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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 24. November 1909 5 2 7
hätte, dem Beschwerdeführer Bescheid zukommen einigen Tagen abgespielt haben — und am 23. 11. 
zu lassen. Hätte er das getan, dann hätten wir teilt m an der F rau  m it, daß den Kindern der Besuch 
diese Debatte, die Ih n e n  und uns nicht angenehm verboten ist. Es wäre doch wichtig, daß klargestellt 
ist, die dem Lehrer und den Beteiligten selbst nicht wird, inwiefern auch dieses Verbot m it den Dingen 
angenehm ist, nicht gehabt. in Zusammenhang zu bringen ist.
M eine Herren, was sonst darüber zu sagen ist, I m  allgemeinen bin ich auch der Überzeugung, 
ist, daß unserer M einung nach ein derartig wichtiges daß die Ausfchußsitzung ohne weiteres ein Bild 
Amt nicht im Nebenamt geführt werden darf, über diese M aterie geben muß.
und daß gerade die Waisenkinder besonders rücksichts­ Z u den Anträgen will ich dann noch auf eins 
voll zu behandeln sind, glaube ich, brauche ich hier hinweisen. Mich hat es doch eigentümlich berührt, 
nicht zu wiederholen. Ich gebe mich der festen daß der Lehrer Richter im Nebenamte in der Lage 
Hoffnung hin, daß im Ausschuß Klarheit über die ist, nachdem er schon eine Portion Arbeit verrichtet 
Sache geschaffen wird. Allerdings wtrd das nur hat, 30 Kinder außerordentlich noch weiter erziehen 
dann möglich sein, wenn Kollegen in den Ausschuß zu können. Ich  weiß nicht, dieser Lehrer muß 
gesandt werden, die bereit sind, m it uns objektiv über Nerven verfügen, die aus Erz sind.
zu prüfen. (Zuruf bei den Liberalen: S tim m t!)
(S tad tv . Dr Frentzel: Sicher!) Er muß einen Charakter haben von eigentümlicher 
Sollte sich das bewahrheiten, was seitens des Art. S ie  sagen: das stimmt. D ann machen
Begründers des Antrages vorgebracht ist, dann, S ie  sich aber nachher selber den Vorwurf, wenn die 
meine Herren, bin ich überzeugt, werden Sie Nerven dieses Lehrers eines schönen Tages auf­
selbst die Konsequenzen ziehen. Anderseits kann gebraucht find.
ich im Nam en der Antragsteller erklären, daß. (Lebhafte Zurufe: Durch solche Antrüge!)
wenn die objektive Untersuchung im Ausschuß — Nicht durch solche Anträge. — S ie  sollten diesen 
ergibt, daß die Behauptungen des Gewährsm annes Lehrer schonen und sollten sagen: diese Arbeit 
der Antragsteller unrichtig sind, dann die Antrag­ darfst du nicht mehr im Nebenamte verrichten. 
steller selbst am  meisten sich darüber freuen und Sollte aber das Gehalt des Lehrers so gering fein, 
keinen Anstand nehmen werden, vor der Öffentlich­ daß er sich nebenbei noch einen Verdienst erwerben 
keit zu erklären, daß sie irregeführt sind. Borläufig muß, dann, meine Herren, haben wir die Pflicht, 
glauben aber die Antragsteller nicht daran, daß die die Gehälter der Lehrer ohne weiteres zu erhöhen. 
Behauptungen ihres G ewährsm annes unrichtig sind. D as ist dann unsere Aufgabe.
(Zurufe.)
Stabtb. G ebert: M eine Herren, ich will — S ie  wissen ja vielleicht besser, welche Aufgaben 
mich ganz kurz fassen, ein Lehrer zu erfüllen hat. S ei dem aber, wie ihm 
(B ravo!) wolle, wir stehen auf dem Standpunkt, daß ein 
und zwar insofern, als ja genügendes M aterial zur derartiges Amt nicht im  Nebenamt ausgeübt werden 
Beratung in dieser Angelegenheit meines Erachtens kann. ' Wollen wir uns doch freuen, wenn es 
vorlieg t/ Nur das eine nim m t mich wunder: nicht ein Colander- oder Mieltschiner Fall wird. 
daß die Untersuchung dieses Falles rund 15 Wochen Die Verhältnisse konnten aber doch auch so liegen, 
gedauert hat. D as ist doch meines Erachtens eine daß sich dort in der Anstalt Zustände wie inMieltschin 
Hinschleppungstaktik, die ich nicht verstehen kann. ereignen, die wir nachher nicht verantworten 
Wenn der Herr Bürgermeister sagt, er fühlte sich können.
nicht dazu berufen, den Gew ährsm ann in Kenntnis (Zuruf bei den Liberalen: „K onnten!")
zu setzen, da dies lediglich dem Herrn S tad tra t S am ter W ir sehen ja, wie sich die Sache in  Berlin ab­
gebühre, dann muß m an das Gefühl in sich auf­ gespielt hat. Endlich hat man den Pfaffen in 
nehmen, daß der B ürger nicht mehr m it dem Mieltschin zum Teufel gejagt.
bestimmten Zutrauen zu einem Bürgermeister (Oberbürgermeister Schustehrus: D as war nicht im 
hingehen kann, um  dort Auskunft zu erhalten. Nebenam t!)
Ich glaube, nach dieser Richtung hin ist die Hand­ — Wenn es im H auptam te war, dann ist es um  so 
lungsweise des M agistrats doch eine ganz eigen­ trauriger.
tümliche gewesen. (Heiterkeit.)
Eins fällt m ir ferner auf: das ist, daß der eine M eine Herren, wir hoffen, daß der Ausschuß 
Knabe, der seit 1900 sich in  dieser Anstalt befindet, ein klares Bild ergeben wird, und wir wünschen, daß 
der aber so Ungeheures auf dem Kerbholz haben der Ausschuß auch dem Magistrat die Weisung 
soll, der so ungeheuer viel ausgefressen haben mit auf den Weg geben möge, daß er in Zukunft 
soll, — daß dieser jetzt, nachdem die ganze Sache die Bürger, die sich mit berechtigten F ragen an 
ins Rollen gekommen ist, nunm ehr aus dieser den Bürgermeister wenden, nicht 15 Wochen auf 
Anstalt entfernt worden ist. J a ,  meine Herren, eine Antwort w arten lasse.
w arum  haben S ie  den nicht eher entfernt, warum 
nicht schon im Jah re  1908, w arum  erst jetzt 1909, Stobtti. Becker: M eine Herren, ich will nur 
nachdem die ganze Sache ins Rollen gekommen ist? ganz kurz im Aufträge meiner Freunde erkläret:, 
D as ist eigentümlich. daß wir — obgleich wir eigentlich eine Ausschuß­
Ferner ist eigentümlich, wenn die kranke sitzung nach der langen Zeit, die wir hier mit der 
M utter aus dem Krankenhause schreibt ■— ich Sache jetzt zugebracht haben, und nach den Berichten, 
habe den Brief hier im Besitze — , man möge die uns von verschiedenen S eiten  gegeben worden 
einem oder dem andern Knaben die Erlaubnis sind —, kaum für notwendig halten, uns doch dem 
geben, die kranke M utter in dem Kranketthaus zu Antrage anschließen wollen, der von seiten des 
besuchen, und eine nahe Verwandte der Kranken Herrn Kollegen Dr Frentzel gestellt worden ist. Ich 
geht nach dem Pfleger, stellt dem Pfleger dieses will aber auch erklären, daß wir uns genau auf den 
vor, — die Karte ist am 23. 11., am gestrigen Standpunkt stellen, der von dem Herrn Kollegen 
Tage abgesandt, die Sache kann sich also erst seit Frentzel dargelegt worden ist, und namentlich die
        
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