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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

5 2 6 Sitzung vom 24. November 1909
— J a ,  wir werden in Zukunft bei Ih re r  Fraktion an­ — Wir wissen doch, welche Rolle S ie  hier spielen!
fragen, in welcher Form  wir unsere Anträge zu (Heiterkeit. S tad tv . v r Frentzel: S v !)
stellen haben. Herr S tad tra t S am ter hat selbst davon gesprochen, 
(S ehr gut! und Heiterkeit.) daß Jagdhiebe verabreicht sind, und ganz auffallend 
D ann wird allerdings überhaupt nichts Ver­ w ar es, daß ein Ju n g e  gesagt haben soll: „ Ja , 
nünftiges mehr herauskommen. W ir müssen uns verdient habe ich es." M eine Herren, wer hat 
derartige Bemerkungen von Ih re r  Seite verbitten; sich bei diesen W orten des Herrn S tad tra ts  S am ter 
wir wissen allein, was wir zu tun haben. nicht an den Prozeß erinnert, der sich vor kurzem 
Herr Kollege Frentzel scheint überhaupt u n ­ abgespielt hat, wo auch die Mädchen vor Gericht 
geduldig und nervös zu sein. Er hat sich darüber gesagt haben: „ Ja , ich habe Schläge bekommen, 
beschwert, daß der Begründer des Antrags sich aber ich habe es verdient?"
zuerst m it einigen Zeitungsartikeln beschäftigt hat, (Zurufe: Colander!)
ehe er auf den Antrag selbst einging. J a ,  erstens Ich will natürlich Richter nicht m it Colander 
wußten S ie  schon — vergleichen; ich weise das fern von mir, daß meine 
(Lebhafte Z u ru fe ; S tad tv . 1)r. Frentzel: Viel Äußerung etwa so aufgefaßt wird.
spä ter!) Herr S tad tra t S am ter hat weiter davon 
J a ,  S ie  werden doch nicht bestreiten, daß S ie gesprochen, daß der eine Ju n g e  ganz gehörig 
sofort in die M agistratsbüros liefen und sich Er­ gezüchtigt worden ist, er hat auch die Sache mit der 
kundigungen holten, um  zu wissen, an welcher Schere nicht in Abrede stellen können, nur sie 
S telle S ie  oho schreien sollen — so entschuldigt: ja, das ist eine Schere, die nicht 
(Große Unruhe, lebhafte Zurufe und Lachen bei schneidet.
den Liberalen.) (Heiterkeit.)
S ie  wußten ja schon, daß alles nicht stimmt, weil Meine Herren, ich weiß nicht, ob das M ittel sind, 
S ie  sich eben nur auf einseitige Inform ationen  die sonst andern Kindern gegenüber beliebt werden. 
verlassen. Herr S tad tra t S am ter hat auch zugegeben, daß 
Herr Kollege Frentzel beschwert sich auch, daß sich B lutstropfen gezeigt haben; also so ganz harmlos 
der Antragsteller die Zeitungsnachrichten in den scheint doch die Sache mit der Schere auch nicht zu 
Bereich seiner Erörterungen gezogen hat. J a ,  sein. Herr S tad tra t S am ter hat auch nicht bestreiten 
das war dringend notwendig, und S ie sehen ja, können, daß das tuberkulöse Mädchen auf die 
von welcher Seite die Zeitungsnachrichten aus­ Hände geschlagen ist, nur soll es nicht die Außen­
gegangen sind. Ich mache dem Magistrat daraus fläche, sondern die Innenfläche gewesen sein. 
keinen Vorwurf, ich bitte mich nicht mißzuverftehen, Herr S tad tra t S am ter hat ferner nicht bestreiten 
im Gegenteil, ich erkenne das durchaus an und können, daß Kindern der Besuch der M utter im 
möchte nur wünschen, daß der M agistrat in allen Krankenhause verboten ist; er hat nur Entschul­
Fällen die Zeitungen inform iert. Bloß dagegen digungsgründe dafür angeführt. Es kommt eben 
verwahre ich den Antragsteller, daß ihm der Vorwurf ganz darauf an, wie m an die Sache beurteilt. 
gemacht wird, daß er auf die Zeitungsnotizen ein­ Also das, was mein Freund Zietsch vorgebracht 
gegangen ist. D as w ar seine Pflicht meiner hat, ist durch die Ausführungen des Herrn M agistrats­
M einung nach. vertreters nicht entkräftet worden, und wer nicht 
N un sagt Herr Kollege Frentzel, mein Freund. von vornherein in der festen Absicht den S aa l 
Zietsch hätte sein Beweism aterial schon selbst betreten hat, was auch immer von den Sozial­
dadurch entkräftet, daß er die Kinder als lügenhaft demokraten komme, abzustreiten, und was auch immer 
bezeichnet habe. Ich weiß nicht genau, ob das vom Magistratstische gesagt werden wird, m it Ju b el 
Wort „lügenhaft" gefallen ist; aber das eine weiß zu begrüßen, der muß zugeben, daß tatsächlich die 
ich: es ist gerade ein Zeichen dafür, wie objektiv Behauptungen nicht bestritten sind. Es ist möglich, 
mein Freund Zietsch vorgegangen ist, daß er daß sich vielleicht der eine oder andere Fall nicht 
selbst hier gesagt hat: wir können uns auf das ganz genau so zugetragen hat, aber etwas scheint 
Zeugnis der Kinder nicht ohne weiteres verlassen, doch an allen diesen Fällen zu sein.
denn m an weiß ja, daß Kinder zu Unwahrheiten Nun sagt Herr S tad tra t S am ter: zwischen 
neigen. S o  war seine Äußerung gemeint, und dem, was der Gew ährsm ann der Antragsteller 
anders konnte sie nicht verstanden werden. Er getan hat, und dem, was die Antragsteller getan 
hat ganz deutlich, als er auf diese Ju n g en  hinwies, haben, liege ein himmelweiter Unterschied. J a ,  
gesagt, er gäbe zu, daß die Zeugen eventuell meine Herren, was sollte der G ew ährsm ann tu n ?  
einmal die objektive Unwahrheit sagen könnten, Der G ew ährsm ann hat ein Vierteljahr auf Antwort 
und wolle deshalb, daß die Sache untersucht wird. gewartet, und ich glaube, wenn der Magistrat 
(S tadtv . O tto : Aber Richter muß entlassen w erden!) dem G ew ährsm ann eine Antwort erteilt hätte, 
— J a ,  Herr Kollege Otto, S ie  gehören auch zu wenn er ihn nicht so von oben herab behandelt 
denjenigen, die bei den haarsträubendsten Dingen hätte: ach Gott, ob der Antwort kriegt, ist Neben­
einfach ein Lachen übrig haben, die glauben, sache — , dann wäre die Sache wahrscheinlich 
durch überhebendes Lachen alles aus der Welt überhaupt nicht im P lenum  zur Sprache ge­
schaffen zu können. Aber auf denkende Leute kommen.
werden S ie dadurch keinen Eindruck ausüben. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)
N un hat mein Freund Zietsch ja ganz be­ Es ist ein sonderbares Verhalten des M agistrats, 
stimmte Fälle angeführt, und ich war erstaunt, einen Bürger, der sich an ihn wendet — ich sehe 
daß es dem Herrn S tad tra t S am ter nicht gelungen ganz davon ab, daß der M ann im Ehrendienste der 
ist, die einzelnen Fälle zu entkräften. S tad t steht — , solange auf Antwort w arten zu 
(Rufe: Na, nu! bei den Liberalen.) lassen. Denn daß der Herr gestern eine Antwort 
Natürlich, S ie  waren ja von vornherein überzeugt; bekommen hat, ist wohl nur auf einen Zufall 
S ie müssen das ja! zurückzuführen. Ich glaube, es hätte dem M a­
(S tadtv . Ur Frentzel: S o ?) gistrat nichts geschadet, wenn er sich herbeigelassen
        
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