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Periodical volume 22. Dezember 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

5 7 6  Sitzung vom 22 . Dezember 1909
stoßen würde. M itte ilungen  des Herrn M agistra ts­ gelassen, daß m an  vielleicht m it  der Möglichkeit 
vertreters in  dieser Richtung haben die Zweifel rechnen müßte, daß dieses oder jenes Kind das Ziel 
darüber beseitigt. nicht voll erreicht, weil eben die Sektionen in 
Die F rage  der Frequenz der Waldschule, welche, der Waldschule ganz wesentlich kürzer sind 
w enn ich so sagen darf, das Rückgrat der Angelegen­ als in  der Stadtschule. D er  Tatsache, daß der 
heit bildet, wurde im Ausschusse eingehend erörtert. Lehrer in  der Waldschule Gelegenheit hat, sich den 
Nach der Vorlage entstehen der S ta d t  dann  keine ganzen Tag  m it seinen Zöglingen so quasi priva tim  
Kosten, w enn 120 Kinder in  die Schule eingeschult lehrend zu beschäftigen, m uß  wohl unbedingt 
w erden: sind es weniger, dann  kostet die U nter­ Rechnung getragen werden, und dies wird die 
haltung der Schule mehr. N u n  w ar die Frage, Kürze der Lektionen bis zu einem gewissen Grade 
w as in dem Falle  geschehen soll, w enn die voll wieder ausgleichen. Im m e rh in  glaubte m an  im 
eingerichtete Schule nicht den genügenden Besuch Ausschuß, daß es ivohl auch kein so fürchterliches 
erhält, u m  sich aus  ihren eigenen M itte ln  un te r ­ Unglück wäre, wenn nun  einmal bei diesem oder 
halten zu können. D er Gedanke, daß m an  dann  die jenem Kinde das eigentliche Schulziel nicht voll 
Eltern der gemeldeten Kinder zu einem höheren erreicht w ürde: das Ziel der k ö r p e r l i c h e n  Ge­
Betrage heranziehen solle, wurde vom Ausschusse sundung, das  doch die Waldschule in  erster Reihe 
nicht gutgeheißen, sondern der Antrag, den ich I h n e n  anstrebt, dürfte zweifellos zu erreichen sein.
im N am en  des Ausschusses zu un terbre iten  haben Eine weitere Schwierigkeit im  Lehrplan war 
werde, lautet, daß ein fester Beitrag  für die Teil­ die Möglichkeit, für die verhältnismäßig geringe 
nahme an  der Waldschule erhoben werden soll. N un  Anzahl Latein lernender J u n g e n  die nötigen E in ­
kann es ja geschehen, daß sich doch nicht genügend richtungen zu treffen. Es wurde daraus hinge­
Kinder melden, u m  den E ta t  zu ba lanc ie ren ; dann  wiesen, daß geradezu unübersteigliche Schwierig­
m u ß  d i e  S t a d t  e i n e n  Z u s c h u ß  zu den keiten sich dem Versuche entgegenstellen, auch 
Kosten der Waldschule leisten. Ich  halte es für Q u a r tan e rn  humanistischer Anstalten und des R eal­
richtig, auf diese Möglichkeit —  diese Gefahr, wenn gym nasium s dort Aufnahme zu gewähren. D es­
ich so sagen darf —  hinzuweisen, u m  gleichzeitig die halb wird der Ausschuß I h n e n  vorschlagen, die T eil­
Befürchtungen zu zerstreuen, die für ihr E intreten  nahme der Lateinschüler auf S ex ta  und Q u in ta  der 
vorliegen. in F rage  kommenden Anstalten zu beschränken. 
Aus den bisherigen Ziffern der Anmeldungen B ew ährt  sich der Unterricht in  dieser Schule, zeigt es 
zur Waldschule einen Schluß auf die definitive sich, daß die Befürchtungen für die Schwierigkeit 
Beteiligung ziehen zu wollen, ist wohl nicht zu­ seiner Durchführung vielleicht übertrieben waren, 
lässig, da selbstverständlich das Interesse der B ü rg er­ dann ist es ja eine Kleinigkeit, im  nächsten J a h r e  
schaft an  einer festen Einrichtung der S ta d t  ein ganz zu verbessern. Es schien dem Ausschuß geratener, 
anderes sein wird als an  einer Vornahm e, die erst das neue Unternehmen nicht m it  zu vielen Schwie­
in  der I d e e  und im  P la n  existiert. Bei der Um­ rigkeiten zu belasten.
frage ha t  m an sich auch nu r  an  die städtischen höheren Eine Frage, welche allgemeine prinzipielle 
Lehranstalten gewendet und das hier in  Charlotten­ Bedeutung hat, w ar  der Wunsch des Magistrats, 
burg bestehende Kgl. Augustagümnasium und die die Berechtigung zu erhalten, 20%  zu den laufenden 
P rivatansta lten  fortgelassen, welche nach dem W ort­ Kosten dadurch beizutragen, daß er 20% zur Ge­
lau t  der Magistratsvorlage, da in  dem W ortlaute währung von Freistellen übern im m t. Wie ich 
der Vorlage n u r  von höheren Lehranstalten im  all­ bereits in m einem  Referat im  P le n u m  vor 14 Tagen  
gemeinen die Rede ist, theoretisch auch berechtigt ausführte, stehen meine Freunde  auf dem S ta n d ­
sind, sich an  dieser Waldschule m it zu beteiligen punkt, daß ganze Freistellen bei einer Bevölkerungs­
und ihre W ohltaten m it zu genießen.—  Hierdurch schicht nicht bewilligt werden sollten, die m an  doch 
dürfte sich die Frequenz wohl erhöhen. Im m e rh in  keineswegs zu den un te ren  Schichten rechnen kann. 
sei nicht verschwiegen, daß in  der F rage  der F re ­ Z u  meiner Befriedigung ist diese unsere Ansicht im 
quenz ein gewisser S p ru n g  ins Dunkle liegt. D en ­ Ausschuß auch von den Vertre tern  der anderen 
noch empfiehlt I h n e n  der Ausschuß, dieser Gefahr Fraktionen geteilt worden. Allerdings hat n u n  der 
ruhig entgegenzusehen, weil das Ziel der W ald­ Herr Stadtschulrat u n s  in bewegten W orten  Fülle 
schule so gut und erstrebenswert ist, daß die Möglich­ geschildert, in denen die Verweigerung der ganzen 
keit, vielleicht im  Laufe des nächsten J a h r e s  ein paar  Freistelle geradezu als eine Grausamkeit zu be­
tausend Mark bewilligen zu müssen, un s  nicht zeichnen wäre, und da es selbstverständlich nicht die 
abhalten darf, den Weg zur Erreichung des Zieles zu Absicht sein kann, ein P r inz ip  aufrecht zu erhalten 
beschreiten. und sich dam it als grausam und herzlos hinzustellen, 
( B r a v o !) so haben wir nach M it te ln  und Wegen gesucht, u m  
D er zweite, sehr wichtige Punkt, welcher einerseits das P r inz ip  der halben Freistellen ganz 
Zweifeln unterliegt, w ar  die Frage , ob auch das unbedingt festzulegen und andererseits doch dem 
Lehrplanziel erreicht werden kann. Die M agistra ts­ Magistrat, ich will mal sagen, eine H in tertür  zu 
vorlage bezieht sich auf die günstigen Erfolge der öffnen, durch die er seinem guten Herzen freien 
Volkswaldschule und exemplifiziert nun, daß nach Lauf lassen kann, w enn der betreffende Fa ll  u n ­
diesen Erfahrungen wohl auch so gute Ergebnisse bedingt die ganze Freistelle erfordert. Verschiedene 
für die höhere Waldschule anzunehmen seien. Vorschläge waren gemacht worden, u m  diese G ru n d ­
N-cht unbedingt hat sich der Ausschuß auf diesen sätze auszudrücken. W ir glaubten aber im  A us­
S tandpunk t gestellt, und von fachmännischer Se ite  schüsse, daß es einer Verklausulierung nicht bedürfte. 
ist daraus hingewiesen worden, daß es ja viel leichter Die Herren M agistra tsvertre ter haben ja auch an ­
sei, das Volksschulziel zu erreichen als das der erkannt, daß die halbe Freistelle die unbedingte 
höheren Schule, auch schon deshalb, weil der Unter­ Regel sein soll, und bloß, u m  nicht vinkuliert zu 
richt bei den aus verschiedenen höheren Lehran­ sein für die besonders krassen Fälle , sollte diese 
stalten zusammengewürfelten Kindern dort sehr Ausnahmemöglichkeit geschaffen werden. D a ru m  
schwierig sein wird. Es wurde kein Zweifel darüber schlägt I h n e n  der Ausschuß folgende Fassung vor:
        
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