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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

530 Sitzung vom 24. November 1909
solche schwache M u tte r, m eine H erren, m it wilden koll an  H errn Bürgerm eister M attin g  gegangen, 
K indern, die schwer zu erziehen sind, die schlecht und der hat zum 21. August eine K ura to riu m s­
erzogen in die V erw altung  gekommen sind, ist die sitzung einberufen. D ort ist von den D ingen 
Ursache all dieser M ärchen, die hier aufgetischt K enntnis genom m en und H err Richter ist au f­
w orden sind, und die wahrscheinlich von dem gefordert w orden, sich schriftlich zunächst zu äußern . 
schwachsinnigen S ohne  ausgehen, der alles erzählt, D as  ist am  21. August geschehen. Diese Ä ußerung 
w as m an ihm suggeriert. ist am  25. August H errn B ürgerm eister M atting  
M eine H erren, über die Züchtigungen will zugegangen, und am  31. August ha t er die U nter­
ich noch ein W ort sagen. Gezüchtigt hat der suchung abgeschlossen. Also nicht 15 Wochen hat 
Lehrer Richter die Kinder, w enn sie sich vergingen. die Untersuchung gedauert,
D azu ist er verpflichtet. E r hat ihnen Hiebe ge­ (S ta d tv . G ebert: M ein  G ew ährsm ann  hat erst 
geben. D er M an n  hat nicht ein W ort gesagt in gestern Bescheid bekom m en!) 
seiner schriftlichen Rechtfertigung, das nachher nicht sondern vom 13. bis zum  31. August. S ie  stützen 
bewiesen w orden ist. Es ist klar, daß der M an n  sich n u n  darauf daß der M an n  keinen Bescheid be­
die volle W ahrheit gesagt hat. Alles hat sich kommen hat. Als ob es darauf ankom m t! Es 
nachher so herausgestellt, wie er es dargestellt hat. kommt darau f an , daß ein E hrenm ann  m it Schmutz 
E r sagt, er hat die Kinder, wo es nötig  w ar, ge­ bew orfen w orden ist, es kommt darauf an, diesen 
schlagen, und  ich w ürde ihm gram  sein, w enn er E hrenm ann  rein  zu waschen, und  nicht darauf, 
es nicht getan hätte . D enn  wo bleibt eine E r­ ob H err W ollm ann einige T age früher oder später 
ziehung ohne festes E in g re ifen ? D er M an n  würde eine M itte ilung  erhalten  hat. D as ist höchst 
nicht in das W aisenhaus gehören, w enn er sich gleichgültig.
durch sentim entale A nw andlungen hindern  ließe, (S e h r  richtig! —  Widerspruch bei den S o z ia l­
m al zum Stock zu greifen, wo es nötig  ist. Ich  dem okraten.)
b in  m einem  V ater dankbar für jeden Schlag, den G lauben S ie  denn, daß die Wochen spurlos an 
er m ir gegeben hat, und jeder verständige Mensch den Richterschen Eheleuten vorübergegangen s in d ?
ist das. Hier, wo es sich darum  handelt, 40 Kinder (S e h r richtig!)
zu erziehen, u n te r denen manche krumme B äu m ­ H err Richter und seine F ra u  sind in die a llergrößten  
chen sind, die gerade gebogen w erden müssen, da seelischen Unruhezustände versetzt w orden. D ie 
soll der H ausvater streng, energisch eingreifen, und Lust am  Leben haben sie verloren. D as  ist nicht 
w enn er einem  Ju n g e n  drei, vier energische Hiebe zu viel gesagt. D ie F ra u  ist vor den Anklagen 
über den Buckel zieht, dann  w erden auch blaue zusammengebrochen. D as  ist durch jene u n ­
S triem en  da sein. sinnigen Klatschereien erreicht w orden. D a  handelt 
(S tad tv . Hirsch: S o , so!) es sich nicht darum , ob H err W ollm ann, der Klatsch­
—  Ich  möchte es m al m it I h n e n  probieren, H err gerüchte w eitergetragen  hat —  im  besten S in n e  
Hirsch, natürlich, nehm e ich an , aber es bleiben doch 
(schallende Heiterkeit) im m er Klatschgeschichten —  ein p a a r  T age früher 
ob nicht sofort blaue S triem en  kämen, w enn S ie  oder später durch eine A ntw ort in form iert w orden 
fest zuhauen. —  W enn der ernste V ater einen ist. H err G ebert, S ie  wollen dam it n u r I h r e  
J u n g e n  züchtigend haut, dann  ist das auf dem eiegne schwache Position verteidigen.
Rücken des Ju n g e n  zu sehen und soll zu sehen sein. (S e h r richtig!)
(Z urufe bei den Sozialdem okraten.) S ie  versuchen deshalb, in  einem  N ebenpunkt an ­
E s soll schmerzen, es soll helfen, die Ju n g e n  zu zugreifen. D erH ieb, m einen  S ie , ist die beste
ordentlichen Menschen zu machen. I n  diesem S in n e  W affe, aber I h r e  W affe ist stumpf.
allein  hat der Lehrer Richter seines A m tes gew altet, Also, m eine H erren,z iehen S ie  in den A us­
und er ha t sein Züchtigungsrecht in keinem Falle schuß und stellen S ie  diez u Unrecht angegriffene
überschritten. Ehre des ehrenw erten  M an n es auch Ih re rse its  
Also, m eine H erren, die ganze Anklage, die w ieder her!
auf G rund eines ganz vagen M ateria ls  von K lat­ (Lebhaftes B ravo .)
scherei, von Suggestion aufgebaut ist, fällt in sich 
zusam m en. Es bleibt nichts übrig, a ls daß der S tad tv . Dr. L andsberger : M eine H erren,
Lehrer Richter und seine F ra u  ehrenhafte, makel­ ich gehöre zu denen, die m it absoluter U nbefangen­
lose Leute sind, die ihr A m t ausgezeichnet au s­ heit in die heutige V erhandlung kamen, allerdings 
geübt haben. D as w erden S ie  im  Ausschuß, w enn m it einer gewissen Beklom m enheit; denn es w ar 
S ie  nachher die einzelnen Tatsachen näher kennen m ir nicht gleichgültig, daß heute ein V erhand lungs­
gelernt haben, selbst erkennen, und ich gebe mich gegenstand auf der T ageso rdnung  stand, welcher 
der H offnung hin, daß die H erren vom linken in einer, m ir in der S tadtverordnetenw irksam keit 
F lügel au s eigenem Gerechtigkeitsgefühl, nachdem —  nicht bloß in der hiesigen, sondern in der viel­
sie au s  dem  Ausschuß herausgekom m en sind, er­ jährigen, die ich überhaup t h in ter m it habe —  noch 
klären w erden: w ir ziehen unsern A ntrag  zurück, nicht vorgekom m enen Weise gegen einen städtischen 
w ir sehen ein, daß dem M anne  Unrecht geschehen B eam ten  vorging. Ic h  hatte  keinen Zw eifel, daß 
ist. M eine H erren, S ie  sind als E hrenm änner dem die B egründer des A ntrags m it erdrückenden 
E hrenm anne diese Erklärung schuldig! Tatsachen, m it überzeugenden Tatsachen, die sie 
(Lebhaftes B ravo .) noch im  Köcher ha tten , herauskom m en w ürden, 
G anz kurz noch ein W ort. H err G ebert hat und daß die Szene zum T rib u n a l w erden m üßte, 
gesagt, daß die Untersuchung 15 Wochen gedauert daß w ir ohne w eiteres überzeugt w erden w ürden, 
hat. D as  ist auch eine Ü bertreibung. M an  soll daß m indestens sehr schwerwiegende G ründe gegen 
sich vor Ü bertreibungen hüten, nam entlich w enn den öffentlich angegriffenen städtischen B eam ten  
m an angreift. Am 13. August ist H err W ollm ann vorliegen m üßten . D aher m eine Beklom m enheit. 
zu H errn  S ta d tra t  S a m te r  gekommen und hat die Sonst w ar ich zur Sache gar nicht o rien tiert, hatte 
Dinge zu Protokoll gegeben. D an n  ist das P ro to ­ hier und da eine Z eitungsnotiz gelesen, die auch
        
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