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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 24. November 1909 5 2 3
w orauf sie m ir für dieses Kind F rid a  erklärt h a t: Dr E rdm ann  hat die Zöglinge und auch frühere 
davon sei nicht die Rede, sie müsse das M ädchen Zöglinge, die zu ihm  in die Sprechstunde gekommen 
n u r nach Hause nehm en, weil ihre ältere Tochter sind, befragt, andere H erren haben sich m it den 
inzwischen au s der Schule entlassen und in den E ltern  in  B eziehungen gesetzt und Erkundigungen 
Dienst gegangen sei und sie nunm ehr eine Tochter eingezogen. D abei h a t sich auffälligerweise —  
wieder im  Hause haben müsse, um  die jüngeren vielleicht auch nicht auffälligerw eise ergeben, daß 
K inder, die, w enn ich nicht irre, noch gar nicht ein­ am  zufriedensten und glücklich über die U nter­
m al in die Schule gehen, in ih rer Abwesenheit zu bringung ihrer K inder in  der Anstalt diejenigen 
beaufsichtigen, da sie einen A ufw artedienst usw. E ltern  sind, die ihre volle Pension fü r ihre Kinder 
habe. B ei dieser G elegenheit habe ich sie dann dort bezahlen; diejenigen E ltern  aber, denen alles 
w eiter gefragt, w as sie über die W ollmanuschen g ra tis  geliefert w ird, können fü r ihre K inder nicht 
Beschwerden wisse, und darauf ha t sie m ir aller­ genug bekommen,
dings erklärt, daß ihr S o h n  W illi m it Gefühlen (hört, h ö rt!)
des Hasses die Anstalt verlassen habe, wenigstens —  und das sind diejenigen, die den H auseltern  das 
habe er nach seiner Entlassung Ä ußerungen getan, A m t verleiden. D ie Beobachtung ist eine leider 
die sie so habe auslegen müssen. S ie  ha t m ir gleich­ sehr oft wiederkehrende, daß an  den M on tagen , 
zeitig aber bei dieser G elegenheit gesagt: der Ju n g e  w enn derartige K inder am  S o n n tag e  ihren A us­
hat in der Anstalt soviel Praktisches und Nützliches gehtag gehabt haben, dann  die Aufsässigkeit be­
gelernt, daß es ihm  jetzt in  seiner neuen  S te llung  g in n t; dann  ist die U nzufriedenheit —  das läßt 
—  er ist, w enn ich nicht irre , Laufbursche in  dem sich in  einzelnen F ä llen  m it unbedingter Z uver­
Seidengeschäft von Hesse —  außerordentlich zu­ lässigkeit nachweisen —  von M ü tte rn , die ihre 
statten kommt, er ist sofort in  die K antine gesteckt Lieblinge nicht genug dort draußen gehätschelt 
w orden, weil er m it den häuslichen Verrichtungen, sehen, geschürt w orden, und dann  fäng t die 
m it Putzen usw. w underbar Bescheid weiß, und Schwierigkeit der D isziplin an.
er ist dadurch in  die Lage gekommen, sich eine M eine H erren, ich will nicht w eiter auf die 
sehr angenehm e S te llu n g  fü r sein w eiteres F o rt­ M aterie  eingehen. Ich  habe mich im  übrigen auch 
kommen zu schaffen. D as ist der F a ll Schott. über den dienstlichen R uf des H ausvaters von 
W enn ich nicht irre , h a t sie m ir auch von dem an ­ neuem  noch einm al zum Überfluß erkundigt und 
geblichen Zusam m enstoßen der Köpfe gesprochen. kann Ih n e n  n u r bestätigen, daß von allen S e iten , 
Ich  konnte mich natürlich m it der F ra u  Schott, die den Lehrer Richter kennen, dem  Stadtschul- 
die ja  auch nichts w eiter tu n  konnte als sich auf inspektor, m it dem  ich angefangen habe, seinem 
die M itte ilungen  ihres S oh n es zu beziehen, in Rektor und dem Stadtschulrat dem M anne  das 
w eitere E rö rterungen  darüber nicht einlassen. günstigste Z eugnis ausgestellt w ird. E r ha t noch 
N un ist die F rag e  gestellt w orden, wie denn n iem als, soviel m ir bekannt ist und au s den Akten 
die Untersuchung g e fü h rt ' w orden sei. M eine feststeht, in  disziplinärer B eziehung zu Klagen B er- 
H erren, a ls die Beschwerden m ir am  15. August lassung gegeben, gilt a ls sachlicher, ruhiger, be­
von H errn S ta d tra t  S a m te r  überreicht w urden sonnener M an n . Alle diese M om ente zusam m en­
m it der B em erkung: „ D a s  sind ja beinahe V er­ genom m en werden es berechtigt erscheinen lassen, 
hältnisse wie in  M ieltschin!", w ar ich in  hohem daß ich, a ls der H err W ollm ann zu m ir kam, für 
M aße überrascht und —  ich gebe gleich zu —  auch die Richterschen Eheleute P a r te i ergriffen habe. 
überzeugt, daß hier maßlose Ü bertreibungen ob­ D arau f bin ich h inausgegangen zu der Anstalt, 
w alten  m üßten . M eine H erren, ich kenne die ebenfalls m it H errn  Bauinspektor W alter a ls Schrift­
Richterschen Eheleute seit vier Ja h re n , solange sie führer, und habe genau wie H err S ta d tra t  S a m te r  
die Anstalt leiten, und nicht n u r ich, sondern jedes verfahren und die K inder in Abwesenheit der 
K uratorium m itglied , vor a llen  D ingen  die H erren, E ltern  natürlich einzeln vernom m en und genau, 
die m it einer gewissen Regelmäßigkeit in  die Anstalt wie H err S ta d tra t  S a m te r , väterlich den K indern 
kommen. D as  ist z. B . H err Bauinspektor W alter, zugeredet und gesagt: m ir liegt ja daran , daß ihr 
der die bauliche Aufsicht über die Anstalt führt, der m ir die volle W ahrheit sagt, und w enn ihr euch 
Arzt, der Schatzmeister; —  sie alle, übrigens auch m it Recht beklagt, werde ich für Abhilfe sorgen. 
H erren außerhalb des K uratorium s, die gelegentlich D as E rgebnis ist von Stadtbauinspektor W alter 
und vielfach sogar m it mehrfachen W iederholungen ordnungsm äßig  zu P a p ie r  gebracht w orden; es 
nach dem W aisenhause gekommen sind, jeder hat deckt sich fast wörtlich, möchte ich sagen, m it dem vor­
m ir n u r  im m er erklärt, welchen unbefangenen, her eingeforderten schriftlichen Bericht des W aisen­
welchen fröhlichen, welchen vertrauensvollen  E in ­ vaters. Dieses M ateria l habe ich dem K uratorium  
druck die K inder machen. V on einer groben Züchti­ vorgelegt, und das K urato rium  hat beschlossen —  so 
gung hat n iem als jem and etw as gesehen oder ge­ ungefähr lau te t der Beschluß — : es n im m t m it 
hört. Ich  bin zu jeder —  Tagesstunde kann ich B efriedigung K enntnis von dem Ergebnis der 
nicht sagen; denn vorm ittags gehe ich nicht hin, Untersuchung und drückt den W aiseneltern das 
die K inder sind dann  nicht da, sie sind in  der Schule V ertrauen  aus. Diesen A usgang habe ich a lsdann  
—  aber Nachm ittagsstunde in  das W aisenhaus ge­ H errn  S ta d tra t  S a m te r  m itgeteilt. Trotz dieses 
kommen, und ich habe den W aisenhausvater im m er sehr erfreulichen Ergebnisses der Untersuchung 
in  heiterer Gemeinschaft m it den K indern im habe ich mich aber —  um  in keiner Weise die Ob­
G arten , auf dem Spielplatz, bei den Schularbeiten jektivität zu verletzen —  nicht entschließen können, 
oder sonst wie gesehen und niem als bei den K indern nun  etw a einseitig die P a r te i der E ltern  zu er­
eine T rän e , ein scheues oder gedrücktes Wesen be­ greifen. D er Wunsch der E ltern , die Knaben, 
obachtet. Alle M itglieder des K urato rium s, die vor allen D ingen den aufsässigsten von allen, den 
sonst noch B eziehungen zu den Kindern und ihren H ans M aaß , au s  dem  W aisenhause loszuw erden, 
A ngehörigen haben, sind von m ir gebeten worden, w ar ja verständlich. Als m ir dieser Wunsch au s­
irgendwelche ihnen zugänglichen In fo rm a tio n e n  gesprochen w urde, habe ich den Richterschen Ehe­
zu sam m eln und m ir zugänglich zu machen. H err leuten  gesagt: D aran  ist gar nicht zu denken, ihr
        
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