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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

518 Sitzung vom 24. November 1909
— an der Teppichstange abgespielt haben. Ich habe vorübergehenden Jungen , einen Laufburschen vom 
Willy M aaß selbst gesprochen und auch den zweiten Golfklub, an den Kopf getroffen und ihm eine 
Jungen , der heute genannt wurde, den Gondel, Beule zugefügt. D er Ju n g e  verlangte Sühne 
der beim Teppichklopfen beteiligt w ar; er sollte die und bezeichnete Willy M aaß als den Täter. Selbst­
S tange halten, und der andere sollte klopfen.^ Die verständlich war es nicht mehr als Pflicht und 
Sache war einfach so — und ich glaube, daß die Schuldigkeit des Hausvaters, wenn er nun den 
Ju n g en  mir vollständig die Wahrheit gesagt haben: Ju n g en  für sein Verhalten ganz gehörig züchtigte. 
die beiden hatten etwas gefaulenzt, namentlich Davon, daß er ibn zu Boden geworfen und mit 
Willy M aaß, und als die Arbeit zu Ende sein sollte, Füßen getreten hätte, ist keine Rede. Keiner von 
hatten sie noch nicht angefangen. Als nun die den Ju n g en  hat m ir das sagen können. Er hat 
F rau  des Hausvaters sagte: jetzt hole den S tuhl, seine Hiebe bekommen genau so wie in dem anderen 
um  die Teppiche abzunehmen, da sagte Willy M aaß Fall. Der Hausvater, der ein so ruhiger M ann ist, 
—  übrigens ein Knabe, der eine ganze M enge auf wie er nur gedacht werden kann, hat ihm einige 
dem Kerbholz hat, nicht so ein Unschuldsengel ist, Schläge übergezogen, die ihm nicht geschadet 
wie er erscheinen könnte; ich habe die Strafliste hier, haben.
er hat alle möglichen Vergehen begangen, von D ann ist von dem Ohrenabschnecden erzählt 
Kinderstreichen will ich nicht reden, Schneeball­ worden. D as ist das, was am schlimmsten aussieht: 
werfen usw., das haben wir alle einmal gemacht, der Hausvater gehe m it den Zöglingen so um, 
aber Diebstähle, Einbruchsdiebstahl und Unter­ daß er ihnen die Ohren halb abschneide 
schlagung sind darunter — (Zuruf des S tadtv . Zietsch)
(hö rt! hört!) — oder in die Ohren hineinschneide. Ich  will in 
die Sachen können alle urkundlich bewiesen werben, umgekehrter Reihenfolge die Fälle durchgehen, als 
und wenn sonst jemand es einsehen will, bin ich es Herr Zietsch getan hat.
gern bereit, das M aterial vorzulegen, ich will aber Den Ju n g en  Hosfmann habe ich nicht gesehen, 
dem Ju n g en  heute nicht diese Sachen zum Vor­ ich weiß nicht, ob er noch in der Anstalt ist, darüber 
wurf machen. Er macht sonst einen ganz netten kaun ich nichts sagen.
Eindruck und hat m ir ganz gut gefallen; ich bin Willy Hentsch ist ein sehr netter kleiner Ju n g e . 
angenehm überrascht gewesen, nachdem ich die Liste Ich fragte ihn gestern, als er hereinkam: „D u bist 
gelesen hatte. — Also die F rau  des Hausvaters auch geschnitten worden?" — „Jaw ohl." — „Wo 
sagte: jetzt nimm die Teppiche ab, und daraus denn?" — „Am Rücken, im Krankenhause Westend."
sagte d erJunge in feinem Trotz: „nun gerade nicht!" (Heiterkeit.)
D as hörte der Waisenvater, der in der Nähe stand, Ich schildere Ih n e n  die Unterhaltung so, wie sie 
und sagte: jetzt sollst du aber ordentlich etwas be­ sich gestern abgespielt hat. Ich fragte weiter: 
kommen — , und gab ihm dann m it dem Teppich­ „Bist du auch einmal in  die Ohren geschnitten 
klopfer ein paar „Jagdhiebe". worden?" —  „Niemals." — Ich fragte dann die 
(Zurufe bei den Sozialdemokraten. — Oberbürger­ anwesenden Geschwister M aaß: „W ißt ihr etwas 
meister Schustehrus: S ehr gut!) davon?" — Keiner wußte etwas. Ich  nehme an, 
D er Ju n g e  hat selbst gesagt: verdient habe ich sie. daß diese Erzählung auf die anscheinend etwas 
Der Junge, der geschlagen worden ist, wird natürlich hysterische M utter zurückgeht, die diese Angaben 
nicht gezählt haben, wieviel Schläge es gewesen gemacht hat, ohne sie irgendwie an O rt und Stelle 
sind; er wußte es auch nicht. Ich habe aber den zu prüfen.
Karl Gondek, der dabeistand, den einzigen Zeugen D ann sollen zwei Knaben, Karl Gondek und 
des Vorfalls, gefragt: „W as meinst du wohl, wie­ Erich Lehmann, m it der Rosenschere an den Ohren 
viel sind es gewesen, 10, 20, 100?" — „Na, so gezwickt worden sein. Ich habe die Schere in der 
etwa 7 können es gewesen sein." — D as ist die Hand gehabt und habe sie selbst an die Ohren der 
ganze Sache. Er hat mit dem Rohrstock 7 Hiebe Ju n g en  angelegt und gefragt: tu t das weh? Die 
über den Rücken bekommen. Ich gebe zu, er mag Ju n g en  haben es m ir alle bestätigt: keine S p u r! 
auch auf den Kopf etwas abbekommen haben, aber (S tadtv . Hirsch: S ie  haben aber nicht geschnitten?)
ohne Absicht. D er Ju n g e  sagt selbst: „Ich habe — Schneiden kann m an überhaupt nicht damit, es 
mich geduckt" —, und Karl Gondek bestätigt das ist eine Drahtschere. — Der Vorfall hat sich so ab­
auch, dabei sind vielleicht ein paar Klapse m it auf gespielt: die Ju n g en  sollten Kohlen tragen. I m  
den Kopf gekommen. Daß er in Ohnmacht ge­ Hause sind keine Dienstboten, sie müssen selbst alle 
fallen ist — nichts davon ist wahr. Ich habe ein­ Arbeit machen. Wie sie sagten, hatten sie „ihr Amt 
gehend danach gefragt. Er hat Hiebe bekommen, nicht verrichtet". Als der Hausvater, der gerade in 
die er verdient hat, und sie haben ihm nichts ge­ der Werkstatt beschäftigt war und die Drahtzange 
schadet; er ist jetzt ganz m unter. in der Hand hielt, das merkte, rief er den Ju n g en  
D er zweite Vorfall war am 24. J u n i 1909. zu: „Kommt einmal her, ihr sollt einen Denkzettel 
D er Ju n g e  soll da m it einem Ausklopfer auf haben" — und kneipte sie m it der Drahtschere, 
Schultern und Kopf geschlagen und zu Boden ge­ einer flachen Zange, in die Ohren, ohne daß sie 
stoßen worden sein. D as ist wohl eine Verwechslung Schaden oder Schmerzen davon gehabt haben. 
des Herrn S tadtv . Zietsch. D er erste Vorfall hat Einer sagte, er hätte einen B lutstropfen gehabt, 
•sich nicht an der Teppichstange, sondern auf der aber keinen Schmerz empfunden. Ich  fragte die 
S traße beim Schneebällen abgespielt. Ju n g en : „W äre es euch lieber gewesen, ihr hättet 
(S tad tv . Zietsch: Ich  habe nur von dem zweiten m it dem Stock etwas bekommen?" — „Nein, das 
Fall gesprochen!) hätte mehr weh getan." — D as ist die ganze Sache.
Der eine war jedenfalls im J u l i  1909. D er Vorfall Der vierte Fall betrifft einen Ju n g en  W alter 
im Winter, den er erw ähnt hat, wird sich wohl M aaß, einen von den Geschwistern M aaß, die heute 
beim Schneebällen abgespielt haben. Die Ju n g en  aus disziplinären Gründen aus der Anstalt entfernt 
hatten mit Schneebällen geworfen. Einer hatte und in eine andere Anstalt gebracht worden sind. 
einen S te in  in den Schneeball getan und einen Meine Herren, W alter M aaß ist ein Ju n g e , über
        
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