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Periodical volume 22. Dezember 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 2! '. Dezember 1909 563
Die Kosten nun, meine Herren, für die Kaiserdamm wie ein Eisbrecher sich vorschieben soll. 
Regulierung der zuvor erwähnten Seite, der M eine Herren, das Eckgrundstück hat eine Breite 
Grundstücke von Friedenthal und Marcuse und Kant, von etwa 25 m. Ich  kann nicht finden, daß das 
betragen 163 000 M ,  dazu kommen noch einzelne eine Breite ist, die man als Baufront zwischen zwei 
Platzregulierungen m it 7000 M ,  so daß die Gesamt­ S traßen  an einem Platze unter allen Umständen 
kosten sich auf ungefähr 170 000 M  belaufen werden. beseitigen muß. Ich gebe zu, wenn man eine vor­
Die Kosten der Regulierung des Werckmeisterschen springende Ecke hat — wir haben ja das bei manchen 
Grundstückes sollen ungefähr 19300 betragen; da­ der Berliner Plätze, wo direkt eine Ecke in einen 
von kann aber dadurch, daß Werckmeister etwas B au­ Platz hineinspringt, eine spitze Ecke oder eine Ecke 
land erwirbt, nach ein Betrag von 7000 M  als ein von wenigen M etern Breite —, dann empfindet 
P lu s  abgerechnet werden, so daß 12 300 M  Kosten man es als ein ästhetisches Bedürfnis, diese Ecke 
dafür entstehen würden. Ich möchte vom Magistrat wegzubringen. Aber eine Breite von etwa 25 m 
aber darüber aufgeklärt werden, ob der Kostenbetrag nun gerade auf 40 m zu verbreitern, um  eine Ab­
m it 163 000 M  und 12 300 M ,  wenn beide Seiten rundung zu gewinnen, dafür brauchen wir von der 
des Platzes ruguliert werden, abgeschlossen ist. Es S tad t aus nicht 163 000 M  usw. auszugeben.
kann nämlich auch sein, daß die Gesamtregulierung „Und so weiter" sagte ich eben. Denn es steht 
immerhin noch etwas mehr kostet, und darüber in der Vorlage: vorläufig soll die Regulierung 
müßten wir wohl eine Aufklärung haben. hierauf beschränkt werden. W as noch weiterkommen 
Ich würde empfehlen, meine Herren, im soll, habe ich nicht ganz aus der Vorlage ersehen. 
Interesse der Sache der Vorlage zuzustimmen. Es werden nachher ein paar Punkte erwähnt, die 
Wir würden sonst jetzt einen Platz m it der Hoch­ nur 19 000 M  kosten würden. Ich weiß nicht, ob 
bauordnung bekommen, wie ich ihn m ir eigentlich dam it alles erledigt sein würde; es kann ja aber sein. 
nicht häßlicher vorstellen kann. Ich bitte, der D ann würde es sich um einen Betrag von 182 000 M  
Vorlage zuzustimmen. etwa handeln. Nun muß man sich doch vergegen­
wärtigen, daß diese Abrundung an einer einzigen 
Stabtb. Dr. S tabthagcn : M eine Herren, eine Stelle des Platzes meines Erachtens aus ästhetischen 
ziemlich umfangreiche Vorlage in gleicher Sache Gründen direkt zu perhorreszieren ist. D enn d i e 
hat uns vor einigen M onaten beschäftigt. S ie  hat b e i d e n  H a u p t s e i t e n  d e s  P l a t z e s  
in den Kreisen meiner Freunde schon damals w e i s e n n i c h t  e i n e  r u n d e G e s t a l t u n g ,  
lebhafte Opposition gefunden. Aus der großen s o n d e r n  e i n e  a b s o l u t  g e r a d e  G e ­
M aus ist ein kleines Mäuschen geworden; aber s t a l t u n g  a u f .  Wollte man aus dem Platz ein 
auch dieses kleine Mäuschen soll uns noch die be­ Oval machen, dann hätte man seinerzeit vor 
scheidene Sum m e von 163 000 M  kosten — nur aus 7Jah ren  bei Gestaltung der Baufluchten eine andere 
gewissen ästhetischen Gründen! Anlage vorsehen sollen. Jetzt haben wir vollkommen 
Dam als ist von dem Herrn Berichterstatter gerade Baufluchtlinien an den beiden langen Seiten 
gesagt worden: des Platzes: die Häuser werden ja auch so gebaut 
Die Tiefbaudeputation hat beschlossen, der werden. An den anderen Ecken haben wir eine 
Vorlage unter der Voraussetzung zuzu­ ähnliche Sachlage. Und nun soll gerade an dieser 
stimmen, daß die Kosten von den Anliegern Stelle, meinetwegen auch noch an der anderen 
getragen werden. D er M agistrat hat sich vor­ S eite des Kaiserdammes, eine kleine Abrundung 
sichtiger ausgedrückt: er werde das möglichste versucht werden. M eine Herren, dazu ist meines 
versuchen, die Kosten auf die Anlieger ab­ Erachtens der Posten von 182 000 M  etwas zu hoch.
zuwälzen. Ich glaube, wir können es der Wir können uns ja im  Ausschuß über die 
Geschicklichkeit unseres Herrn Syndikus über­ einzelnen Fragen unterhalten. Ich möchte aber 
lassen, das zu erreichen. doch meine Bedenken hier schon vorbringen. M ir 
Meine Herren, ich bewundere d i e G e s c h i c k l i c h -  ist auch folgendes bedenklich. Wir bezahlen für die 
k e i t  d e r  B a u i n t e r e s s e n t e n  am Reichs­ Q uadratrute Bauland, das wir erwerben, ungefähr 
kanzlerplatz, denen es gelungen ist, ohne einen 1800 M ,  wir verkaufen das, was wir abgeben, für 
Pfennig zu bezahlen, jetzt erheblich günstigere 1000 M .  Nun wird ja vom M agistrat gesagt: was 
Baubedingungen zu haben als vor einem Jahre . wir verkaufen, können wir nur als Hinterland an­
D i e  B e b a u u n g  d e r  B a u  w i c h e  ist  sehen; denn der Käufer kann das nur so rechnen, 
i h n e n  u m s o n s t  i n  d e n  S c h o ß  g e ­ er hätte ja sonst ein zu tiefes Grundstück, wir können 
f a l l e n ,  d i e  e r h ö h t e  B a u a r t ,  d i e  es nur als Hinterland bezahlt nehmen. Ganz genau 
i h n e n  e r l a u b t ,  e i n  S t o c k w e r k  h ö h e r  so liegt doch die Sache m it dem, was wir kaufen: 
z u b a u e n ,  ist  i h n e n ,  wenn ich recht unter­ der Verkäufer hat natürlich im ganzen mehr gegeben, 
richtet bin — und der Herr Berichterstatter hat ja aber er hat nunm ehr ein etwas weniger tiefes Grund­
ähnliches betont —, e b e n f a l l s  u m s o n s t  i n  stück; er kann es auch nicht in dem M aße als Vorder­
d e n  S c h o ß  g e f a l l e n .  Woran das liegt, land rechnen, sondern nu r als Hinterland. Nun 
werden wir ja eventuell in dem Ausschuß, den ich kommt noch etwas hinzu. Wenn etwa verkehrs­
beantragen werde, näher erfahren. Der Herr technische Rücksichten geltend gemacht werden 
Berichterstatter wünscht ja auch nach dieser Richtung sollen — angedeutet sind sie auch in der M agistrats­
hin Aufklärungen, und ich glaube, die werden sich vorlage — , dann würde die Sache ganz anders 
zunächst im Ausschuß besser geben lassen, und es liegen. D ann würden wir im Wege der E nt­
wird Sache des Berichterstatters sein, eventuell eignung diesen Teil erwerben können, und dann 
bei der zweiten B eratung auf diesen Punkt ein­ würde wohl der P re is  von 1800 M  für einfaches 
zugehen. S traßenland als zu hoch angesehen werden müssen. 
Nun hat aber der Herr Berichterstatter heute Also auch nach der Richtung hin bestehen gewisse 
beantragt trotz seiner Bedenken, doch der Vorlage Bedenken.
zuzustimmen. M eine Herren, w aru m ? Weil dieses Unter meinen Fraktionsgenossen war eine 
Eckgrundstück zwischen der Reichsstraße und dem große Neigung dazu, unsererseits von vornherein
        
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