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Periodical volume 10. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

4 9 2  Sitzung Dom 10 Roveinber 1909
Haltung der Sonn- und Feiertage — richtig gesagt, sind, sondern im Gegenteil, die S traßen , die früher 
meine Herren, ist es ja gar keine Verhängung der durch das Verhängen der Schaufenster verödet 
Schaufenster, es ist eine L a p p e n  P a r a d e ;  waren, haben sich belebt. Und das werden wir auch 
ich meine, das ist der richtige Ausdruck dafür — , erleben. Wenn wir S onntags oder Festtags durch 
(S tad tv . M eper: Sehr richtig!) die S traßen  gehen, haben die S traßen , die sonst 
absolut n i c h t s  zu tun hat. E s h a n d e l t  große Verkehrsstraßen sind, ein ödes Aussehen, ja 
sich um di e  B e s e i t i g u n g  e i n e r  m an muß sich oft wundern, daß die Polizei nicht oft 
s c h r e i e n d e n  U n g e r e c h t i g k e i t .  Meine einschreitet, um  die Lappen, wie der Herr Referent 
Herren, die Ofsenhaltung ist gestattet — es hat sich richtig sagte, zu entfernen.
schon wieder geändert seit zwei Jah ren  — i m (Sehr richtig!)
R e ic h  in Bauern, W ürttembrg, Sachsen-Weimar, Es sind Vorhänge zu sehen, die oftmals jeder Be­
Oldenburg, Braunschweig, Sachsen - Meiningen, schreibung spotten, und ich meine, das trägt doch 
Sachsen-Koburg-Gotha, Reuß j. L., in den drei nicht zum Ansehen einer S tad t bei. Wir halten es 
Hansestädten, in Elsaß-Lothringen, und kürzlich ist für praktisch, daß dieser Antrag angenommen wird. 
das Berbot in Sachsen-Altenburg nach dem Re­ Ob er nun in dem dunkeln Brandenburg —  d. H. 
gierungsantritt des neuen Herzogs aufgehoben; der Provinz Brandenburg — wirklich zur Aus­
in P r e u ß e n  existiert das Berbot nicht mehr in führung gebracht wird, daran zweifeln wir ja. 
Hannover, Schleswig-Holstein, Westfalen, Rhein­ Aber wenn die Anregung wiederum von dieser 
land, Ostpreußen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stelle aus gegeben wird, vielleicht trägt das dazu 
Schlesien, Sachsen; außerdem ist das Berbot auf­ bei, daß das dunkle Brandenburg endlich einen 
gehoben in den S täd ten  Freiburg, Karlsruhe, kleinen hellen Punkt bekommt.
M annheim  und Pforzheim. Meine Herren, nur in 
G r o ß - B e r l i n  und in der gesamten Mark Stadtv. M eyer: M eine Herren, ich bin selbst­
Brandenburg und noch einigen dunklen Bundes­ verständlich m it den außerordentlich zutreffenden 
staaten und Provinzen müssen die Schaufenster Ausführungen des Herrn Antragstellers durchaus 
v e r h ä n g t  werden. einverstanden und spreche meine besondere Freude 
M eine Heren, es ist ja kein Wort mehr darüber darüber aus, daß auch mein Herr Vorredner ihm 
zu sagen, daß selbstverständlich das u n u n t e r ­ zugestimmt hat. Ich darf daraus schließen, daß der 
b r o c h e n e  O f f e n h a l t e n  d e r  S c h a u »  Herr Vorredner m it m ir bedauert, daß die Organi­
f e n st e r i n G r o ß - B e r l i n  f ü r  d i e  sationen der Handlungsgehilfen die objektiven T a t­
G e w e r b e t r e i b e n d e n  v o n  d e r  g r ö ß t e n  sachen verkannt haben, als sie — und dam it haben 
B e d e u t u n g  ist. Tatsächlich liegen doch die sie ja leider der Verfügung die Begründung ge» 
Verhältnisse so, daß viele Leute die ganze Woche gegeben — sich gegen das Aufheben des Ver­
bis spät abends beschäftigt sind und gar nicht in der hängungsgebotes ausgesprochen haben. Wir alle, 
Lage sind, die Schaufenster überhaupt noch anzu­ die wir der Organisationsbewegung freundlich 
sehen. Ih n e n  würde Gelegenheit dazu gegeben gegenüberstehen, müssen es mißbilligen, wenn das 
werden, wenn die Schaufenster immer offen ge­ gewerkschaftliche Prinzip ü b e r s p a n n t  wird, 
halten werden könnten; es würden alle sehen, was wie es in diesem Falle geschehen ist, gegen das 
ausgelegt ist und dann, wenn sie selbst keine Zeit wohlverstandene Interesse der Handlungsgehilfen. 
hätten, die W aren einkaufen lassen. Vielleicht würden D as Interesse der Gewerbetreibenden verlangt 
auch die Kneipen an Sonn- und Festtagen weniger jedenfalls die Aufhebung des Verbotes, und wir 
besucht werden, als dies jetzt der Fall ist. wünschen dringend, daß in diesem Falle, wo es 
Ich  gebe mich der Hoffnung hin, daß die Vor­ ohne jede Schädigung der Angestellten geschehen 
stellung den Erfolg haben wird, daß s c h o n  z u m  kann, das Interesse der Gewerbetreibenden seine 
W e i h n a ch t s f e st das Verbot der Offen­ Berücksichtigung findet.
haltung vielleicht a u f g e h o b e n  sein wird. 
Meine Herren, es ist ja ein sehr vermessener Wunsch, Stadtv. Zietsch: M ein Freund Gebert hat 
wenigstens für den, der weiß, wie langsam die selbstverständlich nur aus der Erwägung heraus für 
Staatsbehörden vielfach arbeiten. Aber vielleicht den Antrag gesprochen, daß durch die Verwirk­
hat der neue Herr Oberpräsident — es ist ja ein lichung des vorliegenden Antrages die bestehende 
Wechsel eingetreten — ein wärm eres Herz als der Sonntagsruhe der kaufmännischen Angestellten in 
verflossene Präsident. Wir müssen mit aller Energie keiner Weise tangiert oder eingeschränkt wird.
die vorliegende Ungerechtigkeit zu beseitigen suchen, (S tadtv . M eyer: Selbstverständlich!)
und ich bitte S ie, meine Herren, e b e n s o  e i n »  Wenn die Handlungsgehilfen sich gegen die Offen­
st i m m i g  , wie meine Fraktion meiner Bitte ge­ haltung der Schaufenster an Sonntagen gewendet 
folgt ist, um Ih re  Zustimmung zu dem gestellten haben, so kann es nur auf Grund von Vorfällen 
Antrage. gewesen sein, durch welche die Sonntagsruhe ein­
geschränkt worden ist. Wenn das aber nachge­
Stadtv. Dr. S tadthagen : Ich habe nam ens wiesen ist oder nachgewiesen werden könnte, dann 
meiner Fraktion zu erklären, daß wir auch für den müssen wir uns selbstverständlich auf den Boden 
Antrag stimmen werden. der Anschauung der Handlungsgehilfen stellen. Aber 
wir sind der Ansicht, daß, wenn es sich um  kleine 
Stadtv. Gebert: Ich habe zu erklären, daß Geschäfte handelt, die Offenhaltung der Schau­
auch wir m it diesem Antrage einverstanden sind. fenster an Sonntagen sich durchführen läßt, ohne daß 
Wir glauben auch betonen zu können, daß das die Handlungsgehilfen dadurch in Anspruch ge­
Verhängen der Schaufenster oder das Nichtver- nommen zu werden brauchen.
hängen der Schaufenster m it den kirchlichen E in­
richtungen nichts zu tun hat. Ich weiß aus Hamburg, Stadtv. Gebert: Ich will nur auf eins hin­
daß dort dieses Verbot aufgehoben ist, daß dort weisen. Es hgt sich auf Grund vieler Verhandlungen 
etwaige Beschwerden und dgl. nicht eingegangen vor den Kaufmannsgerichten und auch anderer
        
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