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Periodical volume 24. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

5 Q2  Sitzung vom 24. November 1909
Ehe der M agistrat die Stundenpläne festsetzte, Stabt». Zander: Meine Herren, im Gegensatz 
hat er beteiligte Kreise aus der Bürgerschaft ge­ zu dem Herrn Referenten bin ich der Überzeugung, 
hört, Kaufleute, Handwerksmeister und Arbeit­ daß das Kammergerichtsurteil durchaus erwünscht 
nehmer. Diese beteiligten Kreise haben einer Ein­ gekommen ist, erwünscht wenigstens für die Ge­
ladung des Magistrats Folge geleistet, von den werbetreibenden Charlottenburgs, und daß dadurch 
Kaufleuten freilich von 10 Eingeladenen nur 4, anerkannt ist, daß diese Gewerbetreibenden nebenbei 
von den Handwerksmeistern —  es war der Jnm m gs- auch existenzberechtigt sind und daß nicht von dem 
ausschuß eingeladen — von 14 Eingeladenen Leiter der Fortbildungsschule ohne weiteres ein 
sämtliche 14 und von den Arbeitnehmern, von denen S tundenplan festgelegt werden kann, der die 
auch 14 eingeladen waren, 13 und der 14. nur des­ Handwerker und Gewerbetreibenden in ihren I n ­
halb nicht, weil er verzogen war. Diese überaus teressen schädigt, auch daß es nicht in der Hand des 
rege Teilnahme einmal der Handwerksmeister und Herrn Fortbildungsschuldirektors liegen darf, im 
zum zweiten der Arbeitnehmer beweist, daß in den Laufe eines halben Jah re s  willkürlich Stunden 
beteiligten Kreisen unserer Bürgerschaft an den zu verändern und ganz einfach von einem zum 
Angelegenheiten der Fortbildungsschule das regste andern Tage oder von zwei zu drei Tagen die 
Interesse genommen wird. Wir können uns dieses Ju n g en  ohne Rücksichtnahme auf ihre Arbeitgeber 
Interesses nur freuen. Aber es muß bei dieser hinzubestellen. Die Entscheidung des Kammer­
Gelegenheit doch ausgesprochen werden, daß in gerichts hat ja nun vorgeschrieben, daß interessierte 
letzter Zeit gerade zwischen den beteiligten Kreisen Kreise über dieses Ortsstatut gehört werden sollen. 
der Bürgerschaft und der Fortbildungsschule selbst Es steht auch in der Vorlage, daß diese Kreise gehört 
gewisse Unstimmigkeiten entstanden waren, die zu worden sind, und wir haben das auch vom Herrn 
allerlei Erörterungen auch in der Presse geführt Referenten gehört. Aber aus dem Kreise meiner 
haben. Ich habe es deshalb m it besonderer Freude Fachgenossen ist niemand gehört worden, und so 
begrüßt, als ich in den Akten einen Vermerk des ist es denn auch gekommen, daß z. B. die Färber­
Herrn Stadtschulrats fand, daß er auf den aus­ und Detacheurlehrlinge m it den Schneidern' zu­
gesprochenen Wunsch des Jnnungsausschusses bereit sammengebracht worden sind. D as ist ungefähr 
sei, den Jnnungsausschuß auch noch einmal zu genau dasselbe, als ob ein Jurist oder ein Mediziner 
empfangen, um  die Wünsche, die dieser Ausschuß bei einem Theologen Vorlesungen hört. Die F o rt­
habe, bezüglich der Änderung des Ortsstatuts für bildungsschule zerfällt in eine Pflichtfortbildungs­
die männliche Fortbildungsschule entgegenzunehmen. schule und in eine Fachschule, wenn ich mich so 
Diese Unterredung zwischen dem Stadtschulrat und ausdrücken soll. Die Fortbildungsschule ist nicht 
dem Jnnungsausschuß hat am letzten M ontag statt­ bloß dazu da, die Ju n g en  im Deutschen, im  Rechnen, 
gefunden. S ie  finden in der heutigen Num m er der im Zeichnen auszubilden — das fällt bei meiner 
„Neuen Zeit" darüber einen Bericht. Dieser Bericht Kategorie vollständig weg — , sondern beschäftigt 
ist insofern etw as irreführend, als er nur die­ sich auch m it Kalkulation und anderen Sachen. 
jenigen Wünsche zusammenstellt, die der Jn n u n g s­ Wie denken sich das nun die Herren von der F o rt­
ausschuß bezüglich der Änderung des O rtsstatuts hat. bildungsschule, wenn ein Färber oder Detacheur 
Es sind nicht alle diese Wünsche in der Unterredung in der Kalkulation der Schneider unterrichtet werden 
erörtert worden, sondern die Wünsche 3, 4 und 5 soll? M eine Herren, ich glaube Ih n e n  ja gern, 
sind von der Erörterung ausgeschlossen worden. daß mein Fach hier in Charlottenburg nur gering 
Uber die übrigen Wünsche hat m an sich unterhalten, vertreten ist und daß es sehr schwer sein wird, es 
und ich habe nach privater In fo rm ation  bei dem irgendwo einzureihen. Aber dann sollte man 
Herrn Stadtschulrat erfahren, daß man im großen lieber die Ju n g en  von diesen S tunden  vollständig 
und ganzen zu einer gemeinsamen Basis und zu dispensieren und sie nicht derartig für ihr späteres 
dem verheißungsvollen Anfang einer Verständigung Leben schädigen, daß sie falsche Sachen lernen, 
gekommen ist. Ich muß ausdrücklich erklären, daß die sie dann nachher von dem Lehrherrn zu Hause 
ich mich über dieses Ergebnis außerordentlich freue. redressieren lassen müssen, dam it sie andere An­
Ich meine, es muß das Ziel sein, wenn unsere sichten für das spätere Leben bekommen, wie es 
Fortbildungsschule den Segen wirken soll, den wir in der Fachschule gelehrt wird. Außerdem wird in 
von ihr erwarten, daß sie nach Möglichkeit Hand der Pflichtfortbildungsschule derart auf die Jungen , 
in Hand mit den beteiligten Kreisen, vor allem die in ihrem dummen Verstände noch nicht das ver­
m it den Handwerksmeistern arbeitet. Durch diese stehen, was gelehrt wird, eingewirkt, daß ganz 
Unterredung ist dazu ein Anfang geschaffen worden, merkwürdige Id e en  im Kopfe dieser Ju n g en  ent­
und ich hoffe, daß in recht baldiger Zukunft die stehen. So existieren dort gedruckte Form ulare, 
ganze Angelegenheit eine Lösung finden wird, die worin die Ju n g en  darauf aufmerksam gemacht und 
den berechtigten Wünschen unserer Handwerks­ hingewiesen werden, wie sie ihre Lehrchefs verklagen 
meister entspricht, ohne daß dadurch pädagogische sollen. M eine Herren, ich weiß nicht, ob das 
Grundsätze, die aufrecht erhalten werden müssen, richtig ist — es existiert sogar ein gedrucktes Form u­
irgendwie berührt werden. lar darüber — , daß m an diesen unreifen Ju n g en  
Der Zustand, der durch die Entscheidung des derartige Sachen in den Kopf setzt. Es mag ja - 
Kammergerichts geschaffen ist, ist ein höchst uner­ sehr gut gemeint sein, es mag davon ausgegangen 
wünschter und kann nicht gut dauernd gelten. werden, daß m al ein Schubiak unter den betreffen­
Deshalb bringe ich noch zu Ih re r  Kenntnis, daß den Prinzipalen sein kann, der ihnen den Lohn 
in der Deputation für das städtische Fortbildungs­ vorenthält. Aber dazu gibt es doch Rechtsstellen. 
schulwesen der Antrag angenommen worden ist, der Wir haben eine Rechtsschutzstelle beim Magistrat, 
Preußische S tädtetag  möge bei der S taatsregierung m an braucht doch nicht diesen unreifen Ju n g en  so 
Abänderungen der Reichsgewerbeordnung beantra­ etwas in  den Kopf zu setzen und in ihnen die Id e e  
gen, die diesen Zustand beseitigen. B is dahin müssen festigen, daß sie auf jede Art und Weise alle Augen­
wir uns dem Urteil fügen, und aus diesem Grunde blicke gegen ihre Lehrherren klagen können. So 
bitte ich S ie, der M agistratsvorlage zuzustimmen. fassen diese Ju n g en  es auf.
        
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