Path:
Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

504 Sitzung vom 24. November 1909
seinen vollen Lohn zahlen; ich bezahle m eine A r­ nicht in seinem S in n e  ausnutzen kann. D a ran  ist 
beiter nicht stündlich, sondern täglich und wöchentlich, aber der Direktor der Fortbildungsschule keineswegs 
und ich habe dem Ju n g e n  auch nie e tw as abgezogen. schuld, sondern die städtischen Körperschaften, 
—  D arau f habe ich die A ntw ort bekommen, und die derartig  beschlossen haben; und ich m eine, sie 
zw ar wohl m it Rücksicht darauf, daß ich gesagt haben m it guten  G ründen  so beschlossen: sie w ün­
hatte , er lernte in  der Schule doch nichts: daß er schen, daß die jungen  Leute in  einer Z eit zur F o r t­
nach Ansicht der Lehrer —  nach § 2, glaube ich, bildungsschule gehen, in  der sie vollständig frisch 
■— derartig  gefördert sei —  oder, wie das sonst und aufnahm efähig  sind,
ausgedrückt w ar — , daß er von jetzt an  au s der (S e h r richtig!) 
Fortbildungsschulpflicht entlassen w ürde. M eine in der sie wirklich gefördert w erden können.
H erren, der J u n g e  hat nichts gekonnt, als er in (sehr richtig!)
die Fortbildungsschule hineinkam  —  er ist, glaube D a ra n  können w ir nichts ändern .
ich, nicht über die vierte Klasse der Volksschule Es ist ferner bem ängelt w orden, daß vor Fest­
hinausgekom m en — , und er kann jetzt noch w eniger, setzung des S tu n d en p lan s  zu wenige gehört w orden 
als er vorher gekonnt hat. sind. M eine H erren, ich bebaute lebhaft, daß ich 
(Heiterkeit.) den H errn  S tad tv . Z ander nicht m it dazu einge­
Aber nach der Überzeugung der H erren Lehrer ist laden habe. Ich  hoffe, es wird ihm  das nächste 
er jetzt vollkommen reif. M einer Überzeugung nach M al G elegenheit gegeben werden, m it u n s zu ra ten  
ist er vollkommen unreif und gar nicht zu gebrauchen. und zu ta ten . G ehört sind tatsächlich eine große 
D an n  kommt noch ein Punkt, den ich er­ Anzahl; der H err R eferen t hat es ja  verlesen, wie 
w ähnen  möchte: die S tra fe n , die in  der F o r t­ viele eingeladen w orden sind. Ich  möchte dem  noch 
bildungsschule festgesetzt w erden. M eine H erren, hinzufügen, daß auch von feiten des D irektors 
sollen denn die Chefs bestraft w erden oder die w iederholt eine große Anzahl von G ew erbe­
J u n g e n ?  W enn so ein Lausejunge —  kann ich treibenden, K aufleuten sowie H andwerkern, ge­
ganz ruhig sagen -------- hört w orden sind. Speziell als es sich darum  handelte, 
(U nruhe, Heiterkeit und Z urufe .) ob m an  das auf pädagogischer S e ite  e tw as bedenk­
—  J a ,  m eine H erren, leider gibt es so viele u n te r lich erscheinende Experim ent durchführen sollte, 
diesen B engels: acht T age arbeiten  sie, dann  laufen 6 S tu n d e n  an  einem  Tage h in tereinander zu u n te r­
sie fort, und dann  kommen die E ltern  und bitten  richten, sind viele K aufleute, zwei bis drei Dutzend, 
und flehen: w as sollen w ir m it dem  J u n g e n  an­ gehört w orden, und es sind m indestens ebenso 
fangen —  und m uten  dem  Chef zu, er soll ihn ver­ viele von den Handwerksm eistern gehört w orden. 
hauen. D as habe ich hundertm al bei m ir gehabt. D ie ersteren haben in überw iegender M ehrzahl, 
W enn so ein J u n g e  D um m heiten  in  der Schule die zw eiten nahezu einstimmig, teilweise auf 
macht, fü r die er verprügelt w erden m üßte, m einer Jnnungsbeschluß, zugestimmt. Hierbei ha tten  
Ü berzeugung nach, dann  heißt es einfach: er sitzt also sehr viele Gelegenheit, ihre M einung  bez. 
zwei S tu n d e n  nach. D ie J u n g e n  freuen  sich, des S tu n d en p lan s  zum  Ausdruck zu bringen. 
daß sie auf diese Weise zwei S tu n d e n  faulenzen Als w ir diesm al die H erren zusam m enberufen 
können; sie sitzen zwei S tu n d e n  w ährend der h a tten  und ihnen den S tu n d en p lan  vorlegten, 
A rbeitszeit nach, und der Sehrchef bezahlt sie da ist n u r  von einer einzigen S e ite  ein E inw and 
w eiter. M a n  sollte sie abends oder S o n n ta g s  nach­ erhoben w orden, und den haben w ir berücksichtigt. 
sitzen lassen, wo sie sich doch herum treiben, w enn D arau s , daß so wenige E inw endungen  von den 
die E ltern  nicht die M acht gegen sie haben, und E inberufenen gemacht w orden sind, möchte ich 
m an sollte nicht die Chefs dam it bestrafen. D as doch zu schließen bitten, daß der von seiten des 
ist m eine Überzeugung, und ich glaube, daß es die D irektors vorgeschlagene, von feiten der D ep u ta tion  
Überzeugung aller derjenigen sein wird, die es und des M agistrats genehm igte S tu n d en p lan  nicht 
gut m it den B ürgern  in  C harlo ttenburg m einen so viele M ängel gehabt haben kann.
und die wollen, daß die Handwerker und F a b ri­ W enn im  Laufe des Sem esters einm al ein 
kanten zu ihrem  Rechte kommen. Lehrer plötzlich erkrankt, dann  ist es meist gar nicht anders möglich, als daß m an  den Unterricht zu der 
M eine H erren, ich schließe m eine Rede dam it, ursprünglich angesetzten Z eit zunächst ausfallen  
daß ich sage: ich bin ein großer F reund  der F o r t­ läßt und zu einer anderen Z eit gibt, in der ein 
bildungsschule, w enn die Fortbildungsschule auf Lehrer gerade frei ist. D as  bedauern  wir selbst 
der B asis betrieben wird, daß jeder dabei zu seinem au fs lebhafteste, w enn ein solcher F a ll vorkommt. 
Rechte kommt, der J u n g e , der Lehrer und  der E in solcher ist jedenfalls auch die Ursache der u n a n ­
Handwerksmeister. genehm en E rfahrung  gewesen, über welche der 
H err S tad v . Z ander sich beklagt hat. Leider w erden 
S ta d tsc h u lra t D r. R e n f e r t : M eine H erren, w ir das nicht ganz beseitigen können.
die letzten W orte des H errn  V orredners haben D an n  w erden w ir auch nicht in  der Lage sein, 
mich sehr erfreu t; schade, daß ich au s den übrigen fü r solche G ew erbetreibenden, die n u r eine außer­
W orten seiner Rede nicht denselben Eindruck ge­ ordentlich geringe Z ahl von Lehrlingen nach der 
w innen konnte. E s ist von dem H errn  V orredner Fortbildungsschule senden, besondere Klassen zu 
getadelt w orden, daß der S tu n d e n p la n  von dem errichten. Ich  weiß es natürlich nicht, aber der 
Leiter der Fortbildungsschule in  einer Weise fest­ H err S tad v . Z ander wird es vielleicht wissen, 
gesetzt w ürde, die die G ew erbetreibenden schädige. wieviele F ärberlehrlinge in  C harlo ttenburg  sind; 
Natürlich, w enn die K inder zwischen 7 Uhr m orgens sicher sind es nicht über zehn. M eine Herren, 
und 7 Uhr abends, wie das unser O rtssta tu t vor­ w enn 10 sich auf 7 Sem ester verkeilen, dann  w erden 
schreibt, eine Anzahl von S tu n d en  nach der F o r t­ bestenfalls zwei in einem  Sem esterkursus ver­
bildungsschule gehen müssen, so m uß der betreffende einigt sein. Selbst w enn wir alle diese verschiedenen 
Lehrherr sie w ährend dieser Z eit entbehren, und Sem ester in  1 Kursus zusam m ennehm en w ollten, 
das wird er em pfinden, da der sie währenddessen auch dann  w ürde die Z ah l noch nicht ausreichen,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.