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Periodical volume 3. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

460 Sitzung vom 3. 9 vvember 1909
zahlen m üßten , so groß ist, daß sie fast vollständig w altungsrecht einzudäm m en, w eiter gehen, und 
m ietefrei w ohnen. D as ist das, w as der Fiskus es kann dann  kommen, daß die R egierung einm al 
anstrebt, und er wird hierbei durch die priva ten  über unsern Kopf hinw eg u n s sagt: I h r  habt die 
T errainspekulanten, durch seine p rivaten  Kollegen, und die B ahnen  zu bauen und die und die S u m m en  
unterstützt. zu zahlen!
(S e h r richtig! und U nruhe.) Ich  will auf die Einzelheiten der V orlage 
D as kann hier ganz ruhig vor der Öffentlichkeit bei der vorgeschrittenen Z eit nicht w eiter ein­
ausgesprochen w erden. Ic h  w ürde mich auch nicht gehen. N ur ein W ort über die Art, wie w ir die 
scheuen, in der Öffentlichkeit die N am en  zu nennen. V orlage behandeln sollen. E s ist eine starke Z u ­
E s handelt sich nicht um  einen S tre it  zwischen W il­ m utung , die an  die S tad tverordnetenversam m lung 
m ersdorf und C harlo ttenburg , sondern u m  einen gestellt wird. W ir haben die V orlage vom  1. N o­
S tre it  zwischen H aberland und der Deutschen Bank, vem ber vor w enigen T agen  erhalten, und u n ­
dessen Kosten die S ta d t  C harlo ttenburg tragen  soll. gefähr eine halbe S tu n d e  vor E röffnung dieser 
(S e h r richtig!) Sitzung haben w ir zu der um fangreichen V orlage 
E s w äre m al sehr interessant, zu untersuchen, w ie­ noch eine allerdings nicht sehr umfangreiche, 
viel p riva te  Speku lan ten  hier ihre Hand im  Sp ie le  aber doch sehr wichtige Ergänzung bekommen; 
haben. W ir w erden das ja m it S icherheit nicht fest­ es ist kaum möglich gewesen, diese Ergänzung 
stellen können; denn die H erren sind eben viel zu einigerm aßen gewissenhaft zu p rüfen . N un  wird 
schlau, a ls daß sie ihre K arten  aufdecken. Aber gesagt: w ir wollen die Angelegenheit in einem  
das pfeifen die Spatzen von den Dächern, daß wir Ausschuß prüfen , der Ausschuß soll unm itte lbar 
die Kosten zahlen sollen, dam it die p riva ten  Speku­ nach Schluß der Sitzung zusam m entreten, die 
lan ten  auf ihre Kosten kommen, und dam it ihre anderen H erren sollen dann draußen w arten  —  
In te ressen  gefördert w erden, die m it denen des oder auch hier bleiben — , und w enn der Ausschuß 
Fiskus, des S ta a te s , identisch sind. fertig ist, sollen w ir w ieder zur Plenarsitzung 
D as  schlimmste aber ist, daß diesen Zwecken zusam m entreten. M eine H erren, entschuldigen 
sogar die Selbstverw altung geopfert w erden soll. S ie  den Ausdruck —  aber das kommt m ir wie eine 
W ir haben ja  nicht allzuviel Z u trau en  zu der Komödie vor. W ir sollten doch offen sein und 
R egierung in bezug auf die S elbstverw altung; sagen: fü r den wichtigsten T eil der B era tung  
w ir wissen ganz genau, daß das W ort Selbstver­ schließen w ir die Öffentlichkeit aus. W eiter ist 
w altung heute nichts w eiter ist als eine Phrase. es doch nichts: das Publikum  wird gebeten, den 
Aber, m eine H erren, ein solcher F a ll h a t sich S a a l  zu verlassen, und w enn es u n s  gefällt, ru fen  
bisher in P reußen  noch nicht ereignet, daß den wir es w ieder herein. M eine H erren, das machen 
Spekulationsinteressen der R egierung des Selbst­ w ir nicht m it. W ir sagen, daß die Bevölkerung 
verw altungsrecht der G em einden geopfert wird. C harlo ttenburgs ein sehr lebhaftes In teresse  daran  
(S e h r richtig!) hat, zu erfahren, wie die S tad tv ero rd n e ten  darüber 
D er H err R eferent ha t ja  bereits auf die A us­ denken, und nicht n u r wie sie darüber denken, 
führungen in  der F rankfurter Z eitung  hinge­ sondern auch aus welchen G ründen  sie zu ihrem  
wiesen; ich brauche das nicht zu w iederholen. V otum  kommen. Diese G ründe will m an  aber 
Ich  will n u r noch hinzufügen, daß auch ein M it­ in  der Öffentlichkeit nicht m itteilen , m an  will 
glied des C harlo ttenburger M agistrats u n te r N en­ h in ter verschlossenen T ü ren  verhandeln, und die 
nung seines N am ens im  B erliner T ageb la tt ganz Bürgerschaft erfährt m orgen aus der Z eitung 
ähnliche A usführungen veröffentlicht hat. W ir lediglich, w as beschlossen ist. M eine H erren, w enn 
hätten  es lieber gesehen, m eine H erren, w enn der w ir die V orlage beraten  sollen, dann  sollten w ir 
M agistrat bei seiner V orlage vom 27. Oktober es in  voller Öffentlichkeit t u n ! Beschließen S ie  
geblieben und w enn prinzipiell einm al ausge­ zwei Lesungen, beraten  S ie  in zw eiter Lesung 
suchten w äre, ob tatsächlich das Kleinbahngesetz über die E inzelheiten der V orlage, aber beraten  
angew endet w erden kann, um  das Selbstver­ S ie  im  P len u m ! W ir wissen, daß au s ganz 
w altungsrecht abzuw ürgen. Selbst auf die G efahr bestim m ten G ründen  das nicht geschehen soll; aber 
hin, daß wir in  dem Prozeß un terliegen  w ürden, ich scheue mich nicht zu sagen, daß nichts verheimlicht 
w äre ich fü r die A nstrengung des Prozesses gewesen; zu w erden braucht, wenigstens nicht von unserer 
dann hätte  sich vor aller W elt einm al gezeigt, wie S e ite ; w i r  w erden durch die V erhandlung in 
es um  die Selbstverw altung der G em einden in der Öffentlichkeit nicht geschädigt werden.
P reu ß en  bestellt ist. Aber leider w ill der M a ­ D ie ganze Art, wie sich jetzt die D ifferenzen 
gistrat den Weg nicht gehen, und ich fürchte, daß in  dem  Verkehrswesen bei u n s abgespielt haben, 
auch die M inderheit der S tad tvero rdne tenver­ bestärkt mich im m er m ehr in der Anschauung, 
sam m lung, die auf m einem  S tandpunk t steht, der w ir w iederholt Ausdruck gegeben haben und 
durch die Ausschußberatung nicht zur M ehrheit die in  unserer prinzipiellen Forderung  zum  A us­
w erden wird. druck kommt, daß w ir verpflichtet sind, d a s  V e r ­
D er H err R eferen t hat m it vollem  Recht k e h r s w e s e n  i n  e i g n e  R e g i e  z u  ü b e r ­
gesagt, daß die A rt des V orgehens von W ilm ers­ n e h m e n .  H ätten  w ir das rechtzeitig getan, 
dorf, wie W ilm ersdorf sich hin ter die S ta a ts ­ hätten  w ir nicht unsere S traß en b ah n en  P r iv a t­
regierung gesteckt hat, nicht gerade zur F örderung  gesellschaften ausgeliefert, dann  w ären  w ir nicht 
des Selbstverw altungsrechts beiträgt. D as  u n te r­ in  die unangenehm e Lage gekommen, in der w ir 
schreibe ich vollkommen. Aber, m eine H erren, es u n s jetzt befinden.
frag t sich doch, ob die A rt u n s e r e s  V orgehens (S e h r  richtig!)
zur F örderung  des Selbstverw altungsrechts bei­ M eine H erren, die jetzigen Zustände drängen 
träg t. W enn w ir im m erfort zurückweichen, im m er auch m it N otwendigkeit zu einem  V e r k e h r s ­
nachgeben, dann  wird die S taa ts reg ie ru n g , die v e r b a  n d e  G r o ß - B e r l i n s .  E in  V er­
schon so wie so keinen hohen B egriff von den kehrsverband —  der vielleicht gar nicht das Licht 
S tä d te n  hat, in ihrem  S treb en , das Selbstver- der W elt erblickt — soll ja in der B ildung  begriffen
        
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