechtfertigung ehe die Sache hier zur V erhandlung kam. W ährend 
und V erteidigung hatte , scheint S ie  nicht w eiter S ie  auf der einen S e ite  sagen: durch unseren A ntrag 
aufzuregen. Auch die F ra u  M aaß  hat als M utte r ist dem M ann  so und so viel Unrecht geschehen, er 
S eelenqualen  erlitten , w ährend sie krank darnieder ist geschädigt in jeder möglichen B eziehung — , 
lag und ihre K inder im  W aisenhause w aren und sagen S ie  jetzt w ieder: N ein, im  G egenteil,
ihrer Auffassung nach nicht so behandelt w urden, Sym path ieerk lärungen  sind dem W aisenhausvater 
wie es den K indern zukam. D arüber scheinen S ie  in reichem M aße zugegangen. N un, beruhigen 
sich auch keiner A ufregung hinzugeben. Es ist ja S ie  sich, auch u n s sind Sym path ieerk lärungen  
erklärlich, daß S ie  nicht zu der Auffassung ge­ zugegangen,
kommen sind und nicht dazu kommen konnten, (sehr rich tig ! bei den Sozialdem okraten) 
I h r e r  ganzen bisherigen Anschauung nach, daß auch bei uns sind verschiedene Schreiben einge­
irgendwelche M ißhandlungen oder Überschreit lau fen , in denen ns bestätigt w ird, daß die B e ­
        
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