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Periodical volume 8. Dezember 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

5 5 6  Sitzung vom 8 Dezember 1909
M eine H erren, derartige Anschauungen über B il­ hielt der bei der W ahlhandlung anwesende 
dungsfragen  stehen auf einer Höhe, daß eine M agistratsdiener den E ingang des Wahllokals 
ernsthafte W iderlegung in  dieser V ersam m lung, zeitweise zehn M in u ten  lang geschlossen, 
die gerade allen  B ildungsfragen  gegenüber einen angeblich au s dem G runde, weil das W ahl­
anderen  S tandpunk t e inn im m t, nicht nötig erscheint. lokal überfü llt sei.
Ich  will n u r noch, wie ich das bereits in der Es kommt dann eine lange M otiv ierung, und 
vorigen Sitzung getan  habe, gegenüber dieser am  Ende heißt es:
P e titio n  darauf hinweisen, daß G ott sei Dank F ern e r w urde im  Abstimmungsbezirk I l b  
nicht alle O rganisationen  der Kaufm annschaft so die T ü r zum W ahllokal bereits fünf M inu ten  
denken wie die O rtsg ruppe C harlo ttenburg  des vor 8 Uhr geschlossen; dadurch w urden 
D eutschnationalen H andlungsgehilfen - V erbandes. ebenfalls m ehrere W ühler an  der A usübung 
D er V erein  Deutscher K aufleute, O rtsg ruppe ihres W ahlrechts behindert.
C harlo ttenburg, hat, wie ich Ih n e n  in  der vorigen E s w erden Z eugen genannt.
Sitzung schon anführte, seinerzeit eine P e titio n  D er Ausschuß hat sich über diese beiden 
an  den M agistrat gerichtet, in  der er sich fü r die Proteste eingehend u n te rh a lten  und kam an der 
E inführung einer derartigen  Fortbildungsschule Hand der Ä ußerungen m aßgebender Personen 
ausspricht. zu dem R esultat, daß sie nicht beachtlich sind.
I m  N am en des Ausschusses bitte ich S ie , der W as zunächst das zu frühe Schließen des W ahl­
M agistratsvorlage m it der erw ähnten  A bänderung lokales anbetrifft, so h a t der W ahlvorsteher W enig 
zuzustimmen und  die eingegangene P e titio n  des u n te r Zustim m ung sämtlicher B eteilig ten  erklärt, 
D eutschnationalen H andlungsgehilfen - V erbandes daß er seine Uhr m it den Uhren der andern  H erren 
durch diese Beschlußfassung als erledigt zu erklären. und m it der R a thausuhr verglichen hat, so daß kein 
(B ra v o !) Zw eifel ist, daß die Z eit richtig eingehalten w orden ist.
W as den w eiteren Einspruch anbetrifft, daß 
(D ie B era tung  wird geschlossen. D ie V er­ der M agistratsdiener den E ingang versperrt habe, 
sam m lung beschließt m it großer M ehrheit nach dem so liegen, da der Ausschuß beschlossen hatte , den 
A ntrage des Ausschusses, wie folgt: M agistrat zu einer um fangreichen B ew eiserhebung 
1. D er E inführung  der Fortbildungsschulpflicht zu veranlassen, eine Reihe von Erhebungen vor. 
fü r die weiblichen H andlungsgehilfen und Diese Erhebungen ergeben, daß daran  kein w ahres 
-Lehrlinge zum 1. A pril 1910 wird zugestimmt. W ort ist. E s haben zw ar drei Z eugen, die als 
2. D as  abgedruckte O rtssta tu t betr. die V er­ Z ette lverte iler in  F rag e  gekommen sind, d e r ' 
pflichtung zum  Besuche der F o rtb ildungs­ M au re r Gustav Netzfer, der Tischler H erm ann 
schule fü r M ädchen in  C harlo ttenburg  wird Scholz und F ran z  Hegebarth ausgesagt, daß  in  der 
m it der A bänderung genehm igt, daß 2 Z eit von 6 bis 7 Uhr ein M agistratsdiener sich 
Punkt a  lau ten  soll: an der T ü r  aufgestellt habe und etw a 10 M in u ten  
„den vollständigen Lehrgang einer lang, indem  er die Hand auf die T ü r  gelegt habe, 
lOklassigen Mädchenschule durchgenom m en den E in tr itt einer Reihe von W ählern verhindert 
haben .") habe. D em gegenüber steht aber nicht n u r die 
Aussage des beteilig ten  M agistratsdieners, sondern 
Vorsteher - S te llvertr . Dr. Hubatsch: Durch auch die Aussage einiger anderer, zunächst einm al 
diesen Beschluß ist die P e titio n  gleichzeitig erledigt. des W ahlvorstehers B aum eister T hoens, der am  
W ir kommen zum  folgenden Punk t der T ages­ 4. D ezem ber vernom m en w orden ist, der den 
ordnung, Punk t 11: V orfall beobachtet h a t und ihn  so schildert, 
daß in der T a t ein  M agistratsdiener sich, weil der 
V orlage betr. P rüfung der Gültigkeit der S ta d t­ A ndrang sehr groß w ar, dort aufgestellt hat, um  
verordnetenw ahlen und Berichterstattung des den E ingang und A u stritt der W ähler zu ordnen. 
Ausschusses. —  Drucksache 365. Es heißt hier wörtlich, und das ist interessant:
D er diensttuende M agistratsbote, der an 
Berichterstatter S ta d tv . H o lz : M eine Herren, der T ü r  des W ahlzim m ers stand, sorgte 
der Ausschuß zur P rü fu n g  der S tad tv e ro rd n e ten ­ dafür, daß die W ähler Reihen bildeten. 
w ahlen am  8., 9. und 10. N ovem ber hatte  sich E r w urde dabei von dem  O bm ann einer 
n u r m it zwei Einsprüchen zu beschäftigen, wie S ie  P a r te i, wie ich glaube, von dem  der sozial­
aus der Vorlage ersehen, gegen die W ahl im  demokratischen P a rte i, unterstützt. D ie T ü r 
2. und 4. Bezirk der d ritten  W ählerabteilung. zu dem W ahlzim m er ist stets geöffnet geblieben. 
D er Ausschuß kam auf G rund eingehender B era tung  Hier also hat sich die sozialdemokratische P a r te i  als 
und P rü fu n g  zu dem Entschluß, die sämtlichen O rdnungsparte i
26 W ahlen fü r gültig  zu erklären. E s interessiert (S tad tv . Zietsch: W ie w ir im m er sind!) 
jedenfalls, da der Ausschuß V eranlassung ge­ auf die S e ite  des M agistratsd ieners gestellt und 
nom m en ha t, in  eine B ew eiserhebung wegen der h a t dafür gesorgt, daß alles richtig funktioniert.
beiden Einsprüche einzutreten, von dem I n h a l t  Auf G rund dieser B ew eiserhebungen hat der 
der beiden Proteste K enntn is zu nehm en. W ir Ausschuß einstimmig den Beschluß gefaßt, die 
sehen au s den Protesten, daß die W ahlen im  W ahl fü r gültig zu erklären.
allgem einen in einer so vorzüglichen O rdnung vor Es lag dann  ferner ein Einspruch gegen die 
sich gegangen s>nd, daß m an sich über dieses R e­ W ahl im  4. Bezirk vor. D a  w urde von einem  
sultat n u r freuen kann. Beschwerdeführer die B ehaup tung  aufgestellt, daß 
I n  dem Protest hinsichtlich der W ahl im  die Publikation  des M agistrats am  Wahllokal 
2. Wahlbezirk heißt es im  wesentlichen: en tfern t w orden sei. E s heißt in  dem  P ro test: 
I n  m einem  Protest stütze ich mich auf D er Schutzmann B au m g arth  vom 8. P o ­
folgende Vorkommnisse. I m  Wahllokal bei lizeirevier in  C harlottenburg kam abends 
W inter, Schloßstraße 45 —  Wahlbezirk H a  — 8/47 11 hr in das im  4. Wahlbezirk, Ab-
        
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