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Volltext : Stenographischer Bericht (Rights reserved) Ausgabe 1948 (Public Domain)

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0.  Schulze,  Die  Stauwerke  des  Nilthaies.

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1894  noch  nicht  erreicht  wurde,  so  konnte  dieser  jedoch
schon  bis  4  m  gesteigert  werden.
Die  kaum  noch  erhoffte  glückliche  Vollendung  des
ganzen  Werkes  nach  so  wechselvollen  Schicksalen  brachte
nun  dem  Lande  reichen  Segen,  in  wenigen  Jahren  verdoppelte ­
  sich  die  Baum  wollenem  te,  die  Frohndionste  zur
Räumung  der  Canäle  konnten  abgeschafft  werden,  und  greise

Geld-  und  Arbeitsaufwendungen  für  Hebung  des  Wassers
wurden  erspart.  Der  Aufstau  der  Niedrigwassermenge  des
Nils  ist  sogar  so  vollkommen  erreicht  worden,  dafs  z,  B.
1892  alles  Nilwasser  den  Canälen  zugewiesen  werden  konnte.
Einige  später  noch  auftretende  Quellen  wurden  mittels  einer
entsprechenden  Verlängerung  des  Sturzbettes,  die  durch  eine
starke  mit  Cementsäcken  bedeckte  Kleischicht  bewirkt  wurde,
unschädlich  gemacht.  Die  gesamten  auf  Herstellung  der
Anlage  verwandten  Kosten  haben  sich  reichlich  bezahlt  gemacht. ­

Dafs  aber  sorgfältige  Unterhaltung  und  Ueberwachung
nicht  fehlen  dürfen,  ist  jedem  Eingeweihten  klar,  und  nachdem. ­
  das  Bedürfnis  zu  höherer  Anspannung  des  Stauspicgels
cingetreten  ist,  hat  man  sich  neuerdings  zu  einer  weiteren
Verstärkung  der  ganzen  Anlage  entschlossen  und  eine  Summe
von  11000  000  J6  dafür  bereitgestellt.  Die  Arbeiten  haben
im  verflossenen  Jahre  begonnen  und  werden  voraussichtlich  in
dem  laufenden  ihrer  Vollendung  entgegengehen.  Sie  beruhen
auf  dem  schon  von  John  Fowler  angeregten  Gedanken  der
Anordnung  eines  zweiten,  unterhalb  belegenen,  die  Staustufe
zerlegenden  Entlastungswehres,  wie  in  der  Uebersichtszeichnung
  (Text-Abb.  9)  ersichtlich  ist.  Die  weitere  Anordnung
dieses  zweiten  festen  Wehres,  das  600  m  unterhalb  des  bestehenden ­
  errichtet  wird,  zeigen  die  Text-Abb.  10  bis  12.  Das
Hauptinteresse  fordert  dabei  die  Herstellung  des  Mauerwerkkerncs
  aus  Kalkbruchstein,  Nachdem  zunächst  die  Baugrube
durch  Baggerung  hergestellt  ist,  werden  hölzerne  abgebundene ­
  Tafeln  von  etwa  1  m  Breite  und  8  m  Höhe  zu
einem  Kasten  zusammen  gestellt,  dessen  Innenraum  dem  herzustellenden ­
  Mauerwerkkörper  entspricht,  und  durch  Zangen
und  Ketten  zusammengezwängt.  In  den  Hohlraum  werden
nun,  nachdem  darin  drei  eiserne,  mit  zahlreichen  Löchern
versehene  Rohre  von  0,15  in  Durchmesser  aufgestellt  worden
sind,  Kalkbruchsteine  bis  zu  der  erforderlichen  Höhe  geworfen. ­
  Die  Ausfüllung  der  Fugen  erfolgt  darauf  durch  dünnflüssigen ­
  Gement,  der  durch  ein  besonderes,  etwa  0,05  m
Durchmesser  haltendes  Rohr  eingegossen  wird,  welches,  von
unten  anfangend,  allmählich  dabei  gehoben  wird.  Nach  vorgenommenen ­
  Proben  soll  auf  diese  Weise  ein  guter  dichter
Mauerwerkklotz  erhalten  und,  da  ein  in  acht  Stunden  abhindender
  Gement  zur  Verwendung  gelangt,  aufserordentlioh
schnelles  Arbeiten  ermöglicht  werden.
Bei  dem  im  Jahre  1899  im  Damietta-Arm  in  Ausführung ­
  begriffenem  Theile  wurde  die  ganze  Arbeit  von

schwimmenden  Rüstungen  (Text-Abb.  12)  ans  vorgenommen,
von  denen  vier  in  Verwendung  waren.  Der  Arbeitsfortschritt
betrug  täglich  insgesamt  10  m,  sodafs  in  zwei  Monaten  der
ganze  etwa  500  m  lange  Mauerwerkkörper  hergestellt  werden
konnte.  Eine  solche  Beschleunigung  der  Arbeiten  wird  dadurch ­
  bedingt,  dafs  sie  innerhalb  zweier  Hochwässer  des
Nils,  also  vom  November  bis  Juni  ausgeführt  werden
müssen.
Mögen  diese  Arbeiten  zur  weiteren  Vervollkommnung
des  mit  so  vielen  Opfern  hergestellten  „Barrago  du  Nil“
beitragen  und  seine  Nutzbarkeit  für  die  Bewässerung  Unterägyptens ­
  erhöhen.
Der  Koschescha-Auslafs,  das  zweite  groisc  vollendete ­
  Werk  englischer  Ingenieure  in  Aegypten,  ist  für  den
mittleren  Theil  des  Landes  bestimmt.  Seine  Herstellung
wurde  dadurch  veranlafst,  dafs  Ismail  Pascha  für  seine  in
Mittelägypten  belegenen  ausgedehnten  Ländereien  von  clcx*
alten  bisherigen  Bewässorungsart,  dem  Beckensystem,  nach
welchem  jährlich  nur  eine  Heberstanung  stattfindet,  überging ­
  zu  der  zeitgemäfseren  Form  der  regelmäfsigen,  das
ganze  Jahr  hindurch  währenden  Bewässerung,  um  Zuckerrohranbau
  zu  treiben.

Pflaster  in  Gement'

:hstein  Mauepwerk
£U»steeJnCement

Kalkbnuchstem
Mnupfwcrk

Abb.  10-  EnlUstmigswehr.
Diese  Besitzungen  bilden  einen  grofsen  Theil  des  urbaren ­
  Landes  in  Mittelägypten,  erstrecken  sich  von  Derut
abwärts  bis  Koschescha
(vgl.  Text-Abb.  1)  und
bilden  längs  dem  Westufer ­
  des  Nils  einen  Streifen ­
  von  190  km  Länge,
dessen  Breite  zwischen
einem  Viertel  und  der
Hälfte  der  Thalbreite

j  Kalkbruohsteln/  F
l(  8,0—1  ^
Abb.  11.  Wagerechtor  Schnitt
(s.  Abb.  12).

schwankt.  Behufs  rcgelmäfsiger  Bewässerung  dieses  mächtigen ­
  Besitzes  liefs  Ismail  Pascha  82  km  oberhalb  Assiuts  einen

Winde

'durch  Baggerung  hergaslellt
Ahb.  12.  Schwimmende  Rüstung  für  die  Herstellung
des  Mauerwerkkörpers.
Canal  von  dem  Nil  abzweigen,  der  unter  dem  Namen  Ibrahimiyah-Canal
  das  ganze  Gebiet  durchzieht  und  das  Nilwasser ­
  zur  bequemen  Versorgung  der  Aecker  hoch  genug
            
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