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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 24. November 1909 533
S ie  ihn von dem Ergebnis der von Ih n e n  vor­ die Aussage dieser M u tte r  zurückgeführt, aber ge­
genom m enen Untersuchung nicht unterrichtet hört haben S ie  diese F ra u  nicht. H err Kollege 
haben, nichts anderes bekommen können als be­ Becker ha t davon gesprochen, daß die ganze Geschichte 
lastendes M ateria l. Also m ußten  w ir u n s  sagen: n u r auf einem  Klatsch aufgebaut sei. S o n d erb arer­
hier kann n u r die A m tsentlassung in  F rage  kommen. weise ist m an aber seitens des M agistrats, wie der 
D arau f ist unser A ntrag aufgebau t und  form uliert. H err O berbürgerm eister ja auch speziell e rläu te rt 
N un  kommt H err Dr Frentzel und  entrüstet sich hat, jedem  Klatschgerücht nachgegangen, bis auf 
über unseren M angel an  sittlichem E m pfinden; den S o h n  des Beschwerdeführers. M an  weiß 
w ir gingen m it der Ehre des Nebenmenschen in sogar, daß er sich in  H am burg befindet. —  N ur die 
leichtfertiger Weise um . F ra u  M aaß , also die Nächststehende, h a t m an nicht 
(S e h r richtig!) gefunden und h a t m it ih r nicht darüber sprechen 
H err Dr. Frentzel, w enn S ie  u n s  m angelndes können. H alten S ie  denn das fü r eine objektive 
sittliches Em pfinden vorw erfen wollen, dann  U ntersuchung?
müssen S ie  jedem  S ta a tsa n w a lt  das auch vor­ (S ta d tra t  S a m te r :  D ie ist doch gar nicht dabei
w erfen. gew esen!)
(S ta d tv . Dr Frentzel: D er macht eine V orun te r­ — Aber ih r ist es doch un m itte lb a r von den K indern 
suchung!) gesagt w o rd e n !
—  W er sagt I h n e n  denn, daß unser G ew ährsm ann  (Widerspruch des S ta d tra ts  S a m te r .)
keine V oruntersuchung veranstaltet h a t?  E r hat S ie  haben die K inder auch n u r gehört. D a  fällt 
dieselbe n u r anders geführt, a ls sie vom M agistrat m ir w iederum  ein, w as der H err B ürgerm eister 
vorgenom m en w orben ist. B ei Gericht stellt sich festgestellt hat. D er H err B ürgerm eister sagte: 
auch oft ein anderes E rgebnis der Untersuchung w ir haben die K inder verhört und haben darüber 
heraus, a ls es der Ankläger angenom m en hat. ein Protokoll ausgenom m en, w ir sind erfreu t 
Auch der S ta a tsa n w a lt  erhebt die Klage auf G rund darüber, daß die Aussage der K inder fast wörtlich 
von V erm utungen  eines vorliegenden V ergehens m it der schriftlichen Erklärung des H ausvaters 
gegen diesen oder jenen P arag rap h en . übereinstim m t. N a, ich m eine, m an  könnte auch 
(Z uru f des S tad tv . Dr Frentzel.) die Schlußfolgerung ziehen, daß diese Ü berein­
—  Gewiß, weil der S ta a tsa n w a lt ihn nicht en t­ stim m ung au s gewissen G ründen  sehr leicht ge­
lassen kann. W ir sagen auch nicht, er soll entlassen wesen sein dürfte.
w erden, sondern der M agistrat soll darauf h in­ Auf die übrigen W idersprüche, die sich in  den 
wirken ; w ir selbst wollen ihn nicht entlassen, können Aussagen des H errn S ta d tra ts  S a m te r  befunden 
es nicht, haben, möchte ich n u r kurz eingehen. H err S ta d t­
(Lachen bei den L iberalen) ra t  S a m te r  sagte: W ir m ußten  die Maaßschen 
w ir haben ebensowenig die gesetzliche G ew alt wie K inder jetzt aus der Anstalt herausnehm en, weil 
der S ta a tsa n w a lt, der auch niem and bestrafen das im  In teresse  der S icherheit und Aufrecht­
sann. W as w ürde aber anders gewesen sein, w enn erhaltung  der D isziplin notw endig gewesen sei. 
w ir gesagt h ä tten : gegen den H ausvater liegen E ins von diesen K indern soll geistig m inderw ertig  
Anschuldigungen dieser und jener A rt vor, die sein, und die anderen Kinder haben auf H errn 
untersucht w erden müssen —  w ürden die Kom­ S ta d tra t  S a m te r, a ls er in  der Anstalt gewesen 
binationen darüber andere gewesen sein a ls jetzt? ist, den Eindruck gemacht, daß sie äußerst geschickte 
(Z urufe bei den L iberalen .) und gute  K inder sind.
—  Ach, w enn m an  e tw as Schlechtes in  eine Sache (S ta d tra t  S a m te r :  ,.G ut" habe ich nicht gesagt!)
hineinlegen will, dann  findet m an m it dem bißchen —  D an n  haben S ie  sich anders ausgedrückt; 
gu ten  W illen, der sich jetzt bei I h n e n  betätig t hat, jedenfalls w ollten S ie  sagen, daß die K inder auf 
das auch auf andere A rt und Weise. S ie  einen angenehm en Eindruck gemacht haben. 
(S e h r g u t! bei den Sozialdem okraten.) Auf einm al w erden diese K inder n u n  zur größten 
H err Kollege Becker hat sich auch entrüstet G efahr fü r die A ufrechterhaltung der D isziplin in  
üb er die A gitation, die w ir angeblich m it unserem  der A n sta lt!
A ntrag  treiben. Zugegeben w orden ist von H errn S ta d tra t  
(S ta d tv . Becker: J a w o h l! ) S a m te r  —  das hat auch m ein  F reund  Hirsch au s­
Aber unsere A gitation kann sich doch nicht n u r auf drücklich hervorgehoben — , daß die K inder ge­
die Versetzung von B edürfnisanstalten  beschränken. züchtigt w orden sind. D er H err B ürgerm eister 
(G roße Heiterkeit.) ha t auch gesagt, er hätte  bem ängeln müssen, daß 
N un  sagt H err S ta d tra t  S a m te r , er sei in  der Schim pfw orte in der Anstalt gebraucht w orden 
A nstalt gewesen und habe sich bem üht, dort eine sind. E r ha t auch das nicht fü r richtig gehalten.
Untersuchung zu veranstalten, um  das Unrecht, H err S ta d tra t  S a m te r  gibt zu, daß Kinder 
das dem H ausvater angetan  w orden ist, festzustellen. gezüchtigt w orden sind ; H err B ürgerm eister M atting  
H err S ta d tra t  S a m te r  ha t ja  auch n u r  K inder h a t von andern  Leuten wieder feststellen lassen, 
v e rh ö r t! daß n iem als jem and, der die Anstalt besucht habe, 
(S ta d tra t  S a m te r :  W en sollte ich denn  verhören?) den Eindruck bekommen habe, daß irgendwelche - 
—  W en sollten S ie  v e rh ö ren ? —  ganz rech t! S ie  Züchtigungen
haben aber auch von einer „hysterischen M u tte r"  (Z uruf)
gesprochen. M it welchem Recht erheben S ie  den —  übertriebene Züchtigungen, will ich mich dann 
V orw urf der Hysterie gegen die M u tte r, w enn S ie  berichtigen —  vorgenom m en w orden sind. W ir 
die M u tte r  nicht selbst gehört h ab en ?  Ich  weiß streiten ja auch m iteinander gar nicht darüber, 
nicht, ob S ie  sie ü b erh au p t kennen. Ich  kenne daß gezüchtigt w orden ist in  der Anstalt, sondern 
sie auch nicht, und ich w ürde mich gar nicht für n u r darum , ob das berechtigte M aß  dabei inne­
befugt halten , w enn ich an  I h r e r  S te lle  sieben gehalten ist. D arüber kann m an  aber geteilter 
w ürde, der M u tte r  den V orw urf der Hysterie zu M einung sein. M an  braucht nicht, wie der Herr 
machen. S ie  sagten ja auch, es w ürde alles auf O berbürgerm eister bei allen L euten ein so dickes
        
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