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Periodical volume 10. Februar 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

lung von Schöneberg gestellt worden. I n  Schöne­ die neue Zählung das alte Meldesystem beizu­
berg hat die Stadtverordnetenversammlung diesen behalten. Daß wegen einer bessern Vergleichbarkeit 
Antrag angenommen. Soviel ich weist, hat in der der Ergebnisse bei den Zählungen dem Meldesystem 
Diskussion auch der Herr Oberbürgermeister von vor dem von denGewerkschaften vorgeschlagenen der 
Schöneberg sich für diesen Antrag meiner Freunde Vorzug zu geben ist, dürfte wohl kaum zu leugnen 
ausgesprochen, so daß anzunehmen ist, daß auch der sein.
Magistrat von Schöneberg diesem Antrage beitritt, Wenn Herr Stadtv. De Borchardt uns noch 
und wir also auch in Schöneberg eine Gemeinde mitgeteilt hat, daß event. Schöneberg sich mit der 
haben, welche für diese Zählung den Gewerkschaften Zählung der Gewerkschaften einverstanden erklärt 
städtische M ittel zur Verfügung stellt. Sie sehen hat, so kann das für uns nicht maßgebend sein. 
also, Sie würden damit ebenfalls nicht allein stehen. Für uns handelt es sich nicht bloß um eine Zählung, 
Alle diese Gründe zeigen Ihnen, daß die sondern um die Institution der Arbeitslosen­
event. Einwände nicht kräftig genug sein können, zählungen. Das ist für mich sicher, daß, wenn zwei 
um gegen den Antrag zu stimmen. Ich bitte Sie Zählungen in unmittelbarer Nähe vorgenommen 
daher: nehmen Sie den Antrag an. werden, beide sich gegenseitig schädigen. Deshalb 
glaube ich nicht, daß es im Interesse der Stadt liegt, 
Stobt». Dr. Rothholz: Meine Herren, Herr- wenn wir nach dem sozialdemokratischen Antrage 
Kollege Dr. Borchardt hat mit Recht angenommen, den Gewerkschaften die 550 M bewilligen; vielmehr 
daß der von Herrn Zietsch und seinen Kollegen beantrage ich im Aufträge meiner Fraktion, den 
gestellte Antrag nicht widerspruchslos Zustimmung Antrag abzulehnen.
finden wird. Hier kommt hauptsächlich in Frage, 
ob der Magistrat als solcher bzw. die Kommune Stadt». Zietsch: Es nimmt mich ja nicht 
Berlin und die Vororte die Zählung unternehmen, wunder, daß Herr Kollege Rothholz in erster Linie 
oder ob es Privatgenossenschaften überlassen bleiben deswegen unsern Antrag ablehnen will, weil 
soll, die Zählung durchzuführen. Das ist der Kern­ dieser event, eine Unterstützung der Gewerkschaften 
punkt der Frage. Sie werden mir recht geben, meine in sich schließt. Herr Kollege De Rothholz hat, wie 
Herren, daß der Magistrat von Charlottenburg sich viele seiner politischen Freunde, ein gewisses Vor­
der Notwendigkeit, Arbeitslosenzählungen vorzu­ urteil gegen die Gewerkschaften, und er hat das 
nehmen, nicht verschlossen hat; er w ill aber die insofern hier dadurch bekundet, als er sagte, daß 
Arbeitslosenzählungen nicht bloß vornehmen die von den Gewerkschaften vorgenommene Zählung 
lassen beim Vorliegen krisenhafter Zeiten, sondern der Stadt nicht die Möglichkeit der Kontrolle gebe, 
diese Zählungen als ständige Einrichtungen ein­ daß vielleicht die Zählung der Gewerkschaften nicht 
führen. Beschreiten wir aber den Weg, den Herr so zuverlässig sei wie eine von der Stadt vor­
Kollege Dr Borchardt vorgeschlagen hat, dann genommene. — Herr Kollege De Rothholz wider­
werden wir wieder dahin kommen, daß die Zäh­ spricht mir. Wenn ich mich in meiner Auffassung 
lungen je nach Befinden der Gewerkschaften vor­ über die Ausführungen des Herrn Kollegen De Roth­
genommen werden oder unterbleiben. Sie haben holz geirrt habe, so sollte es mich freuen. — Herr 
es alle hier in der Stadtverordnetenversammlung Kollege Rothholz hätte auch gar nicht zu dieser 
mit Freuden begrüßt, daß es endlich gelungen ist, Auffassung kommen können, wenn er gewußt 
ein Zusammengehen Berlins und der Vororte hätte — was er doch wissen konnte —, daß mit 
für die Arbeitslosenzählungen zu erzielen. Offiziell Hilfe der Gewerkschaften schon früher in Char­
haben wir keine Kenntnis davon bekommen, meine lottenburg Zählungen von Haus zu Haus vor­
Herren, daß wegen der privaten Zählung der genommen worden sind. Die Zuverlässigkeit der 
Gewerkschaften die Stadt Berlin bzw. Charlotten­ Gewerkschaften ist in dieser Beziehung ohne weiteres 
burg und die andern Vororte die amtliche Zählung anerkannt worden Selbst innerhalb des Charlotten­
am 17. Februar nicht werden vornehmen lassen. burger Magistrats befindet sich bestimmt ein Herr, 
Ich glaube kaum, daß Charlottenburg von dem der die Korrektheit der Zählungen durch die Ge­
Standpunkt abgehen wird, seine Zählung am werkschaft, den Fleiß und die Gewissenhaftigkeit 
17. Februar vorzunehmen, denn damit würde das der letzteren bei diesen Arbeiten anerkannt hat.
Übereinkommen zwischen Berlin und den Vororten Herr Kollege De Rothholz irrt auch darin, 
gebrochen sein. wenn er meint, daß dadurch, daß sich die Stadt auf 
Herr Kollege De Borchardt hat angeführt, Die Arbeitslosenzählung der Gewerkschaften ver­
daß das Meldesystem zu vielen Irrtümern Ver­ läßt, von dem Wege der systematischen Arbeits- 
anlassung gegeben habe. osenzählung, also der periodisch vorzunehmenden 
(Stadtv. De Borchardt: Das habe ich nicht!) Zählung abgegangen werden könnte, weil die Vor­
— Jedenfalls wies er darauf hin, daß die Stadt­ nahme der Arbeitslosenzählungen dann mehr oder 
verordnetenversammlung einen Beschluß gefaßt weniger in den guten Willen der Gewerkschaften 
habe, die sogenannte hausierende Zählung vor­ gestellt sein würde. Herr Kollege Rothholz 
nehmen zu lassen. Meine Herren, dieser Beschluß unterschätzt da zweifellos den Ernst der Gewerk­
kam in der ersten Versammlung zustande. Ich schaften den Arbeitslosenzählungen gegen­
glaube, wenn damals der Magistrat zu Worte über. Die Gewerkschaften würden sich schwer 
gekommen und außerdem der Antrag hier dis­ hüten und sich auch dagegen verwahren, 
kutiert worden wäre — daß das nicht geschehen ist, in den Verruf zu kommen, mit den Arbeitslosen­
hat ja auch die sozialdemokratische Partei moniert —, zählungen irgendwelches parteipolitische oder 
dann wäre es nicht zu einer Annahme des Antrags sonstige — wie soll ich sagen? — Prinzipienspiel 
Hirsch gekommen, zumal wir die Stellungnahme treiben zu wollen. Die Gewerkschaften würden 
Berlins nicht kannten. Das ist doch nicht angängig, auch dann an den Arbeitslosenzählungen teil­
daß wir uns nun, nachdem wir Vereinbarungen nehmen, wenn dieselben erst einmal periodisch vor­
mit Berlin über den Zählungsmodus getroffen genommen werden, wenn dieselben auch nicht 
haben, absondern, weil Berlin beschlossen hat, für nach dem von ihnen gewünschten Modus stattfinden
        
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