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Periodical volume 10. Februar 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

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Oberbürgermeister Schustehrus: Meine Herren, gewisse Schwierigkeiten, die vorliegen, wenn man 
die Anregung des Herrn Stadtv. Dr Stadthagen sich durch alles hindurchfinden w ill. Auch in den 
könnte in diesem Saale oder außerhalb desselben so letzten 8 Tagen habe ich wieder ähnliche Urteile 
verstanden werden, als ob unsere Kasseneinrichtun­ gehört. Aus diesen Gründen habe ich m ir den 
gen nicht auf der Höhe der Zeit ständen, als ob Un­ Vorschlag erlaubt, die sachverständige Kenntnis 
ordnung vorhanden wäre, als ob nicht genügend von Personen, die außerhalb der Stadtverwaltung 
dafür gesorgt wäre, daß alles ordnungsmäßig vor stehen, für uns zu verwerten, und ich möchte das 
sich geht. Um diesem eventuellem Eindrucke vor­ noch einmal erläutern. Der Herr Oberbürgermeister 
zugreifen, halte ich mich doch verpflichtet, einige hätte nur den Satz, den ich das vorige M al ge­
Worte zu sprechen. sprochen habe, zu lesen brauchen, um zu sehen, wie 
Meine Herren, w ir haben uns, nachdem sich unbegründet die Auffassung ist, der er eben Worte 
die städtische Verwaltung vergrößert und besonders verliehen hat. Ich habe damals gesagt: „Aber, 
die Finanzverwaltung einen sehr erheblichen Raum meine Herren, ohne dem Magistrat zu nahe treten 
in unserem Geschäftsbetrieb eingenommen hatte, zu wollen, daß er nicht alles getan hat, um das 
für verpflichtet erachtet, und Sie m it uns, einen Kassenwesen zu vereinfachen, empfiehlt es sich doch, 
Kämmerer in unserer Verwaltung anzustellen. immer neue Kräfte heranzuziehen, die aus ihrer 
Nachdem der neue Herr Kämmerer sich eingearbeitet Praxis heraus Vorschläge zur Vereinfachung und 
hatte, ist er m it der ihm eigenen Energie sofort im Klärung des Kassenwesens machen können." Ich 
Auftrage des Magistrats an eine Prüfung unserer glaube, darin liegt ein gesunder Fortschritt! Und 
Kasseneinrichtungen gegangen, hat sämtliche hervor­ das kann man auf jedem Gebiete zu jeder Zeit in 
ragenden Städte unseres Landes mit den geeigneten Vorschlag bringen, daß man sich unter Umständen 
Kassen- und Revisionsbeamten besucht, sich über die fragt: gibt es nicht einen Weg, auch Ansichten 
dort herrschenden Kasseneinrichtungen unterrichtet anderer Männer zu hören, die ganz besonders auf 
und hat dann auf Grund der gesammelten Er­ diesem Gebiet beschlagen sind? Ich schätze unseren 
fahrungen eine Reorganisation unserer Kassen­ Kämmerer sehr hoch — das weiß er auch —, ich 
verhältnisse geschaffen, die meines Erachtens muster­ schätze unser Kassenwesen außerordentlich hoch, auch 
haft ist, die auch als musterhaft von den Männern unsere Buchführung ist gewiß nach vielen Richtungen 
in der Kassen- und Finanzdeputation, die etwas hin vereinfacht; trotzdem wird es sich aber doch wohl 
davon verstehen, durchaus anerkannt worden ist. empfehlen, sich zu überlegen, ob man nicht unter 
(Sehr richtig!) Umständen noch andere Kräfte heranziehen könnte. 
Wenn irgendwie ein Bedenken gegen diese unsere W ir ziehen auf anderen Gebieten in einem fort 
Organisation vorläge, dann wäre die Kassen- und Sachverständige heran. W ir haben vorzügliche 
Finanzdeputation der richtige Ort, wo das vor­ Direktoren unserer Krankenhäuser; trotzdem werden 
gebracht werden könnte, wie das auch Herr w ir keinen Anstand nehmen, unter Umständen 
Dr. Stadthagen jetzt selbst zugegeben hat. W ir andere medizinische Sachverständige noch zuzu­
können es den Männern in der Kassen- und Finanz- ziehen. I n  diesem Sinne werde ich m ir erlauben, 
deputation ruhig überlassen, nachdem w ir eine die Sache in der Kassen- und Finanzdeputation vor­
vollständige Organisation unserer Kassen- und zubringen, wie ich das schon vorhin gesagt habe, und 
Revisionseinrichtungen in umfangreichstem Maße wie das auch der Herr Oberbürgermeister empfahl 
mit Genehmigung der Stadtverordnetenversamm­ — was aber gar nicht mehr von ihm nötig war, da 
lung, unter Ih re r Kenntnisnahme, meine Herren, ich es bereits erklärt hatte. Von einem besonderen 
vor kurzer Zeit durchgeführt haben, ob sie bei ihren Vorschlage sehe ich heute mit meinen Freunden ab.
Revisionen irgendetwas finden, was noch weiter 
reformbedürftig ist. W ir werden dann jedesmal (Die Beratung wird geschlossen.)
bereit sein, das Notige anzuordnen. Aber ganz 
ohne vorliegende Veranlassung hier anzuregen, 
daß fremde Leute, die von unserer Verwaltung Berichterstatter Stadtv. Bergmann (Schluß­
gar nichts verstehen, nachsehen sollen, ob alles in wort): Ich möchte auf eine Äußerung des Herrn 
Ordnung ist— liegt denn dazu bei dengegenwärtigen Kollegen Dr Stadthagen noch zurückgreifen. Der 
Verhältnissen irgendein Anlaß vor? Herr Kollege äußerte sich wohl dahin, daß er die 
(Rufe: Nein!) Befähigung einzelner Herren für Revisionen der 
Ich verstehe es nicht recht, daß man hier, wenn Kassen in Zweifel zog. Nach meinem Dafürhalten 
einem plötzlich ein Gedanke durch den Kopf geht, kann das nicht der Fall sein, die Befähigung steht 
ohne daß man die genügende Kenntnis der ein­ außer Zweifel. Es handelt sich hier nur darum, 
schlägigen tatsächlichen Verhältnisse hat, auftritt daß die Arbeitslast eine größere geworden ist und 
und solche Anregung gibt, aus der doch eigentlich daß. die vorhandenen Kräfte nicht mehr ausreichen. 
Fremde schließen müssen, bei uns sei die Sache Um diesem Mangel zu begegnen, hat der Ausschuß 
nicht in Ordnung. vorgeschlagen, die Zahl der Mitglieder der Depu­tation zu erhöhen und sie nicht durch unverant­
Stadtv. Dr. Stadthagen: Der Herr Ober­ wortliche Herren aus der Stadtverordneten­
bürgermeister hat sich eben dahin geäußert, daß er versammlung zu ergänzen. Ich bitte Sie hiernach, 
es nicht recht verstehe, wenn man hier auftritt und dem Ausschußantrage zuzustimmen.
eine Anregung gibt, ohne genügende Kenntnis der 
einschlägigen Verhältnisse zu haben. Ich möchte (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage 
doch bitten, derartige allgemeine Anschuldigungen des Ausschusses, wie folgt:
nicht gegen die Stadtverordnetenversammlung oder I. Der Antrag des Magistrats vom 12. Januar 
Gruppen derselben zu erheben. Ich habe diese 1909 — V 1687 —, lautend wie folgt:
Anregung nicht allein aus m ir heraus gemacht, Zur Mitwirkung bei den ordentlichen 
sondern sehr sachverständige und auch sonst versierte und außerordentlichen Revisionen der städti­
Herren haben ähnliche Anschauungen geäußert über schen Kassen einschließlich des Deposito-
        
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