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Periodical volume 10. Februar 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

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w ir zum Beispiel früher die D ebatten  über d ie ; M om ente obw alten  können, die es bedenklich er-
W ahl von S ta d trä te n  im m er in öffentlicher Sitzung scheinen lassen, diese Verkäufe in öffentlicher 
gehabt. Plötzlich w urde die G eschäftsordnung dahin Sitzung zu erledigen.
geändert, daß die D ebatten  darüber in  geheim er N un  hat H err Kollege Hirsch ausgesprochen, 
Sitzung stattzufinden haben. E in zw ingender die Öffentlichkeit habe ein In teresse  daran, zu er­
G rund lag I h r e r  Ansicht nach vor, nach Ansicht fahren, welche Grundstücke w ir kaufen. M eine
eines T eiles der V ersam m lung nicht. D arüber H erren, diesen Satz unterschreibe ich. Es ist voll­
w erden also im m er die Ansichten auseinander gehen. kommen richtig, die Öffentlichkeit hat ein In teresse
M eine H erren, grundsätzlich stehen w ir auf dem daran, zu wissen, welche Grundstücke w ir kaufen —  
S tandpunkte , daß w ir soweit wie möglich die das heißt e r s t  i n  d e m  M o m e n t ,  w o  w i r  
Öffentlichkeit von allen kom m unalen A ngelegen­ d i e  G r u n d s t ü c k e  g e k a u f t  h a b e n .  
heiten unterrichten wollen. N ur da, wo wirklich W enn w ir sie gekauft haben, dann, glaube ich, 
zwingende G ründe vorliegen, sollen w ir in  geheim er w erden w ir allerdings gut tun , die Öffentlichkeit 
Sitzung beraten. Nichts wird so dazu angetan  sein, dam it bekannt zu machen. D as  geschieht ja  wohl 
das In teresse  der gesam ten Bevölkerung an dem teilweise schon jetzt; aber ich gebe zu, daß nach 
kom m unalen Leben zu erwecken, a ls  w enn die All­ dieser R ichtung vielleicht e tw as m ehr geschehen 
gem einheit über alle A ngelegenheiten auf das ein­ könnte. Ich  hoffe auch, daß der M agistrat aus den 
gehendste in form iert wird, und das kann n u r D ebatten  in  der letzten geheim en Sitzung und a u s  
geschehen, w enn w ir die Öffentlichkeit möglichst der heutigen D ebatte  Anlaß nehm en wird, ist ge­
wenig ausschließen. eigneter Weise der Öffentlichkeit einen klareren
Einblick in die von u n s  ausgeführten  Käufe zu geben. 
S tad tv . Dr. S ta d th a g en : H err Kollege Hirsch W enn das geschieht, dann w erden die Bedenken, 
wünscht, die A ngelegenheit der Verkäufe und An­ die in  m anchen Kreisen der Bürgerschaft gegen den 
käufe zu vereinfachen. E r sagt: es wird viel ein­ geheim nisvollen Ankauf bestehen, wohl auch schwin­
facher, w enn wir die N r. 6 des § 10 der Geschäfts­ den. D ie Bekanntgabe darf aber im m er erst dann  
ordnung streichen, und dann jedesm al durch b e ­ geschehen, w enn der Kauf perfekt gew orden ist.
sonderen A ntrag beschließen, ob die Angelegenheit 
in die geheime Sitzung verwiesen w erden soll. J a ,  S ta d tv . Dr. C rü ger : M eine H erren , jeden­
m eine H erren, wieso das einfacher ist, kann ich nicht falls hat diese kleine Affäre den V orteil, daß H err 
einsehen. D an n  w ürden w ir in  jeder öffentlichen Kollege Hirsch u n s in Zukunft nicht m ehr Kom­
Sitzung u n s  erst über einen A ntrag einigen müssen, promißsucht vorw erfen kann. D enn  er ist selbst 
ob die betreffende Sache in  einer geheim en Sitzung den höchst bedenklichen Weg des Kompromisses 
beraten  w erden soll. D azu w äre es aber nötig, gegangen, hat allerd ings sehr üble E rfahrungen  
die öffentliche Sitzung zu schließen und in geheim er dabei gemacht.
Sitzung über diesen A ntrag  zu beraten , da die B e­ (Heiterkeit.)
g ründung dieses A ntrages auch n u r  w ieder in  Ich  m uß offen gestehen, daß es m ir gar nicht leid 
geheim er Sitzung geschehen kann. S ie  sehen also, tu t, daß er diese üble E rfahrungen  gesam m elt hat.
daß diese A rt der Geschäftsführung durchaus nicht 
einfacher ist, zum al ja doch auch H err Kollege Hirsch Ich  möchte jetzt n u r eine kurze Bem erkung 
die Ankäufe im  allgem einen in geheim er Sitzung hinzufügen. H err Kollege Hirsch m einte, es käme 
erledigen will. schließlich auf dasselbe h inaus, denn w ir könnten 
(W iderspruch.) erst in öffentlicher Sitzung uns darüber un terhalten  
—  S o  habe ich S ie  verstanden. ob die B era tu n g  über die Angelegenheit eine ge­
(S tad tv . Hirsch: R u r  w enn S ie  dazu reden wollen. heime fein soll. J a ,  w as soll denn eigentlich in 
—  Heiterkeit.) dieser öffentlichen Sitzung verhandelt w erd en ?  
—  D a s  wird dann also wohl in den meisten Fällen  S o ll die V erhandlung überhaup t einen W ert haben, 
e in tre ten ; daher können w ir annehm en, daß auch dann  wird in  dieser schon das e rö rte rt w erden 
nach der Ansicht des H errn  Kollegen Hirsch die müssen, w as eigentlich in die geheime Sitzung 
meisten Ankäufe in geheim er Sitzung zu erledigen hineingehört, und das halte ich gerade fü r außer­
sind. Demnach w ürden w ir in  jeder Sitzung erst ordentlich bedenklich, bedenklich nam entlich vom 
in geheim er Sitzung darüber Beschluß zu fassen S tandpunk te  der In teressen  der K om m une. W ird 
haben, daß w ir diese Sachen in geheim er Sitzung grundsätzlich in öffentlicher Sitzung bera ten , so 
erledigen wollen. D as  w ürde eine kolossale E r­ m uß die V orlage öffentlich bekannt gegeben w erden, 
schwerung der Geschäftsordnung fein. auch dann , w enn nachher geheime Sitzung beschlossen 
D am it ist aber die Sache nicht abgetan. W ir wird.
bekommen doch zu unseren V orlagen eine B e­ D ie M odifikation, die jetzt an  dem A ntrage 
gründung, eine nähere A usführung. W enn nach dahin vorgenom m en w orden ist, daß die Z iffer ß 
der Ansicht des H errn Kollegen Hirsch grund­ n u r insoweit gestrichen w erden soll, als sie sich auf 
sätzlich die Ankäufe in öffentlicher Sitzung erledigt Verkäufe bezieht, ändert nichts an  der S te llu n g ­
w erden sollen, dann m üßte der M agistrat die V or­ nahm e m einer F reunde zu dem A ntrage selbst.
lagen auch öffentlich übergeben; dann w ürden wir Ich  möchte aber noch auf eins hier aufmerksam 
nicht m ehr V orlagen fü r die geheim en Sitzungen machen, obgleich das eigentlich außerhalb der Z u ­
bekommen, sondern n u r öffentliche. D aß darin ständigkeit der S tad tvero rdnetenversam m lung  liegt. 
ein gewisses Bedenken bei den Ankäufen liegt, Möglicherweise erö rtert einm al die G rundeigen tum s­
ist aus den W orten des H errn  Kollegen Dr C rüger depu ta tion  die F rag e , ob und inw iew eit sie bei 
klar hervorgegangen. M eine F reunde stehen auf Verkäufen an  der bisherigen P rax is  festhalten will, 
demselben S tandpunkte , daß es sehr schwere B e­ ob vielleicht ein B edürfn is  vorliegt, an dieser P rax is  
denken haben w ürde, w enn die Ankäufe prinzipiell eine Ä nderung vorzunehm en. A llerdings wird es 
in öffentlicher Sitzung erledigt w ürden. Ebenso dann  notw endig sein, daß die H erren die E rfah ru n ­
stimmen w ir dem zu, daß auch bei Verkäufen gen, die sie angeblich gesam m elt haben, der D epu-
        
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