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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

5 1 6 Sitzung vom 24. November 1909
strat a ls  vorgesetzte Behörde der Gemeindeschul lnahm  nach der Aussage des Beschwerdeführers 
leh re t nicht dulden, daß ein Gemeindeschullehrer eine auffallend freundliche S te llu n g  fü r den H aus­
sich in  dieser Weise überanstrengt, wie das, w enn vater R ichter ein. Auf den Wunsch des Beschwerde­
beide Ä m ter gewissenhaft versehen w erden sollen, führers, daß die Sache untersucht w erden möge, 
unbedingt der F a ll sein m uß. D er H ausvater hat ohne die Öffentlichkeit dam it zu berühren —  denn 
doch nicht n u r fü r  die A nleitung, die Anweisung der betreffende Beschwerdeführer steht ja  auch im  
der K inder nach dieser und jener S e ite  zu sorgen; Dienste der S ta d t  a ls A rm en- und W aisenpfleger 
S ie  w erden es ja  eventuell noch hören, daß es sich und ihm  w ar darum  zu tun , daß nicht irgendein 
da um  ganz besonders wilde R angen  handelt, auch M akel auf die A rm en- und W aisenpflege von 
um  Kinder, die vielleicht geistig nicht so vollwertig C harlo ttenburg  fällt —  ist m an  wohl eingegangen, 
sind wie andere. Weil es sich aber um  solche Kinder aber m an  hat den Beschwerdeführer bis gestern 
handelt, ist hier eine um  so sorgsamere P flege er­ ohne jede Nachricht gelassen.
forderlich, eine um  so größere Aufmerksamkeit und (H ört! h ö rt! bei den Sozialdem okraten.)
Obacht am  Platze. D aß das a lles nicht im  N eben­
am te geleistet w erden kann, m üßte  doch jedem  ohne Ic h  glaube m it Recht, die B ean tw ortung , die ihm  
w eiteres klar sein. Hinzu kommt noch, daß der erst gestern zuteil gew orden ist, auf die S te llu n g  
H ausvater sich nicht n u r um  das geistige W ohl der unseres A ntrages zurückführen zu können. W äre 
K inder küm m ern, sondern auch noch darauf bedacht die B ean tw ortung  früher erfolgt, so w äre die 
sein soll, die ökonomischen Verhältnisse der W aisen­ S te llu n g  eines A ntrages vielleicht gar nicht nötig 
anstalt zu regeln : er soll fü r die N ahrung  sorgen, gewesen, dann  hätten  w ir die Sache eventuell 
soll auch darauf sehen, daß die K inder anständig anders verfolgt. Nachdem aber auf diesem W ege 
gekleidet sind, usw. usw. durchaus keine A uskunft zu erzielen w ar, den 
S ie  w erden m ir zugeben, daß in  dem Zustande, L euten, die sich darum  bem üht hatten , die Sache 
wie er jetzt in  dem W aiscnhause besteht, ein W andel klarzustellen und eventuelle M ißstände beseitigt zu 
ein treten  m uß. W ir fordern einm al, daß der sehen, keine Rechtfertigung zuteil w urde, m ußte 
M agistrat den Gemeindeschullehrern solche N eben­ die sogenannte Flucht in  die Öffentlichkeit an ­
arbeiten  nicht gestattet. V or allen  D inge aber getreten  w erden. Und w enn S ie  n u n  schreien: 
möchten w ir darauf dringen, daß die P flege, wie S ie  zerren ja  den M an n  in  die Öffentlichkeit, S ie  
sie die W aisenpfleglinge erhalten  müssen, nicht m ehr zerstören sein R enom m ee! —  dann  sind das nicht 
im  N ebenam te ausgeübt werde. E ntw eder kann wir, sondern es sind nach unserer Auffassung die 
der B etreffende sein A m t als Lehrer nicht voll­ am tlichen S te llen , die so überaus freundlich für 
kommen ausfü llen , oder er kann a ls  W aisenpfleger den Richter handeln  w ollten und durch ihre zu 
seiner Pflicht nicht voll genügen. weit getriebene Zugeknöpftheit gegenüber dem 
M eine H erren, ich komme noch auf einen andern  Beschwerdeführer gerade das Schlechtere fü r den 
P unkt, der auch in  den Z eitungsnotizen  behandelt Richter herbeigeführt haben. D ie Öffentlichkeit 
w orden ist. W ir sollen den Lehrer durch die hat, wie ich m eine, ein  In teresse  daran , zu erfahren, 
Öffentlichkeit gezerrt, w ir sollen sein R enom m ee wie es um  diese D inge in  der W aisenanstalt steht. 
dadurch angegriffen haben, daß ü b erhaup t der E s braucht nicht gerade ein A rm enpfleger zu sein, 
A ntrag  veröffentlicht w orden ist. I s t  es  denn unsere der sich beschwerdeführend an  irgendeine amtliche 
Schuld, daß es dazu gekommen ist?  E s w ar durch­ In s tan z  w endet, der das Recht hätte , eine A us­
au s  nicht die Absicht des Beschwerdeführers, die kunft über den A usgang der Untersuchung zu 
Sache in  der Öffentlichkeit zu verhandeln, sondern bekommen, sondern jeder G em eindebürger in  
er h a t sich alle M ühe gegeben, das auf dem in ­ C harlo ttenburg  hat m einer Auffassung nach das 
stanzenm äßigen W ege zu erledigen. Recht, w enn ihm  irgendwelche M ißstände in  einer 
(S e h r richtig! bei den Sozialdem okraten.) öffentlichen Anstalt zu O hren gekommen sind, 
S ie  haben gerade dieses M al einen F all, der Auskunft darüber zu verlangen, wie es m it diesen 
eigentlich das G egenteil von dem beweist, w as S ie  D ingen  bestellt ist. M an  hätte  also in  diesem F alle  
uns im m er unterstellen. K om m en wir m it irgend­ seitens des M agistrats wesentlich anders handeln 
einer Sache an  die Öffentlichkeit, a n  die Presse, können. D as  will ich n u r nebenbei gesagt haben. 
so erheben S ie  ein großes Geschrei darüber und Die Öffentlichkeit ist jetzt von den D ingen  u n te r­
werfen u n s  vor: „W arum  macht ih r d a s?  W arum  richtet, sie ha t ein w eitgehendes In teresse  daran , 
geht ih r nicht den instanzenm äßigen Weg und über diese Sache aufgeklärt zu werden.
w arte t nicht ab, w as darüber vom M agistrat gesagt M eine H erren, ich gestehe I h n e n  ohne w eiteres 
werden w ird ! ? ' D iesm al ist der instanzen­ das Recht zu, in die A usführungen, die ich gemacht 
m äßige Weg eingehalten w orden. D ie erste habe, nam entlich in  die angeführten  einzelnen 
Anzeige ist am  13. August beim  H errn  S ta d tra t  F älle , weitgehendste Z w eifel zu setzen. E s  w ürde 
S a m te r  erstattet w orden. D er Beschwerdeführer u ns auch n u r angenehm  sein, w enn S ie  der M einung 
ist dann  a n  den H errn  B ürgerm eister M attin g  w ären, es m it der heutigen Aussprache nicht genug 
verwiesen w orden. V on H errn  B ürgerm eister sein lassen zu können. W ir sind jedenfalls bereit, 
M atting  hat er keine V orladung bekommen, son­ in einem  Ausschüsse die Sache noch näher zu be­
dern er ha t sich nachher, da er sehr stark an  dem  sprechen; denn u n s ist es in diesem F alle  durchaus 
A usgange der Sache interessiert w ar, a u s  eigenem nicht u m  irgendeine Sensationsm ache zu tun . 
A ntriebe zum  B ürgerm eister M attin g  begeben W ir haben so lauge d am it zurückgehalten, wie wir 
und ihn gefragt, wie die D inge stehen. Schon bei zurückhalten konnten. W ir wollen n u r  die vor­
dieser U nterredung hat H err B ürgerm eister M attin g , handenen M ißstände, die nach dem M ateria l, das 
che überhaup t von anderer S e ite  eine U nter­ uns un te rb re ite t w orden ist, vorliegen, beseitigen, 
suchung, die dam als gep lan t w ar, veranstaltet und und w ir wollen gern  m it Ih n e n  zusam m enarbeiten, 
eröffnet w orden w ar, die Auffassung vertre ten , da es sich hier um  die W aisen, die Ärmsten der 
daß irgendwelche Schuld den betreffenden B eam ten  A rm en, handelt.
nicht treffen  könne. H err Bürgerm eister M atting (B rav o ! bei den Sozialdem okraten.)
        
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